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Der Tatort

Wenn man auf den Spuren Wilhelm Tells wandelt, kommt man nicht um diese Etappe herum. Ausgangspunkt des Spaziergangs zur Hohlen Gasse ist allerdings die italienische Trattoria "Balestra". Nur deren Name (zu Deutsch: Armbrust) deutet an, dass der Held hier durchgekommen ist.

Im Garten zwei Statuen, der David von Michelangelo und die Venus von Botticelli, Industriekitsch. Im Zentrum der grossen Terrasse ein weisser Brunnen.

Kaum vorstellbar, dass sich nur wenige Schritte entfernt die berühmte Hohle Gasse befindet. Generationen von Kindern lernten, dass Wilhelm Tell hier den Vogt Gessler aus dem Hinterhalt erschoss.

Die Rekonstruktion

Ein steiniger Weg mitten im Grünen. Ein jahrhundertealter Ort. Und doch nichts echt ausser der Kapelle am Ende des Wegs. Sie ist dem Nationalhelden gewidmet und wurde Ende des 16. Jahrhunderts gebaut.

1930 wurde der Weg wegen dem zunehmenden Verkehr verbreitert. Bereits einige Jahr später bereute man, diesen historischen Ort verändert zu haben.

So wurde die Hohle Gasse wieder hergestellt. Vor allem dank Schweizer Schülerinnen und Schülern. Sie sammelten zwanzig Rappen pro Kopf der Bevölkerung für die Rekonstruktion des sagenhaften Orts. Des Tatorts.

Die Rache des Mannes

Hier spielte sich der Mord am Tyrannen ab. "Versteckt hinter einem Baum wartet Tell auf Gessler. Er hat nur noch einen einzigen Pfeil. Er muss auf das Herz zielen", erzählt Ernst Gunti.

Der pensionierte Koch kennt die Geschichte gut. Dreissig Jahre spielte er diese Szene in Altdorf, fast immer als Tell.

Mit Pathos rezitiert er uns Schiller. Die Kommentare des Schauspielers und die Verse des Autoren fliessen in einer äusserst lebendigen Erzählung zusammen.

"Tell liegt auf der Lauer. Gessler kommt mit seinen Wachen geritten. Plötzlich kniet eine Frau auf dem Pflaster nieder. Sie fleht um Gnade. Aber der Vogt will sie nicht anhören. Ein Grund mehr, den Bogen abzuschiessen. Tell zielt genau aufs Herz."

Gunti sieht darin eindeutig persönliche Rache. "In diesem Moment denkt Tell nicht an die Befreiung seines Landes. Es geht ihm um eine persönliche Abrechnung."

Dann erweckt Gunti Tell zum Leben: " ... und fraget nicht nach seinem Schmerz ... sie alle ziehen ihres Weges fort an ihr Geschäft – und meines ist Mord."

Bevor er Gessler erschiesst, zeigt sich Tell, wie sich das für einen Ehrenmann gehört. Zu seinem sterbenden Feind sagt er: "Du kennst den Schützen; suche keinen andern. (...) Du wirst dem Lande nicht mehr schaden."

Persönliche Rache oder heldenhafter Akt zur Befreiung des Vaterlands? Mord oder Tötung eines Tyrannen? Die Steine der Hohlen Gasse geben keine Antwort. Sie begnügen sich damit, an das Drama zu erinnern.

swissinfo, Daniele Papacella und Alexandra Richard, Küssnacht
(Übertragen aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Die Hohle Gasse liegt unweit von Küssnacht, wo sich die Residenz der Habsburger befand.

Nach seiner Flucht lauerte Tell Gessler auf, um ihn zu töten.

Aus dem Hinterhalt wird er Zeuge der Grausamkeit des Tyrannen, der das Flehen einer zu seinen Füssen knienden Frau kalt abweist.

Dieses Verhalten bestärkt Tell in seiner Absicht. Er muss Gessler töten. Tell zieht den zweiten Pfeil aus dem Köcher und zielt mitten ins Herz des Vogtes.

Infobox Ende


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