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Druck auf economiesuisse verstärkt sich

economiesuisse stehen schwierige Zeiten bevor

(Keystone)

Nach dem Maschinen-und Metallindustrie-Verband swissmem haben nun auch die Schweizer Baumeister Austrittsgelüste aus dem Wirtschafts-Dachverband geäussert.

Eine Spaltung hätte indes schlechte Auswirkungen auf die Schweizer Wirtschaft, befürchtet Martin Spielmann von der Handelszeitung im Gespräch mit swissinfo.

Der Hauskrach bei economiesuisse, dem Spitzenverband der Schweizer Wirtschaft, weitet sich aus. Nachdem am Montag der Verband der Maschinen - und Metallindustrie swissmem seine Mitgliedschaft vorsorglich gekündigt hatte, äusserte nun am Dienstag der Schweizer Baumeisterverband SBV Austritts-Absichten.

Endgültig entschieden ist noch nichts. Die SBV-Delegiertenversammlung ermächtigte ihren Zentralvorstand jedoch einstimmig, über den Austritt per Ende Jahr zu entscheiden.

economiesuisse wird in den nächsten Monaten Gespräche mit Swissmem und dem Baumeisterverband führen.

swissinfo: Ist bei economiesuissse der Wurm drin?

Martin Spieler: Wegen unterschiedlichen Interessen gibt es einen Graben zwischen Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie auf der einen und dem Finanzsektor und der Pharmabranche auf der anderen Seite.

economiesuisse hat zusehends Schwierigkeiten, all diese Interessen unter einem Dach zu vereinen. Wichtiger Streitpunkt sind aber auch die Mitgliederbeiträge. Die Mitglieder von Swissmem möchten weniger bezahlen.

swissinfo: Ist der Graben auch ein Konflikt zwischen starken und schwachen Mitgliedern?

M.S.: Nicht nur, auch in der Metallindustrie gibt es grössere Gesellschaften. Aber die Banken und Pharma-Unternehmen, wie Roche und Novartis, haben andere Interessen als die kleineren und mittelgrossen Unternehmen.

Die Grossen der Metall- und Maschinenindustrie sind sehr stark exportabhängig und haben damit andere Interessen als der Finanzplatz, für den beispielsweise die Wahrung des Bankgeheimnisses im Vordergrund steht.

swissinfo: Seit wann besteht dieser Graben?

M.S.: Der Graben hat sich zunehmend entwickelt und wird sich noch weiter entwickeln. Aber economiesuisse ist trotz dieser Differenzen immer noch ein Sprachrohr.

Der formelle Austritt ist ein wichtiger Verhandlungspunkt von Swissmem. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob dieser Austritt auch wirklich vollzogen wird.

swissinfo: Könnte es zu einer Spaltung der Schweizer Wirtschaft kommen?

M.S.: Das ist durchaus möglich, wäre aber für die Schweizer Wirtschaft sehr schlecht. Ich gehe eher davon aus, dass man sich nach dieser Geschichte an einen Tisch setzen und versuchen wird, die Interessen wieder unter einen Hut zu bringen. Denn die Akteure sind sich bewusst, dass zuviel auf dem Spiel steht.

Ich gehe davon aus, dass Swissmem letztendlich ein klares Signal gesetzt hat, um mit dem Austritt in den Verhandlungen die eigenen Positionen durchzusetzen.

swissinfo: Wie könnte sich dieser Konflikt allenfalls auf den Wirtschaftsstandort Schweiz auswirken?

M.S.: Eine Spaltung, falls es eine gäbe, wäre schlecht, weil die Wirtschaft ihre Interessen im Gesetzgebungs-Prozess weniger einheitlich vertreten könnte.

Es ist wichtig, dass sie eine einheitliche Position vertreten kann. Ist dies nicht der Fall, würden die Links-Parteien ihre Forderungen besser einbringen können.

swissinfo-Interview: Renat Künzi

Fakten

Zu den economiesuisse-Mitgliedern gehören 20 Handelskammern, 93 Verbände aus dem Dienstleistungs- und Industriesektor und 47 Einzelmitglieder wie zum Beispiel Adecco, Kudelski, Microsoft Schweiz, Nestlé, Novartis, oder Swisscom.
economiesuisse vertritt rund 30'000 Firmen mit über 1,5 Mio. Mitarbeitenden.
Der Verband beschäftigt rund 55 Mitarbeitende in den Geschäftsstellen in Genf, Bern, Lugano und Brüssel sowie im Hauptsitz in Zürich.

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In Kürze

economiesuisse ist der Spitzenverband der Schweizer Unternehmen.

Er ist zuständig für die Mitgestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auf nationaler und internationaler Ebene.

Schwerpunkte: Agrar- und Aussenwirtschaft, Bildung und Forschung, Energie und Umwelt, Finanzen und Steuern, Informations- und Kommunikationstechnologie, Infrastruktur, KMU-Fragen, Konjunktur und Währung, Wettbewerbsfragen.

Er versteht sich auch als Sprachrohr der Wirtschaft in der Öffentlichkeit.

Der im Jahr 2000 gegründete Verband ist die Nachfolgeorganisation des Schweizerischen Handels- und Industrievereins (Vorort) und der wf, Gesellschaft zur Förderung der schweizerischen Wirtschaft.

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