Navigation

Sprunglinks

Hauptfunktionen

Der Bildschirm hat das Buch nicht verdrängt

Den Finnen ist die Pressevielfalt wichtig - dies veranschaulicht das supermoderne Pressehaus in Helsinki.

(swissinfo.ch)

In Finnland haben Internet und Handy niemandem die Freude am Lesen von Büchern oder Zeitungen verdorben.

Laut der jüngsten, in 43 Ländern durchgeführten PISA-Studie gehören die finnischen Jugendlichen zu den eifrigsten Leserinnen und Lesern. Aber für wie lange noch?

"Bei der älteren Generation ist Lesen Tradition", hält Sini Sovijärvi fest. "Bei unserem Klima brauchen die Leute einen intelligenten Zeitvertreib."

Die Produzentin von Bildungssendungen für das nationale Fernsehen glaubt, dass man heute noch nicht sagen kann, welchen Einfluss die Revolution der Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT) auf das kulturelle Niveau des Landes wirklich hat.

Sie hat allerdings schon bemerkt, dass die Jungen nicht mehr so viel schreiben wie früher, doch dieses Phänomen ist nicht nur in Finnland zu sehen.

"Vielleicht wird eine Generation geopfert", prophezeit Sovijärvi. "Aber wissen wir denn, ob nicht die nächste Generation neuen literarischen Ehrgeiz entwickeln wird?"

Zudem werde es immer kreative Leute geben, die andere Dinge der Technologie vorziehen würden."

Der Direktor des Dokumentarfilmfestivals von Helsinki, Kai Huotari, kann die Kreativität seiner Landsleute gut einschätzen.

Er glaubt, dass Finnland, anders als das Nachbarland Schweden, bei Film- oder Fernsehproduktionen keine wirkliche Tradition kennt.

"Bisher waren wir nur auf Technik ausgerichtet. Aber beim Inhalt bin ich nicht sicher, ob wir bereit sind, mit den anderen in Konkurrenz zu treten, fügt der Cineast an.

Trotzdem sieht Huotari im triumphalen Vormarsch der ICT nicht die Gefahr der kulturellen Verarmung. Im Gegenteil, er hofft sehr, dass die Technologie neue kreative Kräfte weckt.

Ein täglicher Kampf

Führt die Informationsgesellschaft zu einer Wissensgesellschaft, zu einer weisen Gesellschaft gar, wie man gewissen Mitteilungen der Regierungen entnehmen kann.

So lyrisch möchte es der Sekretär der parlamentarischen Kommission für Verkehr und Kommunikation nicht sagen.

Nach Ansicht von Mika Boedeker "können die technischen Mittel dazu beitragen, das Wissen zu verbreiten. Aber Weisheit ist etwas anderes."

Ausserdem ist gar nicht sicher, dass Finnland seinen technologischen Vorsprung noch lange halten kann. Paula Tiihonen, Boedekers Amtskollegin in der Zukunftskommission, ist sich dessen bewusst.

"Wegen der Alterung unserer Bevölkerung besteht die Gefahr, dass wir unsere Innovationsfähigkeit verlieren", erklärt die Parlamentssekretärin. "Finnland muss unbedingt mehr ausländische Köpfe und Kapital anziehen."

"Aber es ist nicht gerade leicht, Leute nach Finnland zu locken", meint Tiihonen weiter. "Vielleicht sind wir zu weit weg von allem, zu kalt, zu altmodisch …"

Eine Klasse von Neureichen

Jedenfalls sind in Finnland viele glücklich über den ICT-Boom. Und der weltweite Erfolg von Nokia hat den Nationalstolz eindeutig gestärkt.

Das schnelle Aufkommen dieser neuen Form von Kapitalismus gefällt aber nicht allen. Bisher war in Finnland, wie in seinen skandinavischen Nachbarstaaten, eher die Gleichstellung aller wichtig.

"Dank oder wegen Nokia ist eine Klasse von Neureichen mit sehr seichten Werten entstanden", bemerkt Sini Sovijärvi.

Das sind meist ganz junge Leute, die mit einer technologischen Innovation oder mit Nokia-Börsengewinnen zu Vermögen gekommen sind.

Und das Leben dieser Neureichen ist nach Ansicht der TV-Produzentin "zu luxuriös für dieses Land".

Aus den Worten Sovijävis ist aber keine Bitterkeit zu hören. In Finnland ist man vor allem tolerant und respektiert die Freiheit.

Auch die Freiheit, bei der Handy-Landesmeisterschaft mitzumachen!

swissinfo, Marc-André Miserez, Finnland.
(Übertragung aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Alle drei Jahre wird in 43 Ländern der ganzen Welt die PISA-Studie durchgeführt. Sie misst, wie gut die 15-jährigen Schülerinnen und Schüler im Lesen und Verstehen von Texten sind.

Die Studie von 2003 zeigte, dass die finnischen Jugendlichen in Literatur an der Spitze sind, während jene aus Japan und Korea in den wissenschaftlichen Fächern führend sind.

Finnland hat 5,2 Millionen Einwohner und 1000 sehr gut besuchte öffentliche Bibliotheken. Sogar in Pubs findet man manchmal ganze Wände voller Bücher.

Die Konzentration von Tageszeitungen ist eine der stärksten weltweit. Nicht weniger als 208 Titel erscheinen auf Finnisch oder Schwedisch, der zweiten Landessprache.

Infobox Ende


Links

Neuer Inhalt

Horizontal Line


swissinfo DE

Aufruf, der Facebook-Seite von swissinfo.ch beizutreten

Treten Sie unserer Facebook Seite auf Deutsch bei!

subscription form Deutsch

Aufruf, den Newsletter von swissinfo.ch zu abonnieren

Melden Sie sich für unseren Newsletter an und Sie erhalten die Top-Geschichten von swissinfo.ch direkt in Ihre Mailbox.