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Den Höhenkliniken geht der Schnauf aus

Die Thurgauer Schaffhauser Klinik in Davos soll geschlossen werden. (Bild: hoehenklinik-davos.ch)

Die Höhenkliniken in Davos mit ihrer frischen Bergluft, berühmt für die Behandlung von Lungenkrankheiten, stecken in einer Krise.

Mehrere mussten bereits ihre Tore schliessen. swissinfo besuchte den Ort in Graubünden, um herauszufinden, ob die Schliessungen das Ende als Höhenkurort bedeuten.

Davos liegt in den Bergen, auf 1'500 Metern, und war während über einem Jahrhundert ein Magnet für Lungenkranke.

Auf dem Höhepunkt – in den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts – sandten Ärzte aus ganz Europa ihre Patientinnen und Patienten zur Erholung von der Tuberkulose (TB) in die zwei Dutzend Kliniken.

Der Roman des deutschen Schriftstellers Thomas Mann, Der Zauberberg, eine ironische Geschichte von TB-Kranken in Davos, spielt in der deutschen Valbella-Klinik.

Abstieg wegen Erfindung von Antibiotika

Doch nach dem Krieg nahm die Zahl der Kliniken infolge der Entdeckung von Antibiotika gegen TB ab. Jetzt steckt Davos erneut in der Krise.

Im Zeitraum von einigen wenigen Monaten ging die Zahl schweizerischer und ausländischer Sanatorien von sieben auf vier zurück.

Die Klinik Valbella und eine weitere deutsche Klinik schlossen ihre Tore Ende November letzten Jahres.

Die Schweizer Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik soll Ende März 2005 zugehen.

Lieber jetzt als später

"Wir schliessen die Klinik schweren Herzens", erklärte Herbert Bühl, Präsident der Stiftung Thurgauer Schaffhauser Höhenklinik.

"Wir versuchten alles, um die Klinik über die nächsten drei Jahre zu retten. Aber wir hatten die Wahl, sie mit einem grossen Defizit weiterzuführen, was in einer Katastrophe geendet hätte, oder sie jetzt zu schliessen, dafür mit einem guten Sozialplan für das Personal", führte er gegenüber swissinfo aus.

Auch anderen Davoser Kliniken geht es finanziell schlecht. Das Holländische Asthma-Zentrum hat soeben aus finanziellen Gründen mit der Deutschen Hochgerbirgsklinik Davos-Wolfgang und der Alpinen Kinderklinik, einer von nur zwei solchen Kliniken in der Schweiz, fusioniert. Dazu hat sie vorübergehend von Davos und dem Kanton Graubünden finanzielle Unterstützung erhalten.

Strategiewechsel auf Rehabilitation

Nur die Zürcher Höhenklinik Davos, die ganz vom Kanton Zürich finanziert wird und in die beträchtliche Mittel investiert wurden, hat gute Aussichten für die Zukunft.

"Wir sind zu 91 Prozent belegt, und unser Strategiewechsel in den 1990er-Jahren, als wir uns auf Rehabilitierung spezialisierten, funktioniert sehr gut. Deshalb sind wir heute gut in Form", meint Direktor Thomas Kehl.

Laut Andrea Meisser, dem Vorsitzenden der Davoser Spitalkommission, ist die Krise, mit der sich viele Kliniken herumschlagen, eine Folge der Entwicklungen der Gesundheitssysteme Deutschlands und der Schweiz.

Bemühungen um Kostensenkung

"Wegen der hohen Gesundheitskosten und der Versuche der Politiker, diese zu senken, bekommen weniger Patienten ihren Aufenthalt in Davos von der Krankenversicherung bezahlt", erklärte Meisser gegenüber swissinfo.

"Und im Fall der Thurgauer Schaffhauser Klinik wollen die beiden Kantone nicht mehr zahlen", fügte er bei.

Ein weiterer Aspekt des Problems ist der Trend hin zur Erholung zuhause oder im Ausland. Das ist für die Versicherer billiger, als die Patienten nach Davos zu schicken.

Deshalb haben einige Kliniken Mühe, ihre Betten zu belegen. Seit Mai letzten Jahres war die Thurgauer Schaffhauser Klinik nur zu 50% ausgelastet.

Zahlreiche Arbeitsplätze gehen verloren

Der Verlust der Kliniken ist nicht nur ein Schlag für die Davoser Wirtschaft, sondern auch für die Bewohnerinnen und Bewohner, denn er bedeutet den Verlust von 300 Arbeitsstellen.

In ganz Davos sind Plakate mit Aufrufen für Aktivitäten zur Stellenrettung zu sehen. Arbeit im Gesundheitswesen ist in Davos rar, denn die Stellen in den verbleibenden Sanatorien sind alle schon besetzt.

Laut Meisser ist es eine der grössten Herausforderungen für Davos, neue Stellen für diese Leute zu finden. Er glaubt aber, dass sich die Wirtschaft des Orts, der nun einen Verlust an Einkommen und Steuern zu verkraften haben wird, nach einem Jahr wieder erholen wird.

Optimistisch für den Höhenkurort

Und er bleibt optimistisch, was die Zukunft von Davos als Höhenkurort angeht.

"Dies ist zwar eine Krise, aber nicht für das Gesundheitswesen des ganzen Dorfs. Es ist auch eine Gelegenheit zum Strukturwandel, zur Vorbereitung der Zukunft", führte er weiter aus.

Dazu gehört eine Neuausrichtung auf modernere Konzepte für Gesundheit und Wohlbefinden. Ausserdem müssen sich die überlebenden Kliniken wieder auf ihre Kernkompetenzen in der Behandlung von Lungenkrankheiten, Allergien und Asthma konzentrieren.

Investoren gesucht

Ferner müssen potenzielle Investoren für die leeren Kliniken gesucht werden. Der Ort mit seinen 13'000 Einwohnern, in dem diese Woche das jährlich stattfindende Weltwirtschaftsforum (WEF) stattfindet und der ein beliebter Ski- und Ferienort ist, hat eine Arbeitsgruppe für Gesundheitsfragen gebildet.

Alle drei Männer aber sind sich bewusst, dass die im Zauberberg beschriebenen glanzvollen Tage vorbei sind.

"Es war eine wunderbare Zeit, aber das ist Geschichte", meinte Kehl gegenüber swissinfo. "Der Markt wartet nicht, und muss mit der Zeit gehen, sonst geht man mit der Zeit - buchstäblich."

swissinfo, Isobel Leybold-Johnson in Davos
(Übertragung aus dem Englischen von Charlotte Egger)

In Kürze

Der Zauberberg (1924) erzählt die Geschichte von Hans Castorp, der seinen Vetter in einem Davoser Sanatorium besucht.

Er ist fasziniert von dieser Welt und bleibt sieben Jahre dort. Erst nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs reist er ab.

Thomas Manns Roman geht auf dessen Reise von 1912 zurück, als er seine Frau Katja, welche unter Bronchitis litt, in Davos besuchte.

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Fakten

1950 gab es in Davos 24 Sanatorien
2005 sind es noch vier, dazu kommt das Davoser Spital
300 Leute werden ihre Stelle verlieren
Davos hat 13'000 Einwohner, davon arbeiten 1000 im Gesundheitswesen
Auch die Zukunft von zwei Höhenkliniken in Crans-Montana im Kanton Wallis soll unsicher sein

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