Die Schweizer Zeitungen sehen SVP auf Oppositions-Kurs

Presseschau swissinfo.ch

Nach der Wahl von Samuel Schmid in den Bundesrat erwarten die Schweizer Zeitungen künftig eine stärkere Oppositions-Rolle der Schweizerischen Volkspartei, SVP.

Dieser Inhalt wurde am 07. Dezember 2000 - 10:20 publiziert

"Der Sieger"

titelt in grossen Lettern das Wochenmagazin FACTS.

Für das ST.GALLER TAGBLATT ist Schmid der

"Garant der Konkordanz"

Der BLICK zeigt

"Bundesrat Schmid ganz privat"

und die BERNER ZEITUNG jubelt:

"Bern behält seinen Bundesrat"

Die BASLER ZEITUNG kommentiert:

"Mit Bundesrat Samuel Schmid hat die Bundesversammlung auf Nummer sicher gesetzt - und der rabiaten Zürcher SVP eine Abfuhr erteilt."

Darin sieht die BERNER ZEITUNG eine

"Ohrfeige für Blocher"

Dies freut die Linke WOCHENEZITUNG:

"Es lebe der Anti-Blocher"

Viele Kommentatorinnen und Kommentatoren stellen sich indes die Frage, wie es nun weitergehen soll nach der Wahl des für die Zürcher SVP dissidenten Schmid in die Landesregierung.

Die konservative NEUE ZÜRCHER ZEITUNG fragt:

"Weiterfahren wie geplant?"

und schreibt von einem

"Steilpass Richtung Vogelfreiheit"

Die Nichtwahl der offiziellen SVP-Kandidaten Fuhrer und Eberle werde die Partei herausfordern, ihre oppositionelle Rolle weiter zu verschärfen.

Dazu sinniert die AARGAUER ZEITUNG:

"Man darf auf Christoph Blochers verschärften Oppositionskurs, auf seinen Umgang mit Schmid gespannt sein."

Der Zürcher TAGES-ANZEIGER sieht schwarz:

"Verhängnisvoll ist, dass die Unterlegenen sich nun erst recht legitimiert fühlen, ihre Rolle weiterzuspielen. Konkret: Die SVP wird die Niederlage zu ihrem Vorteil nutzen und noch stärker versuchen, das Volk gegen das Parlament zu mobilisieren. Das sind unerfreuliche Aussichten."

Die BZ meint, eigentlich egal, wer gewählt worden ist, denn:

"Die Blocher-Partei will sich gar nicht einbinden lassen. Opportunistisch wird sie immer gerade das tun, was ihrer Popularität nützt, unabhängig davon, was ihr Vertreter im Bundesrat meint."

Insofern wären auch die beiden nicht gewählten aber offiziell nominierten Fuhrer und Eberle schnell mal mit der SVP in Konflikt geraten.

Dies sieht man auch in der welschen Schweiz so. Die SVP lasse sich nicht zähmen und werde ihre Doppelrolle als Regierungs- UND als Oppositionspartei spielen. Darum ändert die Wahl Schmids für LE TEMPS überhaupt nichts:

"L'élection qui ne change rien"

Dennoch sei mit dieser Wahl ein Zeichen gesetzt worden, zieht die WELTWOCHE Bilanz:

"Mit der Wahl Samuel Schmids haben die FDP und CVP der SVP den Meister gezeigt."

Dies könnte Folgen haben, vermutet der Berner BUND:

"Möglich (...), dass man diese Wahl einmal als den Punkt sieht, an dem Blochers Einfluss auf die helvetische Politik zu bröckeln begann."

Ruth Bossart

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