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Der Boom auf dem Immobilienmarkt ist vorbei

Dem Schweizer Wohnungsmarkt droht eine Stagnation.

(Keystone)

Der Immobilienmarkt in den Wirtschaftszentren Zürich und Genf, aber auch in bekannten Wintersportorten wie St. Moritz oder Verbier, wird stark unter der globalen Finanzkrise leiden. Dies besagt eine Studie zur Entwicklung des Schweizer Wohneigentums.

Gemäss einem Bericht der BAK Basel Economics und der Beratungsfirma Fahrländer Partner wird allgemein mit einer Stagnation der Preise auf dem Häusermarkt gerechnet.

Die Lage in der Schweiz sei allerdings weit weniger dramatisch als in vielen anderen europäischen Ländern und den USA, sagt Stefan Fahrländer gegenüber swissinfo.

"In Frankreich, Spanien, Grossbritannien und Irland beobachten wir einen starken Preiszerfall", sagt der Berater.

Wie die Financial Times berichtete, hat Wohneigentum in diesen Ländern in den letzten 20 Jahren um mehr als das Dreifache zugenommen, während es in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Portugal um rund 10% zurückging.

Es gibt zwei Hauptgründe, weshalb der Schweizer Markt von grösseren Turbulenzen mehr oder weniger verschont blieb.

Mit einem Anteil von 37% hat das Land eine der tiefsten Wohneigentums-Raten der Welt. In den meisten Teilen Eurpas liegt er zwischen 60 und 80%.

"Die meisten Schweizer kaufen ein Haus oder eine Wohnung, um darin zu leben und nicht als Investition", betont Fahrländer.

Starker Arbeitsmarkt

Zudem, so Fahrländer, hätten die Schweizer Banken keine 100-Prozent-Finanzierungen beim Kauf von Wohneigentum angeboten, wie das Finanz-Institute in anderen Ländern wie beispielsweise in den USA getan hätten. Dort wurden häufig Hypotkeken gewährt, im Glauben, die Preise würden weiter steigen.

Im Grossraum Zürich und Genf sowie in international-bekannten Feriendestinationen könnte die Immobilienblase platzen, meint Fahrländer. In diesen Regionen seien die Preise seit Beginn der Dekade zwischen 60 und 100% in die Höhe geschnellt.

Der starke Schweizer Arbeitsmarkt, insbesondere in und um die beiden Grossstädte, führte zu einem starken Zustrom ausländischer Arbeitskräfte hauptsächlich aus der Europäischen Union, die ein Dach über dem Kopf brauchten.

Wegen des starken Euros war der Erwerb von Wohneigentum für ausländische Einwanderer relativ günstig geworden, was das Angebot verknappte und die Preise steigen liess.

Langfristig attraktiv

Den grössten Preisanstieg in den Schweizer Alpen erlebten der Walliser Ort Verbier und St. Moritz im Kanton Graubünden. Der Boom bei neuen Ferienhäusern und -wohnungen vertrieb viele Einheimische aus dem Markt, was scharf kritisiert wurde.

"Was in diesen Ferienorten geschieht, ist schwierig vorauszusagen, denn die Entwicklung auf den dortigen Märkten ist nicht sehr rational", sagt Fahrländer. Die Nachfrage nach Wohneigentum sei vor allem von Briten, Franzosen, aber auch von Schweizern gekommen.

Laut der Studie dürften viele Interessenten von Wohneigentum wegen der unsicheren Wirtschaftslage im Moment mit einem Kauf zuwarten. Der Schweizer Markt bleibe jedoch langfristig attraktiv.

Mit einem Überangebot an Immobilien, wie das in den USA der Fall ist, rechnet Fahrländer nicht. "Das dortige Überangebot ist darauf zurückzuführen, dass viele Leute die Schlüssel ihrer Häuser in den Briefkasten der Banken werfen mussten."

swissinfo, Dale Bechtel
(Übertragung aus dem Englischen: Gaby Ochsenbein)

Wohneigentum

Der Schweizer Immobilienmarkt hat sich vom Zerfall in den 1990-er Jahren erholt, der die Banken damals 43 Mrd. Franken kostete.

2005 erreichte der Wohnungsbau mit 47'000 Einheiten ein 10-Jahres-Hoch, 42'000 waren es 2006.

Bis Ende des laufenden Jahres wird mit dem Bau von rund 42'000 Wohnungen gerechnet.

Die Nachfrage nach neuen Wohnungen entsprach inetwa dem Angebot: Die Zahl freistehender Wohneinheiten ist seit 1998 nur leicht gestiegen auf 1,06% im Jahr 2006.

Die Schweiz ist allerdings kein Land von Wohneigentümern: Der Anteil von Hausbesitzern stieg zwischen 1990 von 31% auf gegenwärtig rund 37%.

Internationaler Vergleich der Immobilienbesitzer im Jahr 2000:
Schweiz: 34,6%, Deutschland: 45%, Frankreich: 54%, Grossbritannien und USA: 69% Spanien: 81%.

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