Der lange und beschwerliche Weg des Übergangs

Kiosk in Tirana. Kleinst-Unternehmen sind allgegenwärtig in Albanien, grosse Industriebetriebe jedoch fehlen weitgehend. swissinfo.ch

Die sozialen Auswirkungen des Transitions-Prozesses in Südosteuropa standen im Zentrum der 7. Jahreskonferenz des Bundes.

Dieser Inhalt wurde am 05. November 2002 - 17:35 publiziert

Die Teilnehmer waren sich einig, dass der Prozess des Umbruchs schwerere und langwierigere soziale Folgen mit sich bringt als erwartet.

"Die Bevölkerung in den Transitions-Ländern hatte grosse Erwartungen in den Systemwechsel. Die Gefahr, dass ihre nicht erfüllten Erwartungen zu politischer Verdrossenheit führen, ist gross", warnte Walter Fust, Direktor der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) zu Beginn der Tagung.

Es seien noch viele Hürden zu überwinden, sagte Bundesrat Deiss im Gespräch mit swissinfo: "Sie erklären sich durch die jüngste Vergangenheit, durch die Gewalt, den Hass, den erfahrenen Schmerz. Wir müssen Geduld üben."

Armut und Arbeitslosigkeit

Das Engagement der Schweiz sei jedoch notwendiger denn je. Die internationale Gemeinschaft müsse ihre Hilfe fortsetzen, damit ein Rückfall dieser Staaten verhindert werde, so Deiss vor den rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Politik und Wirtschaft in Biel.

In der Tat haben die Menschen in diesen Ländern mit enormen Problemen zu kämpfen. So ist die Arbeitslosigkeit durch den wirtschaftlichen Privatisierungs- und Rationalisierungsprozess angestiegen, und die früheren staatlichen Sozialleistungen wurden abgebaut.

Viele Menschen sehen in ihrem Land keine Zukunft und wollen nur eins: Auswandern. Und viele, vor allem solche mit guter Ausbildung, leben längst anderswo.

Die Bewältigung der Vergangenheit

Laut Dagmar Kunzmann, Leiterin des DEZA-Programmbüros "Soziale Netze" in Sarajewo ist die neue Armut erst seit kurzem ein Thema im Land. Mittlerweile lebten 19% der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Vor dem Krieg war der Durchschnittslohn in Bosnien Herzegowina gut drei Mal höher als heute.

Noch schwärzer sind die Verhältnisse in Albanien: 46,6% der Bevölkerung seien arm, 17,4% extrem arm und lebten mit 1 US-Dollar pro Tag, sagte Enkelejda Sula, Programm-Verantwortliche im Schweizer Kooperations-Büro in Tirana, Albanien.

Gründe für die äusserst schwierigen Verhältnisse in den Ländern Südosteuropas gibt es viele: So haben in Bosnien-Herzegowina die Menschen nicht nur einen politischen Systemwechsel erlebt, sondern müssen auch noch einen Krieg verarbeiten, der tiefe Wunden in die Seelen der Menschen gerissen hat.

Der Wandel beginnt im Kopf

In Albanien, das über Jahrzehnte völlig isoliert unter einer Diktatur lebte, fehlt der Glaube in die politischen Behörden. Korruption und Misswirtschaft sind noch immer an der Tagesordnung.

Menschen, über die während Generationen verfügt wurde, deren Initiative nicht gefragt war, müssen erst noch lernen, ihre Apathie abzuschütteln und Eigeninitiative zu entwickeln.

Wie Aussenminister Deiss in seiner Rede hervorhob, ist der "wichtigste Grundstein für den erfolgreichen Wandel eine Umstellung in den Köpfen der Menschen".

swissinfo, Gaby Ochsenbein

In Kürze

Die Schweiz unterstützt die südosteuropäischen Staaten mit rund 200 Mio. Franken pro Jahr.
Im Zentrum der schweizerischen Südosteuropa-Politik stehen die Stärkung der Menschenrechte, der Demokratie und der Rechtstaatlichkeit.
Die Schweiz ist auch beim wirtschaftlichen Wiederaufbau tätig und bei der Schaffung von Arbeitsplätzen.

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