Die Schweizer Beobachter und die "Achse des Bösen"

George W. Bush während seines Besuchs an der Grenze zwischen den beiden Korea. Keystone

Die Beobachter-Mission in der entmilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea dauert an - daran ändern auch Bushs Anschuldigungen nichts.

Dieser Inhalt wurde am 23. Februar 2002 - 11:02 publiziert

Die Schweizer Beobachter sind stolz auf ihre Arbeit. Auch jetzt, da die Spannungen nach den Äusserungen von US-Präsident George W. Bush über die "Achse des Bösen" und Nordkorea noch gestiegen sind.

Generalmajor Adrien Evequoz hatte am Mittwoch einen guten Platz im ausgewählten Publikum. Er konnte die Gespräche des amerikanischen Präsidenten George Bush mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Kim Dae-Jung im nagelneuen Bahnhof von Dorasan, im äussersten Süden der berühmten entmilitarisierten Zone, aus nächster Nähe verfolgen.

Schlüsselstellung

Der Kommandant der Schweizer Beobachtermission, im Zivilleben Diplomat, bleibt trotz der Zufälligkeiten der Gespräche zwischen den beiden Koreas eine der Schlüssel-Figuren dieser letzten Bastion des Kalten Krieges im Herzen Nordostasiens.

Generalmajor Evequoz, der einen höheren Dienstgrad erhielt, um mit seinen amerikanischen und südkoreanischen Amtskollegen auf gleichen Fuss zu stehen, war im Frühling 2000 eingetroffen, um die Schweizer Mission mit fünf Offizieren zu leiten. In den letzten Monaten konnte er täglich mitverfolgen, wie sich die Beziehung zwischen den beiden Teilen der Halbinsel verschlechterten.

"Wir sind auf einem Vorposten", erklärt er. "Steigert sich die Spannung auch nur im geringsten, betrifft dies unseren Alltag ganz direkt." Denn die Schweizer Mission, ebenso wie die schwedische, hängt bei der Versorgung vollständig vom amerikanisch-koreanischen Sicherheitsbataillon in Panmunjon ab. Panmunjon ist der einzige Ort in der entmilitarisierten Zone (DMZ), wo sich Vertreter der beiden Koreas treffen können.

Die Zeit nach dem 11. September hatte besondere Auswirkungen auf den Alltag in diesem 4 km breiten Streifen (2 Kilometer auf beiden Seiten der Grenze). Dieser Streifen schneidet die koreanische Halbinsel seit 1953 entzwei.

Ein Lager wird zur Festung

"Die von den Amerikanern ergriffenen Sicherheits-Massnahmen haben unser Lager zu einer Festung gemacht. Wir konnten einen Monat lang keinen Besuch empfangen. Die Spannung war auf ihrem Höhepunkt", bestätigt der Offizier, der als Diplomat früher in Kairo und Buenos Aires stationiert war.

Seither hat sich die Sicherheitslage entspannt. Ein Schusswechsel zwischen nord- und südkoreanischen Wachposten vor einigen Wochen führte allerdings erneut zu einer allgemeinen Aufrüstung.

Im Herzen der Geopolitik

Der Bund, der die Beobachter-Mission an der Grenze seit dem Waffenstillstand von 1953 unterhält, hat seinen Bestand jedenfalls noch nicht reduziert. Ganz im Gegensatz zu Schweden, das sein Personal verkleinert hat.

"Die Präsenz dieser Schweizer Offiziere ist zwar symbolisch, kann aber im Krisenfall sehr wichtig werden. Dank ihrer Neutralität können sie im Fall eines Konflikts zu Ansprechpartnern werden", bestätigt der südkoreanische Journalist Shim Jae Hoon, einer der besten Kenner der Halbinsel in Seoul.

Der kürzliche Besuch George W. Bushs zeigte, falls das noch nötig war, die Bedeutung des Dossiers Korea: "An dieser Grenze stehen wir im Herzen der globalen Geopolitik", bestätigt Generalmajor Evequoz. "Das ist eine persönliche Erfahrung und eine politische Mission ersten Ranges."

Richard Werly, Dorasan, Südkorea

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