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Der Fall des Dollars bedroht Franken und Euro

Der Franken, eingeklemmt zwischen den Giganten Euro und Dollar.

(swissinfo.ch)

Der Greenback ist am Trudeln. Seit längerem schwach gegenüber Euro und Franken, ist er am Dienstag gegenüber dem Franken auf den tiefsten Stand seit 7 Jahren gefallen.

Die Schweizer Wirtschaft befürchtet, dass die Dollarschwäche der kaum begonnenen Stabilisierung im Inland zusetzen könnte.

Der US-Dollar befindet sich gegenüber dem Schweizer Franken in Katerstimmung. Gegenüber dem Franken wurde die US-Währung am Dienstag mit 1.23 Fr. pro Dollar in der Nähe eines Siebenjahres-Tiefs gehandelt. Zur Erinnerung: In den Jahren 2000 und 2001 hatte der Dollar noch Höchstmarken von beinahe 1.80 Fr. erreicht.

Händler sagten gegenüber der Agentur Reuters, der Dollar sei erstens wegen den Defiziten in der US-Aussenbilanz und des US-Staatshaushalts sowie zweitens wegen den vergleichsweise tiefen Zinsen zur Zeit wenig attraktiv.

Seit Anfang 2003 schwächte sich der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken von knapp 1.4 auf 1.23 ab. Von Mai bis Ende Juli vermochte er sich kurzfristig von rund 1.3 auf 1.4 zu verbessern, um seither kontinuierlich an Terrain zu verlieren.

Demgegenüber notiert der Franken gegenüber dem Euro relativ schwach, aber stabil auf dem Niveau von 1.56 Fr.

Dollarschwäche, nicht Frankenstärke

"Im historischen Vergleich hatten wir schon mehrere solche schwachen Dollarphasen", sagt Lorenz Burkhalter von Burkhalter Asset Management AG, gegenüber swissinfo.

Der Börsenbrief-Autor innert sich an 1998, als der Dollarkurs letztmals Schwäche zeigte. "Der Wechselkurs nähert sich dem damaligen Tiefstwert während der Asienkrise. Doch damals handelte es sich klar um eine Frankenstärke. Heute hingegen ist es eine Dollarschwäche."

Während der Asienkrise hatten viele Anleger ihr Geld relativ kurzfristig aus den asiatischen Emerging Markets abgezogen, was weltweit zu einer Rückzugs-Bewegung führte.

Zwiespältige US-Signale

Burkhalter teilt mit vielen Beobachtern das Gefühl, die USA sanierten sich mit ihrer Wechselkurspolitik teils auch auf Kosten von anderen, wie zum Beispiel von Europa. "Offiziell halten die USA zwar an einer festen Politik fest, aber die Kommentare von offiziellen Stellen wie dem Fed lassen das Gegenteil erahnen."

Es erstaune die Beobachter offenbar, dass sogar die US-Notenbank in ihren Kommentaren gar nicht daran interessiert sei, den schwachen Dollar "irgendwie hinaufzureden", wie Burkhalter sagt.

Das jüngste Nachgeben des Greenback folgte auf einen Kommentar des US-Notenbank-Chefs Ben Bernanke, wonach die US-Zinsen noch eine Zeit lang stabil bleiben sollen.



Dank dem schwachen Dollar, das heisst einer schwachen Heimwährung, können die USA zu zusätzlichem Wirtschaftswachstum kommen, so Burkhalter. Das gelte vor allem für die weltweit tätigen US-Unternehmen.

Die Dollarschwäche beschränkt sich nicht nur auf den Schweizer Franken. "Sie ist ein gesamteuropäisches Problem", sagte Jean-Pierre Roth, der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB). "Wir selbst können den Wechselkurs des Dollars nicht beeinflussen."

Zinspolitik mit zwei Seiten

Wechselkurspolitik im alten Stil (Auflösung von Dollar-Reserven der Zentralbank) ist also nicht angesagt. Bleibt das Zinsinstrument: Die Nationalbank steuert das Zinsniveau über ein bewusstes Anpassen der Leitzinsen.

Marktteilnehmer gehen davon aus, dass die Nationalbank noch im laufenden Quartal zu einer restriktiveren Gangart übergehen wird. Allerdings betonten SNB-Vertreter in der Vergangenheit immer wieder, die Zinsen würden tief bleiben, bis die Erholung der Schweizer Wirtschaft wirklich Tritt gefasst habe.

Würde die Zentralbank die Zinsen erhöhen, stärkte dies die Position des Frankens zusätzlich – auch gegenüber dem momentan hoch bewerteten Euro. Andererseits könnte die daraus resultierende Verteuerung des Geldes den inländischen Wirtschaftsmotor schwächen.

Investment Banken wie Goldman Sachs glauben, dass die Schweizer Wirtschaft nach zwei schwachen Jahren 2004 wieder anziehen wird.

In ihrem "European Weekly Analyst" schreibt Inès Lopes von Goldman Sachs, dass fürs laufende Jahr die Wirtschafts-Erholung und das wahrscheinliche Anziehen der monetären Zügel durch die Nationalbank für die Schweiz zu den Schwerpunkt-Themen gehörten.

Goldman Sachs geht fürs erste Halbjahr 2004 im Franken-Bereich noch von keiner realen Zinserhöhung aus.

Folgen für die Schweizer Wirtschaft

Rund ein Drittel der Schweizer Exporte werden in US-Dollar abgerechnet. "Die laufende Dollarschwäche trifft die Ausfuhrindustrie stark, da sie in relativ kurzer Zeit eintrat", sagt Rudolf Walser vom Unternehmens-Verband economiesuisse gegenüber swissinfo.

Walser nennt unter den betroffenen Branchen vor allem den Tourismus, die Maschinen- und Uhrenindustrie. Doch insgesamt sollte die konjunkturelle Erholung im Inland vom schwachen Dollarverlauf nicht gebremst werden.

Der Verbandsökonom weist darauf hin, dass die wirtschaftliche Erholung der Schweiz ja nicht abgeschottet, sondern eingebettet in einen weltweiten Aufschwung sei. Eine Dollarschwäche während eines Abschwung sei eine viel schädlichere Entwicklung.

Euro wichtiger als Dollar

Laut Walser ist ein stabiler Wechselkurs des Frankens gegenüber dem Euro für die Schweizer Wirtschaft wichtiger als die Relation zum Dollar. Fast zwei Drittel aller Ausfuhren gehen nach Euroland. Der Euro/Franken-Kurs befindet sich zur Zeit auf einem für die Schweiz fast idealen Niveau, da der Franken schwächer notiert als sonst.

swissinfo und Agenturen

In Kürze

Während des Jahres 2003 hat der US-Dollar gegenüber den hauptsächlichen Weltwährungen um rund 15% nachgegeben.
Dies entspricht der seit 1987 stärksten Abwertung des Greenback.
Der Euro seinerseits, mit einem Wechselkurs von 1,27 gegenüber dem Dollar, hat sich in zwei Jahren um 50% verstärkt.
Der Dollar, mit einem Wechselkurs von 1,23 gegenüber dem Franken, hat sein tiefstes Niveau seit sieben Jahren erreicht.
2001 notierte er noch knapp 1,8 gegenüber dem Franken.

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