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Die zwei Gesichter Altdorfs

An diesem Morgen bläst ein milder Wind durch das Dorf. "Das ist der Föhn!" erklärt ein Passant. Eigentlich nichts Besonderes. Aber aus dem Mund eines Bewohners von Altdorf ist dieser Satz bedeutungsvoll.

Die Region lebt seit jeher mit den Gefahren des Föhns. 1400, 1693 und 1799 schürte der warme Wind aus dem Süden eine Feuersbrunst, die den Ort in einer Nacht praktisch zerstörte.

Altdorf, das friedliche Dorf im Reusstal, hat überlebt. Aber wo sind seine 9000 Bewohnerinnen und Bewohner? Wir kommen um die Mittagszeit an und treffen gerade mal einen alten Mann, der uns im Urner Dialekt den Weg weist.

"Sie folgen den Spuren Wilhelm Tells? Kein Problem, hier finden Sie ihn überall!", versichert er.

Hier Tell, da Tell, überall Tell

Und so ist es. Da ist die Pizzeria Tell, daneben gibt es das Tellspielhaus und die Wirtschaft Wilhelm Tell, wo die Jungen am Abend Darts spielen, wie in allen Wirtschaften üblich. Aber hier kommt man fast nicht umhin, in ihnen die Züge des mythischen Helden zu sehen.

Doch vor allem steht in Altdorf das "Tell-Denkmal", das 1895 von Richard Kissling geschaffen wurde. Am Fuss der Bronzestatue steht: "Erzählen wird man von dem Schützen Tell, solange Berge stehn auf ihrem Grund."

Das Denkmal steht vor einem Verteidigungsturm aus dem Mittelalter, man nennt ihn das "Türmli". Eine Freske, welche die Apfelschuss-Szene und den Rütlischwur darstellt, ziert das "Türmli".

Ein Herz, aber kein Zentrum

Es ist das Herz des Dorfes. "Das Telldenkmal ist nicht zu verfehlen", betont Stefan Arnold, Journalist beim "Urner Wochenblatt". "Übrigens fahren alle Cars über diesen Platz. Sie entladen Dutzende von Touristen, die ein Foto schiessen, bevor sie weiterfahren."

Ausser der Bronzestatue hat Altdorf kein eigentliches Zentrum. Im Übrigen sind alle Dörfer im Tal nach dem gleichen Modell aufgebaut.

"Sie wurden entlang der grossen Verkehrsadern gebaut", erklärt die Kunsthistorikerin Helmi Gasser. "Die ganze Industrie ist auf die Region zwischen Altdorf und dem See konzentriert."

Pendel-Bewegungen



In Altdorf wird es Abend. Das Licht verändert sich, die Atmosphäre auch. Ab 17 Uhr 30 hat der Ort ein anderes Gesicht. Motorenlärm, Autoschlangen, höfliches Drängeln (ohne Hupen). Das ist der Pendler-Strom, der sich am nächsten Morgen ab 5 Uhr in die andere Richtung bewegt.

"Viele mussten anderswo Arbeit suchen, in Luzern oder Zürich. Einige verliessen die Region. Andere pendeln", erklärt Stefan Arnold.

Trotzdem hat der Ort nichts von einer Schlafstadt. Der Hauptort des Kantons ist mit Bürglen und Flüelen zum Zentrum der regionalen Aktivitäten geworden. Besonders dynamisch sind das Tourismusbüro und das Theater von Uri.

Dieses Theater hat übrigens zwei Namen, je nach Saison – Tellspielhaus heisst es, wenn das Stück von Schiller aufgeführt wird, in der übrigen Zeit ist es das Theater Uri. Man möchte beweisen, wie sein Direktor sagt, dass Altdorf "nicht Provinz" ist.

swissinfo, Daniele Papacella und Alexandra Richard, Altdorf
(Übertragen aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Im Mittelalter fand der Markt von Uri in Altdorf statt. Hier, auf dem Dorfplatz, stellte Landvogt Gessler eine Stange mit einem österreichischen Hut auf.

Alle hatten dieses Symbol der kaiserlichen Autorität respektvoll zu grüssen.

Eines Tages ging Wilhelm Tell mit seinem Sohn daran vorbei und bezeugte dem Hut keine Ehre, was Gessler in Rage brachte.

Ebenfalls auf dem Dorfplatz demonstrierte Tell seine Geschicklichkeit mit der Armbrust, als er einen Apfel vom Kopf seines Sohnes schoss.

Heute ist der Nationalheld überall in Altdorf anzutreffen. Von der Bronzestatue bis zur Pizzeria im Ort.

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