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Der Traum von der Matterhorn-Bahn blieb unerfüllt



Bis heute ein Objekt für Projektionen: das Matterhorn.

Bis heute ein Objekt für Projektionen: das Matterhorn.

Vor rund hundert Jahren lancierten zwei Schweizer ETH-Ingenieure ein waghalsiges Projekt: Eine Bahn auf das Matterhorn, das 4480 Meter hohe Schweizer Symbol par excellence. Eine Idee, die bei den Zermatter Bergführern auf grossen Widerstand stiess.

Am 4. Dezember 1906 haben der Waadtländer Henri Golliez und der Obwaldner Xavier Imfeld beim Eidgenössischen Post- und Eisenbahndepartement ein Gesuch für den Bau einer Bahn auf das Matterhorn eingereicht.

Geplant war, dass die Passagiere zuerst mit einer elektrisch betriebenen Zahnradbahn von Zermatt zum Schwarzsee (2580 Meter) und von dort durch einen Tunnel auf den Hörnligrat (3052 Meter) gelangten.

Danach sollte sie eine Standseilbahn im Innern des Berges - mit einem maximalen Steigungsgrad von 95 Prozent - zur Endstation auf der Nordseite des Matterhorns rund 20 Meter unterhalb des Gipfels führen. Für die Fahrt wurden 1 Stunde und 20 Minuten berechnet. Die Bauzeit wurde auf vier Jahre, die Projektkosten auf rund 10 Mio. Franken geschätzt.

Dieses Tourismusprojekt, dessen Betrieb ausschliesslich für die Sommersaison vorgesehen war, richtete sich ausschliesslich an die reiche Kundschaft. Für eine Rückfahrtkarte wurden 50 Franken eingerechnet – eine Matterhorn-Begehung mit einem Führer kostete damals 100 Franken.

Touristenattraktion

Henri Gollier und Xavier Imfeld hofften, sich für die Realisierung der Touristenbahn die zunehmende Bekanntheit Zermatts zu Nutze machen zu können.

Sie hofften, sie könnten dank der Eröffnung des Simplon-Tunnels im Jahr 1906 und dem Bau des Lötschbergtunnels zwischen Bern und Brig Tausende von Reisenden und Touristen nach Zermatt locken.

Nach der Inbetriebnahme der Brig-Visp-Zermatt-Bahn 1891 hatte sich die Zahl der Touristen in Zermatt mehr als verdoppelt.

Mit Panoramafenstern im Tunnel und einem Restaurant auf über 4000 Meter Höhe – es war gar eine Druckkammer vorgesehen - wäre die Matterhorn-Bahn garantiert zur Attraktion geworden.

Mitarbeiter von Gustave Eiffel

Die Initiatoren des waghalsigen Projekts waren renommierte Ingenieure. Der ETH-Ingenieur Henri Golliez hatte Naturwissenschaft gelehrt, bevor er an der Universität Lausanne eine Karriere als Professor für Mineralogie begann. Zudem war er Mitglied der wissenschaftlichen Kommission für den Bau der Jungfrau-Bahn.

Der ETH-Ingenieur Xavier Imfeld war zuerst beim Bundesamt für Landestopographie (heute swisstopo) in Wabern bei Bern tätig. Von 1890 bis 1891 arbeitete er mit Gustave Eiffel an einem Projekt für ein Observatorium auf dem Montblanc. Imfeld war mit der Tochter des Hoteliers Alexandre Seiler verheiratet, der zum internationalen Renommee von Zermatt beitrug.

Widerstand der Zermatter Bergführer

Weshalb kam das Bahnprojekt der beiden Ingenieure nie zustande? 1898 wurde die Gornergrat-Bahn (3100 Meter) in Zermatt als erste elektrisch betriebene Zahnradbahn der Schweiz – einziges Transportmittel beim Bau waren Walliser Maultiere – feierlich eröffnet.

Acht Jahre später schien sich indes die Stimmung im Dorf verändert zu haben. Es wurde eine regelrechte Kampagne gegen das Matterhorn-Bahn-Projekt gestartet – ein Projekt, das es wagte, sich gegen die Lobby der Zermatter Bergführer zu stellen.

Gut der Schweizer

Der Schweizer Heimatschutz und der Schweizerische Alpen-Club (SAC) lancierten zwei Petitionen gegen die Realisierung der Matterhorn-Bahn und sammelten insgesamt 70'000 Unterschriften.

Der Freiburger Auguste Schorderet schrieb ein Theaterstück mit dem Titel "Le Cervin se défend!" ("Das Matterhorn verteidigt sich!"). Es handelt von einem amerikanischen Unternehmer und einem französischen Ingenieur, die eine Bahn auf das Matterhorn bauen wollen. Doch bei der Besteigung des Gipfels stürzt der Ingenieur, ein unerfahrener Alpinist, tödlich. Die Moral des Theaterstücks: Lasst die Schweizer Symbole in Ruhe!

Die Ankunft von reichen wohlhabenden Touristen hätten Auswirkungen auf die einfachen Traditionen der Einheimischen, diese würden dadurch ihre Identität verlieren. "Die Berge sind das Gut von drei Millionen Schweizern und nicht nur von Touristen", schrieb der Literat Charles-Marius Gos.

"Das Matterhorn gehört allen Schweizern. Wir dürfen nicht zulassen, dass einige aus diesem gemeinsamen Kulturgut ein Renditeobjekt machen."

Der Literat konnte dem Matterhorn-Projekt keinerlei Nutzen für die Allgemeinheit abgewinnen konnte. All jene, die die Besteigung des Matterhorns in Angriff nehmen würden, würden sich durch eine Bahn voller Touristen lächerlich gemacht fühlen, so Charles-Marius Gos.

"Philanthropisches Werk"

Die beiden Ingenieure konnten ihr Projekt noch so als "philanthropisches Werk" rühmen, das es auch Menschen, die nicht über die notwendige körperliche Verfassung verfügten, ein Gipfelerlebnis auf dem Matterhorn ermöglicht. Doch sie vermochten die Alpinisten nicht zu beschwichtigen.

Das Gesuch für den Bau der Matterhorn-Bahn wurde schliesslich  abgelehnt. Xavier Imfeld und Henri Golliez verstarben 1909 respektive 1913, ohne ihren Traum von der Matterhorn-Bahn verwirklicht zu haben.

"Das Matterhorn gehört allen Schweizern"

Auch in der Schweizer Presse wurde über die geplante Matterhorn-Bahn debattiert.

"Auch wenn man sie nicht sieht, der Lift und die Anlagen sind im Matterhorn drin wie ein Makel in einem schönen Körper", schrieb die Westschweizer Zeitung La Liberté.

Ähnlich sah es der Literat Charles-Marius Gos: "Das Matterhorn gehört allen Schweizern. Wir dürfen nicht zulassen, dass einige aus diesem gemeinsamen Kulturgut ein Renditeobjekt machen."

"Ist es gerechtfertigt, eine Bahn auf einen Berg hinauf zu bauen? Und auf einen anderen wiederum nicht? Verhält es sich bei einem Gipfel von 3000 Meter anders als bei einem von 4000 Metern?", fragte sich indes La Gazette de Lausanne im Jahr 1907.

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SAC will Klein Matterhorn schützen

Der Schweizer Alpen-Club (SAC) hat erneut eine Beschwerde eingereicht. Er wehrt sich damit gegen die Umzonung des Klein Matterhorns in eine Skisportzone. Seine erste Beschwerde war wegen falscher Rechtsmittelbelehrung zurückgewiesen worden.

Das bereits realisierte Restaurant und die Bergsteiger-Unterkunft am Gipfel des Klein Matterhorns würden nicht in Frage gestellt, so der SAC. Doch man befürchte, "dass mit den Änderungen der Weg für den bereits seit 2006 von den Bergbahnen Zermatt geplanten Turm auf dem Klein Matterhorn geebnet würde".

Stein des Anstosses ist ein geplantes Hotel mit einer metallenen Pyramide von 117 Metern Höhe. Dank der Pyramide sollte das Klein Matterhorn die 4000 Meter überschreiten.

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(Übertragung aus dem Französischen: Corinne Buchser), swissinfo.ch


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