Der Bodensee als Lehrstück für Wasserexperten

Blick auf die Schweizer Alpen vom deutschen Lindau aus.

Die Sanierung des Bodensees nahm 40 Jahre und über sechs Milliarden Franken in Anspruch. Heute liefert das Binnengewässer hochwertiges Trinkwasser für fünf Millionen Menschen in drei Ländern.

Dieser Inhalt wurde am 14. Juli 2008 - 16:34 publiziert

Vom "Modell Bodensee" wollen alle lernen. Inzwischen kommen Fachdelegationen aus der ganzen Welt an den flächenmässig drittgrössten und volumenmässig zweitgrössten See in Mitteleuropa.

Für die im deutschen Radolfzell ansässige internationale Umweltstiftung Global Nature Fund (GNF) ist der Bodensee ein Musterbeispiel für die Sanierung eines grossen Gewässers.

Mit dem "Modell Bodensee" soll jetzt der wegen Überdüngung kurz vor dem ökologischen Kollaps stehende Peipsi-See zwischen Estland und Russland gerettet werden.

"Bei der Bereitstellung von hochwertigem Trinkwasser durch die Reduktion des Nährstoffeintrags und bei der Nutzung von Schilfbeständen zur Gewinnung von Biogas hat der Bodensee für den Peipsi-See absoluten Vorbildcharakter", sagt Geschäftsführer Udo Gattenlöhner.

Der Peipsi ist mit 3555 Quadratkilometern Oberfläche der fünftgrösste See Europas und rund sieben Mal so gross wie der Bodensee.

Studium vor Ort

Die Stiftung betreut im Seen-Netzwerk "Living Lakes" über 50 Seen-Sanierungsprojekte in Europa, Afrika und Asien. Sie lädt immer mehr Fachdelegationen ein und veranstaltet Experten-Tagungen, an denen das "Modell Bodensee" vor Ort studiert werden kann.

Bereits vor 20 Jahren kamen Limnologen und Hydrologen aus Japan an den Bodensee, um Lösungen für den kollabierenden grössten See des Inselstaates, den Biwa-See bei Kyoto, zu finden.

Jetzt sind es Chinesen, die vom Öko-Management lernen wollen. Aber auch bei Fachleuten aus Süd- und Osteuropa stösst das Modell auf nachhaltiges Interesse. Das "Öko-Wunder" Bodensee wird derzeit prominent an der Weltausstellung im spanischen Saragossa präsentiert.

Beispielhafte Kooperation

Marco Sacchetti, Generalsekretär des Departements für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau und langjähriger Vertreter bei der Internationalen Gewässerschutzkommission Bodensee (IGKB), streicht die reibungslose Zusammenarbeit der drei Anrainerstaaten Schweiz, Deutschland und Österreich heraus.

Sie sei massgebend für den heutigen Zustand des Bodensees, der in einer dicht besiedelten, hoch technisierten und stark genutzten europäischen Region fünf Millionen Menschen mit hochwertigem Trinkwasser versorgt.

Die drei Länder sind zu gleichen Teilen an Forschung und Umsetzung der Massnahmen beteiligt. Erleichtert wird die Zusammenarbeit durch die historische Besonderheit, dass es auf dem Bodensee keine Staatsgrenzen gibt.

Hauptproblem Überdüngung

In den 1960er und 1970er-Jahren war der Bodensee durch Überdüngung in eine ökologisch katastrophale Situation geraten und drohte zu kollabieren.

Nach dem Krieg und mit dem Wirtschaftswunder in Deutschland hatte der Phosphoreintrag in den See massiv zugenommen, wie der Biologe Herbert Löffler vom Institut für Seenforschung (ISF) im deutschen Langenargen sagt.

Das Institut besteht bereits seit 1920 und wird von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg betrieben.

"Rund 40 Jahre lang hat die Nährstoff-Situation die Diskussion bestimmt", sagt Löffler. "Vom Erkennen des Problems bis zu einer ersten Trendwende vergingen rund 20 Jahre. Danach dauerte es nochmals 20 Jahre, bis der Nährstoffgehalt wieder auf dem Ausgangsniveau der 1950er-Jahre war."

Laut IGKB sind am Bodensee und in seinem Wassereinzugsgebiet über 220 Kläranlagen in Betrieb. Das Abwasserreinigungsnetz hat bis jetzt über sechs Milliarden Franken gekostet.

Neue Gefahren

Durch die aktuellen klimatischen Herausforderungen und den vielfältigen Nutzungsdruck auf die Ufer drohten dem Bodensee jedoch neue Gefahren, warnt Löffler.

Rund 50 Prozent der Uferbereiche und Flachwasserzonen seien nicht mehr in einem naturnahen Zustand. Die Renaturierung werde Jahrzehnte dauern.

Aber auch neue Stoffgruppen, wie der Eintrag von Medikamentenrückständen über die Abwässer, seien als Gefahrenpotenzial nicht zu unterschätzen.

Im Moment stellt der Seenforscher aus Langenargen dem Bodensee aber insgesamt ein hervorragendes Gesundheitszeugnis aus.

swissinfo und Harry Rosenbaum, AP

Bodensee

Der Bodensee im Nordosten der Schweiz liegt im Grenzgebiet mit Deutschland und Österreich.

In Deutschland wird er auch "Schwäbisches Meer" genannt.

Er besteht aus dem grossen Obersee und dem kleineren Untersee. Zusammen bedecken sie eine Fläche von 536 km².

Damit ist der drittgrösste See in Mitteleuropa flächenmässig nur unwesentlich kleiner als der Plattensee (Ungarn) und der Genfersee (Schweiz-Frankreich).

Zum Vergleich: der Peipsi-See (Estland-Russland) ist etwa 6,6 Mal grösser als der Bodensee.

Vom Wasservolumen her ist der Bodensee nach dem Genfersee das zweitgrösste Binnengewässer in Mitteleuropa.

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