Die UBS vor einer stürmischen Generalversammlung

Dem UBS VR-Präsident Marcel Ospel wird am Mittwoch der Gegenwind wohl stark ins Gesicht wehen. Keystone

Nach dem Subprime-Debakel in den USA nicht gerade in bester Verfassung, ruft die grösste Schweizer Bank am Mittwoch zur bestimmt bewegten ausserordentlichen Generalversammlung.

Dieser Inhalt wurde am 26. Februar 2008 - 10:41 publiziert

Die UBS-Aktionäre werden wohl einer Kapitalerhöhung dank des Staatsfonds von Singapur zustimmen. Auch stellt sich die Frage der Demission des VR-Präsidenten Marcel Ospel.

"Statt vom grossen Saubermachen müsste vielmehr von der Notwendigkeit einer Klärung der Verantwortlichkeiten gesprochen werden", sagt François Savary.

Der Investment-Direktor von Reyl & Cie SA betont, dass es Transparenz brauche.

Und diese würde ohnehin immer zu weiteren Fragen und Debatten Anlass geben. Mit anderen Worten, ohne Schlagabtausch werde es wohl nicht gehen.

Die grösste Bank der Schweiz ruft ihre Aktionäre für den 27. Februar zu einer ausserordentlichen Generalversammlung nach Basel.

Das Traktandum ist die Rekapitalisierung nach dem Debakel auf dem US-Immobilienmarkt, dessen Konturen noch nicht in alle Einzelheiten offengelegt sind.

Kein schönes Geburtstagsgeschenk

Für ihren 10. Geburtstag hat sich die Bank ein schönes Ei als Geschenk ins Körbchen gelegt: Den ersten Verlustausweis in ihrer Unternehmensgeschichte.

Verursacht hauptsächlich durch ihr Investment Banking, das von den USA aus geführt wird und das sich zu stark in Risiko-Finanzprodukten engagiert hat, mit der Folge eines Abschreibungsbedarfs von mehreren Milliarden von Franken.

Die Herausforderung der UBS an dieser ausserordentlichen GV ist eine doppelte: Erstens braucht die Bank neues Kapital, um mittelfristig ihre Strategie weiter zu führen. "Die UBS braucht das Eigenkapital, um gewisse Unternehmens-Kennzahlen zu erfüllen, die als Sicherheits-Indizes von den Regulationsbehörden verlangt werden", sagt François Savary gegenüber swissinfo.

Bilanztechnisch gesehen will die UBS ihr Eigenkapital um 19,4 Milliarden Franken aufstocken. Zwei Kapitalgeber würden 13 Milliarden einschiessen, über Wandelobligationen, verzinst während zwei Jahren zu 9% und ab jenem Zeitpunkt in Aktien wandelbar.

Haftungsbeschränkter Stake Holder

Neben einem unbekannten Investor aus dem Mittleren Osten würde der Singapurer Staatsfonds GIC den Grossteil der Rekapitalisierung übernehmen. Der Eintritt dieses Fonds, der im Besitz eines Staates mit beschränkten demokratischen Regeln ist, als Stake Holder ins Eigenkapital der Bank passt nicht allen.

Kommt dazu, dass der GIC mit einer Beteiligung von 9% bereits eine Blockier-Minderheitsposition halten würde und damit in die Entscheidungen der UBS eingreifen könnte.

Besonders einige bestehende UBS-Aktionäre wie die Pensionskasse Profond oder die Stiftung Ethos stört es, dass sie von der Rekapitalisation ausgeschlossen sind – ein bisher unwiderrufener Entscheid der UBS. Die GV dürfte sich im weiteren auch zu den Vorzugsrechten äussern.

Ärger mit der Verwässerung

Das wäre dann laut Savary die zweite Herausforderung der Bank: "Werden die bestehenden Aktionäre akzeptieren, dass ihre Anteile an der UBS verwässert werden?"

Mit dem Entscheid, die 9% des Eigenkapitals bei institutionellen Anlegern zu holen, möchte die UBS einer "Kapital-Auszehrung" vorbeugen. Einen Grossinvestor zu holen, heisst laut Savary "im schlimmsten Fall eine feindliche Übernahme zu vermeiden".

Obschon sich der Entscheid der UBS-Führung betriebswirtschaftlich begründen lässt, haben auch die Aktionäre im Grunde genommen Recht, schätzt Savary.

"Die Bank möchte wieder etwas Ruhe ins Geschäft bringen, doch birgt der Entscheid eine ungleiche Behandlung in sich. Ideal wäre hingegen eine Kompromiss-Lösung, die zwar einen Grossinvestor beizieht, aber gleichzeitig den bestehenden Aktionären einen Teil des neuen Kapitals anbietet."

Eine derartige Kompromisslösung hat Chancen. Kürzlich hat sich gezeigt, dass die UBS den "giftigen" US-Hypotekarprodukten immer noch sehr ausgesetzt bleibt. Es wird deshalb bereits von einer zweiten Kapitalaufstockung gesprochen, die auf der Basis eines Kompromisses zwischen Neu- und bestehenden Aktionären abzuwickeln wäre.

Externe Rechnungsprüfung als Weg zur Öffnung?

Die Aktionäre werden sich am Mittwoch auch zu einem Antrag äussern, wonach eine externe Firma eine Rechnungsprüfung durchführen soll: Die Stiftung Ethos möchte mehr Licht ins Gestrüpp der Unternehmensführung und der Risikokontrolle der UBS bringen.

Savary meint zwar, eine normale Buchprüfung sollte genügen. Ethos möchte mit ihrem Antrag aber erreichen, dass sich die gegenwärtige UBS-Spitze etwas öffnet.

Die UBS-Führungsstruktur, das ist vor allem Verwaltungsrats-Präsident Marcel Ospel. Diesem dürfte an der GV viel Gegenwind ins Gesicht wehen. Denn viele Bank-Verantwortliche des Subprime-Debakels in Amerika haben ihre Posten längst zur Verfügung gestellt. Und viele Experten, darunter auch eine Mehrheit der Schweizer, wünschten sich dasselbe von Ospel.

"Die UBS möchte, dass dieser Mann den Schaden wieder repariert und nachher geht", sagt Savary. Für den Wiederaufbau des Images der UBS ist ein Abgang Ospels notwendig. Es liegt an der UBS, zu entscheiden, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist", so Savary.

swissinfo, Pierre-François Besson
(Übertragung aus dem Französischen: Alexander Künzle)

In Kürze

Die UBS ist 1997 aus der Fusion des Schweizerischen Bankvereins SBV und der Schweizerischen Bankgesellschaft SBG entstanden.

Sie ist schweizweit die grösste und weltweit die zehntgrösste Bank und beschäftigt rund 80'000 Mitarbeitende.

2000 erfolgte mit dem Kauf von PaineWebber die erste grosse Akquisition. Das viertgrösste US-Börsenhaus hat ein strategisches und regionales Loch der UBS im Anlagegeschäft gefüllt.

Die Hedge Funds-Käufe Long Term Capital Management und Dillon Read Capital Management wurden jedoch für die UBS zu einem Desaster, weil der Schuldenberg zu gross war.

Zwei Monate nach dem Fall von Dillon Read muss auch der CEO von UBS, Peter Wuffli, Marcel Rohner Platz machen. Drei Monate später kündigt die UBS 1500 Mitarbeitenden im Bereich Anlagen.

Was die laufende Subprime-Krise betrifft, vermeldete die Bank zuerst einen Abschreiber von 4 Mrd. Franken. Doch das Geschäftsjahr beendet sie schliesslich mit einem Verlust von 4,4 Mrd., nach insgesamt 21,3 Mrd. Abschreibungen.

Ihr Engagement in diesem Sektor ist noch viel grösser. Inklusive anderen unsicheren Krediten könnten 80 Mrd. Franken betroffen sein. Neue eventuell nötige Abschreiber könnten sich ergeben.

Seit Beginn des neuen Jahres hat die UBS-Aktie einen Drittel ihres Werts verloren.

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