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Dubais Gärten: Sonne, Sandsturm und Hagel

Peter Harradine ist einer der "amtsältesten" Auslandschweizer in Dubai. Dank ihm ist die Stadt viel grüner.

(swissinfo.ch)

Die Schweiz sei für einen Landschafts-Gärtner klimatisch unberechenbarer als die trockene Golfregion, sagt Peter Harradine.

Doch wird es auch in den Emiraten sehr ungemütlich, so der Tessiner Garten- und Golfplatzspezialist, wenn Sandstürme aufkommen oder golfballgrosse Hagelkugeln die Parkpflanzen zertrümmern.

Einen grünen Daumen zu besitzen, gilt im trockenen Wüstenklima der Golfregion als besonders geschätzte Gabe: Peter Harradine hatte Mitte der siebziger Jahre für einen Scheich respektive dessen Kamele erstmals künstlich spezielles Futtergras, Luzerne genannt, aufgezogen, indem er mit Kupferdrähten Grundwasser aufspürte.

"Das beeindruckte den Scheich so sehr, dass er mich schon beinahe zwang, mit ihm die Firma 'Orient Irrigation Services' zu gründen", lacht der Tessiner mit englischen Wurzeln heute. Die Firma, den Sohn des Scheich und Harradine selbst gibt es heute noch. Und ein grosser Teil der Begrünung der Stadt Dubai – eine Dienstleistung, die in den trockenen Emiraten gar nicht hoch genug geschätzt werden kann – geht auf sie zurück.

Risiko im Golfklima tiefer

"Unter der Voraussetzung, dass es Wasser hat", so Harradine, "ist die Handhabung von Pflanzen in den Emiraten einfacher als in der Schweiz, wo die Natur viel mehr Kapriolen schlägt."

"Einmal schneit es, dann scheint die Sonne, und dann folgt Regen", beschreibt Harradine die alpinen Herausforderungen. "In der Golfregion scheint hingegen konstant die Sonne. Das halten aber nur wenige, bestimmte Pflanzen aus. Aber mit denen ist dann einfacher umzugehen."

Die Swissness kommt erst nach dem Begrünen

Beim Erstellen von Stadtparks oder Golfanlagen entfällt der grösste Teil des Aufwands auf Unterhalt und Pflege in den zehn bis zwanzig Jahren nach der Erstellung: "Ein typisch schweizerischer Garantie-Service. Da kommt dann die Swissness als langfristig angelegte Dienstleistungs-Qualität rein", sagt Harradine.

Obschon Harradine eigentlich in den USA Landschafts-Architektur studiert hat, verkauft er sein Können als schweizerisch – und zwar als Person und als "Swiss" Firma.

"Swiss" hat in letzter Zeit etwas gelitten

Leider habe die Bezeichnung "Swiss" in den letzten Jahren generell gelitten: Viele Ausländer in Dubai, die nicht Schweizer sind, verkaufen ihrr Unternehmens-Ideen inzwischen mit dem Label "Swiss".

Und ein grosses, wenn auch inoffizielles Bordell in Dubai, das glücklicherweise inzwischen geschlossen wurde, hiess "Swiss Hotel", ärgert sich der Tessiner, der als Präsident des Swiss Business Councils vor Ort besonders sensibel auf solche Missbräuche reagiert.

Ärgerliche Risikoscheu der Schweizer

Was die Schweiz betrifft, wurmen ihn auch die Nachwuchs-Probleme. Seine Erfahrungen spiegeln jene der Gastro- und Hotelwirtschaft: "Nur wenige Absolventen der beiden Schweizer Landschafts-Architektur-Schulen wollen nach Dubai in ein Praktikum."

Diese Risiko-Scheu, die Harradine bei den Schweizern ausmacht und die ihn so verstimmen, finde sich aber auch bei Schweizer Unternehmen, sogar bei jenen vor Ort. "Schweizer Banken zum Beispiel tun sich sehr schwer mit der Vergabe von Krediten hierzulande. Aber die bestehenden Vermögen, die verwalten sie sehr gerne."

Dasselbe gelte, so Harradine, auch für die Versicherungen. Diese hätten in den Golfregion ausserdem noch mit einem kulturell bedingten Akzeptanz-Problem zu kämpfen. In der Schweiz wüssten die Versicherungen sehr wohl, wie sie mit Naturschäden umzugehen haben.

Keine Hagelversicherung in der Wüste?

Auch in den Emiraten gibt es Naturschäden: "Weniger häufig zwar, aber dafür saftiger", weiss Harradine. "Da zum Beispiel die Parkpalmen wegen der Tröpfchen-Bewässerung kein tief in den Grund reichendes Wurzelwerk bilden, reissen starke Winde sie schneller aus."

Eine landesweit reichende Hagelversicherung, wie sie in der Schweiz seit Jahrzehnten angeboten wird, hätte Harradine auch für die Emirate gerne: "Ob Weinberge am Genfersee oder Golfplätze in Dubai, der Schaden durch Hagelschlag ist dieselbe."

Wenn Versicherungen, ohne mit der Wimper zu zucken, die höchsten Hoteltürme der Welt à la Burdj-el-Arab versichern, fragt sich Harradine, dann sollten sie doch auch einfachere und bekannte Schadenarten wie Parks und Pflanzungen decken können.

swissinfo, Alexander Künzle, Dubai

In Kürze

Was in der Schweiz Lawinen, Bergrutsche und Überschwemmungen sind, sind in den Emiraten Sandstürme, Platzregen und Hagelschlag.

Kulturpflanzen werden dann entweder umgerissen oder erschlagen.

Die Hagelkörner sind, wenn es zum Niederschlag kommt, in der Regel viel grösser als in der Schweiz.

Naturschäden gibt es also auch in den Emiraten am Golf. Nur sind die Versicherungs-Möglichkeiten dagegen nicht so ausgefeilt wie in der Schweiz.

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Fakten

Ein Landschafts-Architekt ist eine Art planender Botaniker oder ein Ingenieur mit Pflanzenkenntnissen.
Das Klima der Emirate ist auf der Seite des arabisch-persischen Golfs extrem trocken, obschon die Luftfeuchtigkeit wegen der Meerwasser-Verdunstung sehr hohe Werte erreicht.
Es kommt zu Wolken- und Dunstbildung, aber wenig zu Regenfall.
Grünflächen und Gärten haben im heissen Klima des Golfs einen extrem hohen Stellenwert für die Lebensqualität und als Schutz vor Sonne.
Diese müssen alle künstlich bewässert und entsprechend gepflegt werden. Wasser gibt es dank den Entsalzungs-Anlagen, die mit Erdölenergie betrieben werden, vorläufig genug.

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