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Der Dollar wird sterben, es lebe der Euro!

Der Dollar ist auch heute noch von einem starken Mythos geprägt, den die Genfer Journalistin Myret Zaki demontiert.

(cinetext.de)

Der Greenback sei zur grössten Spekulationsblase der Geschichte geworden und zum Zusammenbruch verurteilt. Und die Angriffe gegen den Euro seien lediglich ein Schutzschild zur Verdeckung des Bankrotts der US-Wirtschaft, schreibt Myret Zaki in ihrem neusten Buch.

"Ein Absturz der US-Währung kündigt sich an, das ist unvermeidlich. Die grösste Volkswirtschaft der Welt ist eine grosse Illusion. Um 14'000 Milliarden Dollar Volkseinkommen zu generieren, erwirtschafteten die USA mehr als 50'000 Milliarden Gesamtschulden, deren Verzinsung allein jährlich 4000 Milliarden Dollar kostet."

Damit hat sie die Richtung klar vorgegeben. Auf den 223 Seiten ihres neuen Buches erhebt die Journalistin Myret Zaki eine gnadenlose Anklage gegen den US-Dollar und die US-Wirtschaft, die sie als "technisch bankrott" beurteilt.

Myret Zaki ist in den letzten Jahren zu einer der renommiertesten Wirtschaftspublizistinnen der Schweiz avanciert. Sie hat sich auch zum US-Debakel der UBS geäussert und zum Handelskrieg auf dem Steuerhinterziehungsmarkt. Zaki unterstützt die These, dass der Angriff auf den Euro bloss eine Ablenkung von der Schwere des Falls USA sei.

swissinfo.ch: Sie sagen, die amerikanische Schuldenkrise und das Ende des Dollars als internationale Referenzwährung würden zum wichtigsten Ereignis des einundzwanzigsten Jahrhunderts werden. Sehen Sie da nicht ein wenig zu schwarz?

Myret Zaki: Wenn man ein Ereignis dieser Grössenordnung ankündigt, wenn die Anzeichen einer schweren Krise noch nicht sichtbar sind, verstehe ich, dass das möglicherweise als Panikmache erscheinen könnte. Allerdings stehen meine Argumente auf einer höchst rationalen und sachlichen Basis. Und es ist einfach unmöglich, dass es anders geschehen könnte.

swissinfo.ch: Das Ende des Dollars wird nicht zum ersten Mal angekündigt. Was soll 2011 anders sein?

M.Z.: Das Ende des Dollars wird eigentlich seit den 70er-Jahren angekündigt. Aber niemals waren alle Faktoren erfüllt, damit es zum Schlimmsten kommen konnte. Die Höhe der US-Schulden haben nun ein Rekordhoch erreicht, der Dollar ist auf ein Allzeittief gegenüber dem Schweizer Franken gefallen und die neu aufgelegten US-Schuldpapiere werden hauptsächlich von der US-Notenbank selbst gekauft.

Dazu kommt eine beispiellose Kritik von anderen Zentralbanken, die eine Front gegen die US-Geldpolitik bilden.

swissinfo.ch: Grösseres Augenmerk als auf das Ende des Dollars richten Sie auf den Fall der wirtschaftlichen Supermacht USA. Aber sind die Vereinigten Staaten nicht "too big to fail"?

M. Z.: Jedermann hat ein Interesse daran, dass sich die USA halten werden. Also wird die Verleugnung der Tatsachen noch eine Weile weitergehen. Aber nicht unbegrenzt. Niemand kann die USA letztlich retten. Sie werden die Kosten ihres Bankrotts tragen müssen.

Es kündigt sich eine sehr lange Periode der Enthaltsamkeit an. 45 Millionen Amerikaner haben bereits ihre Häuser verloren, 20% der Bevölkerung sind aus dem Konjunkturzyklus ausgeschieden, sie konsumieren nicht mehr, und ein Drittel der US-Bundesstaaten ist praktisch bankrott. Niemand investiert mehr Eigenkapital in diesem Land. Alles dreht sich um die Schulden.

swissinfo.ch: Sie sind der Ansicht, die Abschwächung des Euro-Währungsgebiets sei nichts weniger als eine Frage der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Befinden wir uns nicht in einer Art anti-amerikanischen Paranoia?

M.Z.: Wir lieben alle Amerika und wir sehen die Welt lieber durch eine Rosa-Brille. Doch nach dem Ende des Kalten Krieges und nach der Schaffung der Euro-Zone hat ein wirtschaftlicher Krieg begonnen. Die solide europäische Staatsverschuldung verbunden mit einer starken Währung hat sicher die Nachfrage nach US-Schuldtiteln gedrückt. Aber die USA können nicht aufhören, sich weiter zu verschulden. Durch diese Verschuldung ist es ihnen gelungen, die Kriege in Irak und Afghanistan zu finanzieren und ihre Machtansprüche zu sichern. Dies ist für sie von vitaler Notwendigkeit.

Im Jahr 2008 wurde der Euro zu einer Währung, die von der OPEC, den Staatsfonds und Zentralbanken favorisiert wurde. Er war bereit, den Dollar zu entthronen. Und das wollten die USA um jeden Preis verhindern. Die Welt sucht immer einen sicheren Hort, um ihre Überschüsse zu parkieren. Deshalb setzte man sich aktiv dafür ein, Europa als sicheren Geldhafen zu hintertreiben. Das war auch genau jener Moment, als spekulative Hedgefunds die Staatsschulden einiger europäischer Länder attackierten.

swissinfo.ch: Was geschieht, wenn der Dollar wie angekündigt gefallen ist?

M.Z.: Europa ist heute die grösste Wirtschaftsmacht, und es hat eine solide Währung. Und im Gegensatz zu den USA befindet es sich auf Expansionskurs. In Asien wird der Yuan Referenzwährung. China ist der beste Verbündete von Europa. Auf der einen Seite hat China ein Interesse an einem starken Euro, um seine Investitionen zu diversifizieren. Auf der anderen Seite braucht es Verbündete wie Europa und die G20, um zu vermeiden, dass seine Währung schnell neubewertet wird.

Heute sind Europa und China wie zwei Gravitationskräfte. Sie versuchen, die ehemaligen Verbündeten der Vereinigten Staaten, Japans und Englands auf ihre Umlaufbahn zu ziehen.

swissinfo.ch: Und was wird mit dem Schweizer Franken geschehen?

M.Z.: Seine Rolle als sicherer Zufluchtsort wird weiter zunehmen. Eine Krise um die US-Staatsanleihen würde den Schweizer Franken massiv betreffen. Der Schweizer Franken hat einen ähnlichen Status wie Gold. Er wird gegenüber dem Dollar nicht fallen.

In einem monetären System, das total neu organisiert wird, muss der Schweizer Franken wählen, wo er sich anschliessen will. Denn ich bin nicht überzeugt, dass die Schweizer Währung weiter allein existieren kann, da ihre Rolle als Zufluchtsort für die Schweizer Wirtschaft sehr stark behindernd sein könnte.

Bestnote im Visier

Die einflussreiche Rating-Agentur Standard & Poor's warnte den weltgrössten Schuldner am Montag überraschend vor einem Entzug der Bonitäts-Bestnote "AAA": Ihre Analysten senkten den Ausblick für die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit auf "negativ" von zuvor "stabil".

Die Kreditwächter begründeten dies mit der Gefahr, dass sich die Politiker in Washington nicht auf einen Kurs zur Reduzierung des ausufernden Schuldenberges einigen können.

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In einigen Sätzen

Auszüge aus dem Buch "Das Ende des Dollars" von Myret Zaki, Editions Favre, 2011

 

Dollar. "Was den Dollar anbetrifft, hat man es mehr mit einer Glaubensfrage religiöser Art zu tun als mit wirtschaftlichen und rationalen Argumenten."

Schulden. "Das Wirtschaftswachstum auf amerikanische Art ist ein Willensakt, der darin besteht, hoch spekulative Schuldenpapiere herauszugeben und die ganze Welt zu überzeugen, dass diese einen Triple-A-Wert haben (maximale Risiko-Qualität, ohne jegliches Risiko)."

Krieg. "Weil die USA infolge der Auswirkungen der Globalisierung an wirtschaftlichem Terrain verloren haben, machen sie von ihrer politischen und militärischen Stärke Gebrauch, denn der Dollar ist eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit."

Propaganda. "Das Sortiment der von Washington angewendeten Taktiken, der Kunst des Krieges von Sun Tzu würdig, ist nichts anderes als jenes der klassischen Kriege: Einschüchterung, Bluff, Lügenmarketing (ein höflicher Ausdruck für Propaganda). Und vor allem Ablenkungsmanöver."

Interventionismus. "Die USA pflegen einen Kapitalismus, in dem der Staat eine systematisch interventionistische Politik betreibt, welche die Regeln des freien Marktes im weiten Sinn verfälscht, um so ausschliesslich die Interessen der Finanzoligarchie zu bevorteilen."

Spekulation. "Noch nie haben die Banken und Spekulationsfonds dermassen den Wert von Staatsobligationen auf den Weltfinanzmärkten diktiert. Und noch nie waren die verletzlichsten Länder ihnen dermassen ausgeliefert. Die Spekulanten haben schlicht und einfach die Macht, ein kleines Land vom Kapitalmarkt zu eliminieren."

Blase. "Die Politik der Fed (US-Notenbank) hat die USA seit 2001 in eine infernale Spirale von Booms und Busts katapultiert: Eine Seifenblasenwirtschaft unter Anabolika, bei der die Phasen des Abschwellens jenen des Wiederaufblasens folgen."

Euro. "Die Strategie hat funktioniert, insbesondere dank der Kampagne der Medien. Diese sprachen eher von der "Krise des Euro" als von der griechischen und irischen Krise."

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(Übertragung aus dem Französischen: Etienne Strebel), swissinfo.ch


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