Der Schweizer EM-"Garten" der deutschen Nationalelf

Seit Anfang Juni ist dieses Hotel das EM-Basislager der Deutschen.

Die deutsche Nationalmannschaft hat ihr EM-Quartier in Ascona im Luxushotel Giardino bezogen. swissinfo zeigt, wo sich das Team von Bundestrainer Joachim Löw verwöhnen lässt.

Dieser Inhalt wurde am 03. Juni 2008 - 11:15 publiziert

Luxus und Eleganz, aber vor allem Ruhe. Und dies alles "für anspruchsvolle Erfolgsmenschen, die Exklusivität und Originalität suchen." So steht es im Pressedossier des Hotels Giardino von Ascona.

Sobald der Besucher den Eingang und die Halle durchschritten hat und im Innenhof verweilt, weiss er, was gemeint ist. Ein wunderschöner mediterraner Garten breitet sich aus, auf einem Teich treiben Seerosen. Ein Swimming-Pool lädt zum Bade ein.

Wer sein Zeitgefühl verlieren will, kann sich in einem kleinen Pavillon massieren lassen. Das Gebäude steht mitten in einem Kräutergarten. Natürlich fehlt auch der übliche Wellness-Standard nicht: Sauna, türkisches Bad, Ayurveda, ...

Doch wo schläft Klose? In einer der Suiten à 70 Quadratmeter? Die Antwort ist "Top secret". Philippe Frutiger, der junge und zuvorkommende Hoteldirektor aus dem Berner Oberland, lässt sich nichts entlocken. Diskretion ist ihm heilig.

Kein Platz für Neugierige

Gleich neben dem Kinderspielplatz gibt es ein kleines Fussballfeld von 10 auf 5 Metern. Doch Ballack und seine Freunde werden nicht auf diesem Rasen trainieren, sondern im Sportzentrum von Tenero. Im Giardino kann man höchstens ein wenig dribbeln.

Um die berühmten Fussballer vor den Blicken Neugieriger zu bewahren, wird die Hecke um das Hotel erhöht. Jenseits dieser Hecke liegt der Golfplatz von Ascona am Lago Maggiore. Die Sicherheitsaspekte werden von der UEFA zusammen mit den kantonalen und eidgenössischen Behörden gemanagt.

Das Albergo Giardino hat sich – im Unterschied zu anderen Hotels – nicht aktiv um die Präsenz einer Nationalmannschaft bemüht. Es stand nicht einmal auf der offiziellen UEFA-Hotel-Liste.

Löw kam vorbei

"Vor einem Jahr waren einige Mitglieder des Deutschen Fussballbunds im Tessin, um sich die offiziellen Hotels der UEFA anzuschauen", erzählt Philippe Frutiger, "und Bundestrainer Joachim Löw, der schon unser Gast war, wollte seinen Kollegen bei dieser Gelegenheit das Giardino zeigen".

Nachdem diese Interesse bekundet hätten, habe man ruhigen Bluts die Rechnung gemacht - auf der Grundlage der Zahlen vom Juni 2007. "In diesem Sinne haben wir dann eine Offerte gemacht", so Frutiger.

Für den Aufenthalt der Deutschen Nationalmannschaft hat das Hotel nur einige kleine Veränderungen vorgenommen. So wurden einige Zimmer geräumt, um dort Büros einzurichten; im Garten hat man eine "Players Lounge" eingerichtet.

Stammkunden zeigen Verständnis

Die deutsche Mannschaft wird ihren Vertrauenskoch, Holger Stromberg, mitbringen, aber nicht eine ganze Kochtruppe, wie dies bei anderen Nationalteams der Fall ist. Dies ist auch nicht nötig. Für die deutschen Fussballer steht im Giardino das Restaurant Aphrodite mit 16 GaultMilau-Punkten zur Verfügung.

Die Schliessung des Hotels für "normale" Gäste während der EM hat zu keinen Reklamationen geführt. "Ich hatte ein wenig Angst vor negativen Reaktionen, aber unsere Kunden haben alle Verständnis gezeigt", freut sich Frutiger.

Frühzeitige Reservationen für Zimmer, in denen Ballack oder Klose schlafen, gab es für die Zeit nach der Euro08 noch keine. Aber Frutiger rechnet damit, dass auch diese noch kommen werden.

Enormes Medieninteresse

Für das Hotel Giardino ist die Euro08 schon jetzt ein Ereignis der Superlative. In Deutschland haben fast alle Medien einen Bericht über das Mannschafts-Quartier gebracht. Und während der Euro08 werden Hunderte von Journalisten im Tessin erwartet.

Frutiger ist erstaunt über das gewaltige Medieninteresse: "Zusammen mit Schweiz Tourismus haben wir Medienkonferenzen in Düsseldorf und Berlin organisiert. Praktisch alle Radio- und Fernsehsender sowie Zeitungen sind in den letzten Wochen hier vorbei gekommen. Wahrscheinlich ist das Giardino inzwischen das bekannteste Hotel in Deutschland."

Nicht nur für das Hotel, sondern auch für Ascona könnte die Präsenz der deutschen Nationalmannschaft wertvoll sein. Seit Jahren leidet der Ferienort unter dem Klischee, ein "Altersheim" zu sein. "Personen über 60 wollen nicht an einem Ort sein, wo nur Alte sind", meint Frutiger. Deshalb müsse Ascona unbedingt ein jugendlicheres Image aufbauen.

Nach deutschen Künstlern und Intellektuellen, die den Ruf Asconas zu Beginn des 20. Jahrhundert geprägt haben, könnten nun womöglich die deutschen Fussballer zu einem Imageschub des berühmten Dorfes am Lago Maggiore beitragen.

swissinfo, Daniele Mariani, Ascona
(Übertragung aus dem Italienischen: Gerhard Lob)

Fakten

Für den Tourismus im Tessin ist der deutsche Markt besonders wichtig. Seit einigen Jahren kommen aber weniger Gäste aus Deutschland.

Im Jahr 2001 zählte man 667'641 Logiernächte von Deutschen, 2006 waren es nur noch 481'648.

Im Jahr 2006 verzeichneten die Fünf-Stern-Hotels im Tessin 228'381 Logiernächte. Dies entspricht 8,4% aller Hotelübernachtungen.

Das Fünf-Stern-Hotel Giardino ist 1986 eröffnet worden. Es verfügt über 54 Zimmer, 18 Suiten und 5 Appartements. Während der Euro08 steht das Hotel ausschliesslich der deutschen Nationalelf zur Verfügung.

Eine Übernachtung kostet zwischen 560 Franken für ein Einzelzimmer und 1125 Franken für eine Suite.

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Beliebtes Mannschaftsquartier

Das Albergo Giardino von Ascona ist nicht das einzig Hotel im Tessin, das während der EM als Quartier für eine Nationalmannschaft dient.

Die Schweden schlagen ihr Quartier im Hotel Villa Sassa von Lugano auf. Ibrahimovic & Co. trainieren im Stadion Cornaredo. Zwei Mal ist Publikum zugelassen: Am 4. und 11.Juni.

Die Schweizer Nati logiert während der Euro08 in Feusisberg (Kanton Zürich). Den ersten Teil ihrer Vorbereitung absolvierten die Schweizer in Lugano. Sie residierten im Hotel Principe Leopoldo.

Fünf weitere Mannschaften beziehen ihr Euro08-Quartier in der Schweiz: Frankreich (Monte-Pélerin VD), Niederlande (Lausanne), Portugal (Neuenburg), Türkei (Genf) und Rumänien (Abtwil SG).

Um eine Nationalmannschaft anzulocken, wurde kein Aufwand gescheut. Die Stadt Lugano übernimmt beispielsweise die Flugkosten nach Salzburg und Innsbruck, wo die Schweden ihre drei Gruppenspiele austragen. Geschätzte Kosten: 80'000 Franken.

Die italienische Elf kommt sogar gratis zu Luxus. Das Land Niederösterreich übernimmt alle Ausgaben für das EM-Quartier der Italiener in Baden.

Der deutsche Fussballbund bezahlt hingegen den Aufenthalt in Ascona aus der eigenen Tasche.

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