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Der Zerstörung auf der Spur

Rolf Iseli in seinem Berner Atelier.

(Keystone Archive)

Der Berner Maler und Grafiker Rolf Iseli hat in der Schweiz der Nachkriegszeit zu den wichtigsten Vertretern der künstlerischen Avantgarde gehört.

Am 22.Januar wird der Künstler 70 Jahre alt.

"Das Burgund markiert eine Zäsur in meinem Leben", sagt Rolf Iseli in der Küche seines Ateliers und zieht behutsam den Zapfen aus der Flasche. 1961 kaufte er in St. Romain ein Haus, dort baut er seinen Wein an. Schlürfend kostet er.

"Ich bin Weinbauer, in der Freizeit male ich." Man wäre versucht, das zu glauben, würden sich den Wänden entlang nicht reihenweise Bilder stapeln.

Bezogen hat Iseli das geräumige Atelier, eine umgebaute zweigeschossige Eisenhalle im Berner Altenberg-Quartier, vor zehn Jahren.

"Ich habe ein Leben lang in kleinen Räumen gehaust, und jetzt dieser Schnauf", strahlt er. Hier verbringt er den Winter, überarbeitet, rahmt Bilder, Grafiken oder fährt nach Pully bei Lausanne zu Raymond Meyer in die Druckerei, wo er die Geburt jedes einzelnen Blattes begleitet.

Zerschnittene Ölbilder

Ursprünglich lernte Rolf Iseli Farblithograf. Mitte der 50er Jahre malte er im Umfeld des abstrakten Expressionismus seine ersten monochromen Farbräume in Öl. Zu seinen Freunden zählten andere Avantgardisten wie Mark Rothko oder Sam Francis.

1958, an der wegweisenden Neuenburger Ausstellung "La peinture abstraite en Suisse", nahm er eine der radikalsten tachistischen Positionen ein. Der internationale Durchbruch folgte auf dem Fuss: 1959 war Iseli an der Documenta in Kassel und an der Biennale von Paris präsent.

Vom Ölbild zur Collage

Im Burgund erst drängte sich die Natur in sein Werk. Von Rückzug aus der Avantgarde aber keine Rede; vielmehr entwickelte Iseli in ländlicher Umgebung die eigene Position, die an die tachistische Phase anknüpfte und die sich bis heute erhalten hat.

1966 setzte der Künstler einen Strich unter das Kapitel Ölmalerei: Er zerschnitt seine Leinwände und arbeitete fortan mit Papier. "Ein ungleich vielfältigeres flexibleres Medium", sagt er. Lithografien, Aquarelle, Collagen entstanden, Iseli experimentierte mit Eisen und Holz, merkte aber: "Ich bin kein Plastiker, ich bin Maler."

Düstere Szenerie

1971 begann er unter freiem Himmel zu arbeiten und integrierte Materialien seiner Umgebung in die teilweise grossformatigen Blätter, klebte Erde, Federn, Stroh, Hölzer, Draht, Nägel, Bienenwaben auf die Grundierungen und schuf so seine ersten "Materialbilder" oder "Erdlandschaften".

Als drohender, aber immer nur angedeuteter Schatten ragte seine eigene Silhouette in die Bildräume hinein, während Kohle, Pastellkreide, Bleistift die skizzenhafte Szenerie zusätzlich verdüsterten.

Voller Tatendrang arbeitet Iseli zurzeit an einer Serie grossformatiger Landschaften, quer gestrichener grau-brauner Räume, bespickt mit Stacheldraht.

Seit er 1994 seine dritte Heimat im spanischen Mittelmeerort Jávea gefunden hat, wirken Teile seiner Bilder zwar lichter. An Aggressivität haben sie aber nichts verloren. "Erdlandschaften" sind zu "Endlandschaften" geworden. Wie Skelette ragen verkohlte Zweige in den grauen Himmel.

Gegen die Zerstörung anmalen

"Brandstätte dunkel", "Spanische Landschaft" oder "Verkohlt" heissen solche Bilder der Jahre 1999 und 2000. Sie klagen an, denn in den letzten vierzig Jahren hat Rolf Iseli erfahren, wie Natur fortlaufend zerstört wird, durch Brandrodungen etwa.

Seine Worte sind deutlich: "Meine Arbeiten sind Spuren der Auseinandersetzung mit unserer Umwelt, mit unserer Flucht in eine Wohlstands- und Konsumgesellschaft, die im Begriff ist, alles zu zerstören." Das sagt kein Verbitterter, aber einer, der mit Akribie und viel Lust daran arbeitet, der Natur ihr Recht zurückzugeben.

swissinfo und Karl Wüst (sfd)


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