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Die literarische Bildungslücke schliesst sich

Was in anderen Ländern schon lange angeboten wird, gibt es bald auch in der Schweiz: ein Studium für Literaten. Keystone

Literarisches Schreiben hat nicht nur mit Talent zu tun, man kann es auch lernen. 2006 beginnt in der Schweiz der erste Studiengang für Autorinnen und Autoren.

Dieser Inhalt wurde am 18. Oktober 2005 - 09:10 publiziert

Am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel sollen sie in der Produktion und Vermittlung von Literatur auf Deutsch und Französisch ausgebildet werden.

Das Bild des armen Poeten im einsamen Dachstübchen hat jetzt auch in der Schweiz endgültig ausgedient. Angehende Autorinnen und Autoren sollen künftig mit einem Fachhochschulstudium für den hart umkämpften Literaturmarkt gerüstet werden.

Im Oktober 2006 können sie ihre einsamen Stuben verlassen und an der Ausbildungs- und Forschungsstätte in Biel, die vorläufig Schweizerisches Literaturinstitut heisst, das Handwerk von der Pike auf lernen.

Mehrsprachiges Studium

Zunächst wird ihnen dort ein dreijähriges Bachelor-Studium im literarischen Schreiben und Übersetzen auf Deutsch und Französisch angeboten. Ab 2009 können sie eines der beiden Fächer in zweijährigen Master-Studiengängen vertiefen.

Italienisch und romanisch sprechende Studierende und ausländische Autoren müssen sich vorerst mit einzelnen Lehrveranstaltungen begnügen.

Zu dem laut Angaben des Instituts weltweit ersten mehrsprachigen Studiengang im literarischen Schreiben wird zugelassen, wer eine Matur hat, bereits an Schreib-Projekten arbeitet und an Eignungsprüfung wie Eignungsgespräch literarisches Potenzial zeigt.

Tradition im Ausland

"Das Unverwechselbare, Eigenständige, das gute Literatur auszeichnet kann letztlich nicht vermittelt werden, ist Ausdruck einer Persönlichkeit und spezifischen Lebenserfahrung", schreiben die Koprojektleitenden des Instituts, Marie Caffari und Daniel Rothenbühler, in ihrem Konzept.

Hingegen habe das literarische Schreiben wie andere Künste auch eine Reihe von handwerklichen Aspekten entwickelt, die gelehrt werden könnten.

Während Literaten in anderen Ländern, beispielsweise in den USA und der ehemaligen UdSSR, schon seit den 1930er-Jahren an Schriftstellerakademien ausgebildet werden, fehlten solche Einrichtungen im schweizerischen Bildungssystem bisher.

Musikerinnen, bildende Künstler und Theaterschaffende können sich hier schon seit Jahrzehnten an Konservatorien, Kunstgewerbe- und Schauspielschulen ausbilden lassen.

Schreibende aber hatten nur die Wahl zwischen dem "Learning by doing", einzelnen Lehrgängen und einem Literatur-Studium an der Universität, wo sie Literatur erforschten, aber nicht produzierten.

Initiative von Schreibenden

Diesen Umstand beklagten Autorinnen und Autoren in der Schweiz schon seit längerem. Vor zwei Jahren ergriff dann der etablierte Schriftsteller Guy Krneta die Initiative und überzeugte den Verband der Autorinnen und Autoren der Schweiz von seiner Idee, ein Fachhochschulstudium im literarischen Schreiben einzurichten.

Man zog die Kunsthochschulen Bern und Zürich sowie das Centre de Traduction Littéraire der Universität Lausanne hinzu und beschloss, nicht nur einzelne Studiengänge für angehende Literatinnen und Literaten anzubieten, sondern ein gemeinsames Institut für literarisches Schreiben und Übersetzen zu schaffen.

Das Projekt "Schweizerisches Literaturinstitut" war geboren. Es sollte mehrsprachig sein und sich längerfristig zum Zentrum für die Literatur in allen vier Landessprachen entwickeln.

Als eigenständiger Fachbereich würde es der Hochschule der Künste Bern (HKB) angegliedert und ansiedeln wollte man es in der zweisprachigen Stadt Biel, mitten im Röstigraben.

Private Finanzspritze

Den Aufbau des Instituts ermöglichten zwei Jahre später die Gebert Rüf Stiftung mit 250'000 Franken und das Bundesamt für Berufsbildung und Technologie (BBT) mit 50'000 Franken.

Kurz darauf übernahmen die Literaturwissenschafter Marie Caffari und Daniel Rothenbühler aus Lausanne die Koprojektleitung. Sie arbeiteten ein detailliertes Konzept aus und vereinbarten Kooperationen mit verschiedenen Universitäten und Hochschulen in der Schweiz und im Ausland.

Vor drei Wochen fand in Biel nun bereits der erste Pilotkurs mit 35 Studentinnen und Studenten statt, und Ende September hat die Berner Kantonsregierung grünes Licht für den Bachelor-Studiengang "Literarisches Schreiben" gegeben.

Schlagkraft auf dem Markt

Die Ziele des Instituts sind hoch gesteckt. Von dem neuen Ausbildungsangebot erhoffen sich Caffari und Rothenbühler nicht nur eine Qualitätssteigerung in der Schweizer Literatur, sondern auch grössere Schlagkraft auf dem Markt.

Der Erfolg der englischsprachigen Autorinnen und Autoren auf den internationalen Buchmärkten sei nicht zuletzt auch auf die lange Tradition literarischer Ausbildungen im angloamerikanischen Sprachraum zurückzuführen.

swissinfo, Nicole Aeby

Fakten

Das Schweizerische Literaturinstitut nimmt im Oktober 2006 den Betrieb auf.
Zunächst bietet es den dreijährigen Bachelor-Studiengang "Literarisches Schreiben" an.
Ab 2009 sind die zweijährigen Masterkurse "Literarisches Schreiben" und "Literarisches Übersetzen" geplant.
Studentinnen und Studenten des Instituts lernen, auf Deutsch oder Französisch, Literatur zu produzieren, übersetzen und vermitteln.

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In Kürze

Das Institut wird als eigenständiger Fachbereich in der Hochschule der Künste Bern (HKB) geführt.

Sitz des Instituts ist Biel, die zweisprachige Stadt im Röstigraben.

Der Aufbau des Instituts wurde mit 250'000 Franken von einer privaten Stiftung und mit 50'000 Franken vom Bund finanziert.

Ende September hat die Berner Kantonsregierung den Bachelor-Studiengang endgültig bewilligt.

Die Akquisition der Studierenden und Dozierenden beginnt im nächsten Januar.

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