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Das Triple des Stéphane Chapuisat

Vorbei auch am Torhüter: "Chappi" trifft an der WM 1994 in den USA gegen Rumänien zum 2:1 für die Schweiz.

(Keystone)

Die Schweiz ist im Juni in Portugal erst zum zweiten Mal an einer EM-Endrunde dabei. Für Stéphane Chapuisat hingegen ist es der dritte fussballerische Grossanlass.

Der Waadtländer Stürmer war bereits an der WM 1994 und der EM 1996 im Schweizer Team. "Chappi" im Gespräch mit swissinfo.

Beim bald 35-jährigen Stéphane Chapuisat sind Superlative wahrlich nicht aus der Luft gegriffen: Champions-League-Sieger und zweifacher deutscher Meister mit Borussia Dortmund, Torschützenkönig der deutschen Bundesliga sowie Schütze von zahlreichen schönen und wichtigen Treffern auch in der Schweizer Nationalmannschaft.

Von seiner Torgefährlichkeit hat er nichts eingebüsst: In der Schweizer Fussball-Meisterschaft wurde er mit seinen insgesamt 23 Goals soeben neuer Torschützen-König.

Aber "Chappi", wie er von den Fans auf der Tribüne angefeuert wird, ist trotz all dieser einmaligen Erfolge stets sich selbst treu geblieben, bescheiden, fast schon schüchtern, dabei immer nahbar und zuvorkommend.

Auf dem Rasen aber wird er zum schlitzohrigen Fuchs, der mit seinem Instinkt, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, für Panik in den Reihen der gegnerischen Abwehr sorgt.

Gerade wegen seiner Authentizität, und natürlich wegen seiner Tore, ist er immer noch das Idol vieler ganz junger Spieler, noch vor gehypten Stars wie Beckham, Ronaldo und Co.

Bereits vor 10 Jahren, an der Weltmeisterschaft 1994 in den USA, war Chapuisat einer der Leader in der Schweizer Equipe. Beim legendären 4:1-Sieg gegen die Rumänen traf er zum 2:1. Zwei Jahre später, an der EM in England, war er wiederum eine der Teamstützen.

swissinfo: Was bedeutet für Sie diese EM in Portugal?

Stéphane Chapuisat: Ich kenne keinen einzigen Spieler, der sich nicht auf diesen Anlass freut. Aber da ich das Glück hatte, 1994 in den USA und 1996 in England dabei zu sein, sehe ich das etwas gelassener.

Freude und Leidenschaft sind nach wie vor da. Aber ich bin etwas ruhiger und bedächtiger geworden, ich geniesse es mehr als mit 25 Jahren. Es ist wirklich fantastisch zu spüren, dass das ganze Land hinter der Mannschaft steht.

swissinfo: Welche Erinnerungen haben Sie an diese beiden Ereignisse?

S.C.: Ich erinnere mich gut an den Anfang der Neunzigerjahre. Seit fast 30 Jahren wartete die Schweiz auf eine erneute Qualifikation für einen Grossanlass. Und unter der Leitung von Trainer Roy Hodgson erreichten wir wirklich Unglaubliches.

Zuerst qualifizierten wir uns in einer schweren Gruppe mit Italien, Portugal und Schottland für die WM. In den USA spielten wir im Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber. Und dann kam dieser Supermatch gegen Rumänien in Detroit, dank dem wir uns für die Achtelfinals qualifizieren konnten.

Zwei Jahre später in England blieben wir dann auf der Strecke. Aber wir hatten dennoch die Genugtuung, dass wir im legendären Wembley-Stadion im Eröffnungsspiel gegen England haben antreten können.

swissinfo: Mehrere Spieler der Schweizer Nati spielen bei Klubs im Ausland. Das bedeutet solide Erfahrung, auch wenn diese Spieler jünger sind als Sie und 1994 in den USA nicht dabei waren.

S.C.: Wir haben ein sehr gutes Team. Anders wäre es nicht möglich, sich für einen solchen Anlass zu qualifizieren. Aber das ist auch das Resultat von harter Arbeit.

Dass viele Schweizer Spieler im Ausland spielen, ist unleugbar ein Plus für die Nationalmannschaft. Sie können mit dem Druck umgehen, den ein solcher Anlass mit sich bringt. Und sie wissen auch, wie man sich während der Spiele verhalten muss, um so viel Leistung zu bringen wie möglich. Das ist für sie nichts Neues.

swissinfo: Ein Wort zu Nationaltrainer Köbi Kuhn.

S.C.: Sein grosses Verdienst ist es, ein homogenes Team aufgebaut zu haben, das viel leisten kann. Wir haben das Glück, einen Trainer zu haben, der selber ein ausgezeichneter Spieler war. Er war bei Grossanlässen wie der WM 1966 dabei, daher weiss er, was seine Spieler brauchen, um ihr Möglichstes geben zu können.

swissinfo: Wie sehen Sie die Chancen der Schweiz in Portugal?

S.C.: Prognosen sind immer schwierig. Eines ist sicher: Der erste Match gegen Kroatien wird ausschlaggebend sein. Wenn wir uns dort durchsetzen, ist alles möglich. Denn das Spiel des englischen Teams passt uns ganz gut. Und Frankreich ist zwar Turnier-Favorit, aber wer weiss...

swissinfo: Die Euro 2004 ist wohl der letzte grosse Anlass in Ihrer Karriere. Oder denken Sie, dass Sie noch mit YB in der Champions League spielen werden?

S.C.: Nach meinen acht Saisons mit Dortmund, der WM von 1994 und der EM von 1996 glaubte ich nicht, nochmals so etwas erleben zu dürfen. Was ich mit der Schweizer Nati und den Young Boys erlebe, ist ein Bonus.
Was eine mögliche Teilnahme mit dem Berner Klub an der Champions League angeht, denke ich, dass wir doch zuerst das erste Qualifikationsspiel gewinnen sollten, um zumindest sicher im UEFA-Cup mitspielen zu können. Ein letzter europäischer Anlass dieser Art würde mich überglücklich machen.

swissinfo, Mathias Froidevaux
(Übersetzung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

Fakten

Stéphane Chapuisat ist der erfolgreichste Schweizer Fussballer der Gegenwart.
Er gewann mit Borussia Dortmund zwei deutsche Meistertitel (1995 und 1996) sowie die Champions League (1997), den bedeutendsten Titel im europäischen Klubfussball.
Zurück in der Schweiz wurde er mit GC Meister (2001).
Seit 2002 spielt er bei den Berner Young Boys, mit denen er soeben Vizemeister wurde.
"Chappi" ist mit 23 Treffern auch neuer Schweizer Torschützenkönig.

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In Kürze

Stéphane Chapuisat ist in Portugal der einzige Schweizer Spieler, der bereits an der Weltmeisterschaft 1994 in den USA und an der Euro 1996 in England dabei war.

Er ist auch der einzige der aktuellen Spieler, der mehr als 100 Partien im Trikot der Schweizer Nationalmannschaft bestritten hat.

Mit bald 35 Jahren (er hat am 28. Juni Geburtstag) ist die EM in Portugal sein letzter grosser Anlass.

Seine Karriere will er Ende 2005 definitiv abschliessen.

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