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Die nötigen Lehren aus dem Dacheinsturz ziehen

Die eingestürzte Eishalle in Bad Reichenhall. Keystone

Aus dem tödlichen Einsturz der Eishalle im deutschen Bad Reichenhall müssten die Lehren gezogen werden, fordert der Schweizer Bauexperte Thomas Vogel.

Dieser Inhalt wurde am 05. Januar 2006 - 08:02 publiziert

Trotz strenger Bauvorschriften sei ein ähnlicher Unfall auch in der Schweiz möglich, so der Experte.

Das Dach der Eishalle im bayrischen Ort Bad Reichenhall war am Montag unter der Last des Neuschnees eingestürzt. Die traurige Bilanz: 15 Tote und über 30 Verletzte. Zur Zeit des Unglücks hatten sich etwa 50 Personen auf dem Eis befunden, viele von ihnen Kinder.

Die süddeutschen Behörden haben eine Untersuchung wegen möglicher Fahrlässigkeit eröffnet, in Deutschland nach einem tödlichen Vorfall ein übliches Verfahren.

Thomas Vogel, Professor am Institut für Baustatik und Konstruktion der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), weist im Gespräch mit swissinfo darauf hin, dass in der Schweiz die Instandhaltung von Gebäuden Pflicht des Eigentümers sei.

swissinfo: Mit welchen bautechnischen Bestimmungen will die Schweizer Bauindustrie solch fatale Vorfälle verhindern?

Thomas Vogel: Es gibt nur generelle Bestimmungen, die Details sind in den Normen des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) geregelt. Dies sind aber keine staatlichen Gesetze, eher eine Art Selbstregulation.

Die Normen entsprechen in etwa denjenigen anderer europäischer Länder. Generell gleichen sich diese baulichen Bestimmungen immer mehr an. Im aktuellen Projekt Eurocodes wird versucht, sämtliche europäischen Bestimmungen zu vereinheitlichen.

swissinfo: Sind Sie sicher, dass diese Bestimmungen ausreichen, damit ein solches Unglück in der Schweiz nicht passieren kann?

T.V.: Sicher bin ich nicht. Was aber sicher ist: Wir müssen Lehren aus diesem Unglück ziehen. Die Konstruktion grosser Baukörper muss neu beurteilt werden. Das wird aber eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen.

Vorläufig ist der Fall eine juristische Angelegenheit, und erst wenn diese geklärt ist, werden wir wissen, was wirklich passiert war.

Diese Art von Unfall sollte aber nicht vorkommen, wenn die Gebäude richtig konstruiert sind. Die Schweizer Richtlinien basieren auf Schneemengen, wie sie jetzt in Deutschland gefallen sind.

Das Problem von Bad Reichenhall ist aber nicht so sehr die Konstruktion der Halle, sondern vielmehr deren Instandhaltung. Diese ist vollständig Sache der Eigentümer. Aber es gibt keine Bestimmungen darüber, wie oft beispielsweise die Bausubstanz kontrolliert werden muss.

swissinfo: Inspektionen sind hier also weder auf kantonaler noch auf Bundesebene geregelt?

T.V.: Richtig, sie sind überhaupt nicht geregelt. Dabei gilt es zu bedenken, dass auch die Bausubstanz altern kann.

swissinfo: Befürworten Sie einen grösseren Einfluss des Staates?

T.V.: Wie die Dinge momentan liegen, ist es absolut klar: Der Eigentümer allein ist verantwortlich.

Die Einführung einer gesetzlichen Pflicht bedeutet immer die Teilung der Verantwortung, denn der Besitzer wartet ab, bis er von den Behörden an seine Pflicht erinnert wird. Und das funktioniert nicht unbedingt besser.

swissinfo-Interview: Ramsey Zarifeh
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Im laufenden Projekt Eurocodes werden sämtliche europäischen Richtlinien für den Bau von Gebäuden und zivilen Einrichtungen vereinheitlicht.
Ziel ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bauindustrie inner- und ausserhalb der Europäischen Union (EU).
Die Eurocodes-Normen sind eine Grundlage zur Konstruktion von Gebäuden, an der sich Eigentümer, Betreiber, Architekten und Auftraggeber orientieren.

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