Der Hund, dein bester Feind

Küsschen für die Bullterrier-Dame - manchmal können Hunde auch weniger sanft sein. Keystone

Schwere Hundebiss-Unfälle haben die Bevölkerung zunehmend beunruhigt. Zur Prävention solcher Verletzungen gibt der Bund jetzt Empfehlungen heraus.

Dieser Inhalt wurde am 31. August 2002 - 11:08 publiziert

Laut einer Studie gibt es pro Jahr 13'000 ärztlich versorgte Hundebiss-Verletzungen.

Kinder, Jugendliche und Hundebesitzer werden am häufigsten von Hunden gebissen. Dies zeigt die Analyse von 667 medizinisch behandelten Hundebissen, wie das Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) mitteilte.

Vom September 2000 bis im August 2001 wertete Tierärztin Ursula Horisberger für ihre Dissertationsarbeit an der Universität Bern insgesamt 667 Hundebiss-Verletzungen aus, die zu einem Arzt- oder Spitalbesuch geführt hatten. Gemäss Horisberger lässt sich daraus hochrechnen, dass in der Schweiz jährlich rund 13'000 Menschen wegen einer Hundebiss-Verletzung medizinisch versorgt werden.

Hochrisikogruppe Kinder

Rund ein Drittel der Opfer waren Kinder, was etwa dem doppelten Risiko im Vergleich zu Erwachsenen entspricht. Während Erwachsene zudem in erster Linie Verletzungen an Armen, Händen und Beinen erleiden, werden besonders kleine Kinder vor allem am Kopf verletzt.

Für die Mehrheit der Gebissenen war der Hund kein Unbekannter: Fast ein Viertel der Opfer wurde vom eigenen, 34 Prozent durch einen bekannten Hund gebissen.

Kinder wurden häufiger von einem bekannten Hund gebissen als Erwachsene. Verletzungen an Kopf und Händen, die gehäuft schwere Konsequenzen nach sich zogen, wurden in drei Viertel der Fälle durch eigene oder bekannte Hunde verursacht.

Nur 25% sind Rassenhunde mit Stammbaum

Erstmals wurden auch Zahlen über die Hundepopulation in der Schweiz erhoben. Demnach sind nur ein Viertel der Schweizer Hunde Rassetiere mit einem von der Kynologischen Gesellschaft anerkannten Stammbaum. 70 Prozent der Tiere werden von ihren Besitzern aber einem Rassetyp zugeordnet, 30 Prozent werden als Mischlinge bezeichnet.

Häufigste Rassetypen sind laut Horisberg Schäfer, Labrador und Golden Retriever sowie Schweizer Sennenhund-Rassen.

Schäfer und Rottweiler beissen häufiger

"Grundsätzlich ist es so, dass alle Hunde beissen können", sagt Ursula Horisberger gegenüber swissinfo. "Bei den Bissverletzungen besetzen aber jene Hunde die obersten Ranglistenplätze, die in unserer Hundepopulation auch am häufigsten vorkommen. Wenn man die Zahlen jedoch einzeln vergleicht, sehen wir, dass Hunde vom Rassetyp Schäfer und Rottweiler eher beissen als andere."

Hunde vom Typ Retriever - Labrador und Golden - sowie Yorkshire Terrier wiederum verursachten laut Horisberger unterdurchschnittlich häufig Bissverletzungen, die ärztlicher Behandlung bedurften. Interessanterweise gelte dies bei den Retrievern nicht für den familiären Bereich, wo sie durchschnittlich häufig zubissen, sagt die Tierärztin.

Ursula Horisberger weist noch auf einen weiteren interessanten Aspekt hin: Rüden bissen insgesamt rund dreimal so häufig zu wie Hündinnen.

Die Dissertation ist übrigens die erste derartig umfassende Studie in Europa.

Kampfhunde spielen untergeordnete Rolle

Kampfhunde seien keine Rasse, sondern ein Gebrauchszweck. "Verschiedene Hunderassen wurden zu verschiedenen Zeiten in der Vergangenheit, aber auch heute noch, für den Kampf gegen Hunde, andere Tiere oder auch gegen Menschen gezüchtet", sagt Ursula Horisberger. Vor allem diese Hunde seien ständig in den Medien präsent.

Allerdings: Kampfhunderassen, inklusive die Rottweiler, hätten insgesamt nur zehn Prozent der Bissverletzungen verursacht. "Wenn wir also Hundebiss-Verletzungen reduzieren wollen, Prävention betreiben wollen, dann spielen diese Hunde eigentlich eine untergeordnete Rolle", so Ursula Horisberger zu swissinfo.

Gezielte Prävention

Die Studie liefert die Grundlagen, um die Prävention wirksamer zu gestalten. Das BVET plant beispielsweise Broschüren für Hundehalter, Kinder und Eltern sowie Züchter, aber auch die Produktion eines Videofilmes für Schulen.

Auch auf der Gesetzgebungsstufe ist das BVET aktiv geworden: Eine Arbeitsgruppe empfahl Bund und Kantonen, flankierende Vorschriften zu erlassen.

Jean-Michel Berthoud

Fakten

15% der Schweizer Bevölkerung haben einen Hund
13'000 ärztlich versorgte Hundebiss-Verletzungen pro Jahr
Rund 1/3 der Opfer sind Kinder
24% der Opfer vom eigenen Hund gebissen
34% durch Hund aus der Bekanntschaft gebissen
2001 wurden 137 Pöstlerinnen und Pöstler von Hunden gebissen

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In Kürze

Kinder und Jugendliche sind besonders gefährdet, eine Hundebiss-Verletzung zu erleiden. Hundesbesitzer haben ein grösseres Risiko als Leute ohne Hunde.

Dies sind zwei Erkenntnisse einer neuen Untersuchung über Hundebisse in der Schweiz. Im Jahr gibt es 13'000 ärztlich versorgte Hundebiss-Verletzungen.

Die Resultate der vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) unterstützten Studie sollen eine effiziente Prävention ermöglichen. Das BVET plant Massnahmen und hat bereits Empfehlungen an Bund und Kantone herausgegeben.

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