Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Das Schweizer Wild ist besser als sein Ruf

Hirschkühe und Kälber äsen auf einer Wiese bei Langwies, Graubünden.

(Keystone)

An der unbefriedigenden Waldverjüngung und Weisstannenarmut in Schweizer Gebirgswäldern ist nicht das Wild schuld. Eine neue Studie entlastet es von dieser bisherigen Annahme.

Demnach schaden Mäuse kleinen Weisstannen stärker als Rehe, Hirsche und Gemsen.

Das Wild hat den Ruf, den nachwachsenden Wald zu fressen und damit vor allem die Weisstanne zu behindern. Diese etablierten Ansichten müssen gemäss dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) nun relativiert werden.

Das Wild sei nicht die einzige und mit Sicherheit nicht die wichtigste Ursache für die unbefriedigende Waldverjüngung und den geringen Anteil an Weisstannen im Schweizer Gebirgswald.

Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), die dieses "Waldsterben von unten" im Rahmen des Forschungsprogramms "Landschaften und Lebensräume der Alpen" untersucht haben.

Die Mäuse sind schuld

Einen Zusammenhang zwischen der Zahl verbissener Weisstannen und der Dichte und Alterszusammensetzung der Jungbäume gebe es nicht. Im Vorbergwald bei Sarnen, Kanton Obwalden, etwa schafften es besonders viele Weisstannen, aus der Reichweite des Wilds hinauszuwachsen, obwohl dieser Wald vom Wild intensiv genutzt wird.

Laut den Forschern rücken damit andere Faktoren in den Vordergrund. Mindestens so wichtig seien die Konkurrenz zwischen den Pflanzen um Platz und Licht sowie Trockenperioden während der Keimung.

Und anscheinend spielten auch die Mäuse eine wichtige Rolle. Die Häufigkeit verbissener Weisstannen bis zehn Zentimeter Höhe hänge vom Vorkommen dieser kleinen Säugetiere ab, und nicht von der Huftierdichte.

Verbisse können überstanden werden

Die Studie zeigt ausserdem, dass junge Bäume Verbisse sogar überstehen können. "Unsere Experimente haben ergeben, dass unter günstigen Lichtverhältnissen ein verbissener Trieb innerhalb von zwei Jahren kompensiert werden kann", sagt WSL-Forscher Josef Senn.

Der Verbiss beeinflusse deshalb oft nur die Wachstumsgeschwindigkeit und nicht generell die Artenvielfalt.

Wild entlastet

Das Wild wird gewissermassen auch durch die Geschichte entlastet. Auch für den geringen Anteil grosser Weisstannen im Gebirgswald sei nicht das Wild verantwortlich, wie von der Forstwirtschaft vermutet.

Bis weit ins 20. Jahrhundert habe sich der Wald praktisch wildfrei entwickelt. Und auch in diesem Zeitraum sei der Anteil der Weisstanne und vieler Laubbäume zurückgegangen.

Forstwirtschaftliche Eingriffe verantwortlich

Die Ausbreitung der Weisstanne sei vor allem durch Eingriffe der Forstwirtschaft selbst zugunsten der Fichte und die intensive Waldweidewirtschaft behindert worden.

Die Forscher nehmen deshalb an, dass das Wild den Wald auch künftig nicht wesentlich beeinflussen wird. "Vielfältige Wälder mit einem grossen Angebot an alternativer Nahrung können auch bei starkem Nutzungsdruck durch Wild erfolgreich eine neue Baumgeneration bilden", so Senn.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Das Nationale Forschungsprogramm "Landschaften und Lebensräume der Alpen" (NFP 48) des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) hat den Auftrag, Ziel- und Handlungswissen für eine gesellschaftlich erwünschte, wirtschaftlich tragbare und politisch umsetzbare Landschaftsentwicklung zu erarbeiten.

Endogene und exogene Kausalitäten der Landschaftsentwicklung sollen erkannt, Anforderungen und Normen für eine nachhaltige Landschaftsentwicklung erarbeitet und Handlungsmöglichkeiten in den relevanten Politik- und Handlungsfeldern aufgezeigt werden.

Infobox Ende

Fakten

NFP 48:
Forschungsdauer: 5 Jahre
Forschungsstart: 2002
Rahmenkredit: 15 Mio. Fr.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.

swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

×