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FRANKFURT (awp international) - Immer mehr führende Konjunkturforscher sagen der deutschen Wirtschaft ein weiteres Boomjahr voraus. Vor allem die Exportstärke und die gute Stimmung im Inland sorgen für Zuversicht. Schon bald könnte der Optimismus aber einen Dämpfer erhalten: Angesichts der steigenden Preise für Energie und Nahrung warnt die Europäische Zentralbank (EZB) immer deutlicher vor Inflationsrisiken im Euroraum.
Das Ende des billigen Geldes steht womöglich kurz bevor: EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte jüngst ungewohnt deutlich angedeutet, dass die EZB schon im April an der Zinsschraube drehen könnte. Höhere Zinsen können den Preisauftrieb bremsen, sie verteuern aber auch Kredite - das wäre Gift für die Konjunkturerholung.
Noch setzen Experten grosse Hoffnung für Deutschland auf die enorme Nachfrage nach Produkten "Made in Germany". Im Januar legte die deutsche Exportwirtschaft allerdings eine Verschnaufpause ein. Die Ausfuhren sanken gegenüber dem Vormonat um 1,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.
Auch gemessen an den Umsätzen startete die deutsche Industrie holprig ins Jahr 2011. Die Erlöse fielen nach vorläufigen Zahlen im Januar bereinigt 0,2 Prozent niedriger aus als im Dezember.
Auf Jahressicht beschert der Wirtschaftsaufschwung Deutschlands Exporteuren aber weiterhin glänzende Geschäfte. Insgesamt wurden zum Jahresauftakt Waren im Gesamtwert von 78,5 Milliarden Euro ausgeführt - ein sattes Plus von 24,2 Prozent zum Vorjahresmonat.
Die Importe nach Deutschland summierten sich im Januar 2011 auf einen Wert von 68,4 Milliarden Euro. Das waren 24,1 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und 2,3 Prozent mehr als im Dezember 2010.
Trotz der Exportdelle im Januar sehen Experten den Aussenhandel weiter als wichtigsten Wachstumstreiber. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) sagte: "Der deutsche Aussenhandel bleibt auf Erfolgskurs. Das Auslandsgeschäft ist weiterhin eine Stütze des Aufschwungs in Deutschland und unsere gestiegenen Importe sorgen auch für Wachstum bei unseren europäischen Nachbarn."
Auch Commerzbank-Analystin Ulrike Rondorf ist überzeugt, dass die Exporte zusammen mit den Ausrüstungsinvestitionen die wichtigsten Treiber des deutschen Aufschwungs sind. Daneben dürfte sich der private Konsum weiter beleben und spürbar zum Wachstum beitragen, sagte Rondorf: "Insgesamt erwarten wir, dass die deutsche Wirtschaft 2011 3,0 Prozent wachsen wird."
Ähnlich optimistisch gab sich das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI, das ein Plus von 2,9 Prozent erwartet. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft rechnet immerhin mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 2,8 Prozent - und hat seine Dezemberprognose damit um 0,5 Punkte nach oben korrigiert. Die Bundesbank hatte ihre Erwartung für 2011 in dieser Woche auf 2,5 Prozent erhöht, das Institut für Wirtschaftsforschung in Halle auf drei Prozent.
Die IfW-Konjunkturforscher gingen für die Prognose davon aus, dass der Preis für Rohöl im Laufe des Jahres wieder auf das Niveau sinkt, auf dem er vor dem Ausbruch der politischen Umwälzungen im arabischen Raum lag. Sollten die Spannungen aber anhalten oder sollte es gar zu weiteren Preisschocks auf dem Rohölmarkt kommen, könne dies schnell die Wertschöpfung in Deutschland beeinflussen.
Nach Angaben der EZB spüren die Verbraucher die Folgen der jüngsten Ölpreiserhöhungen noch gar nicht. Sie dürften sich erst in den kommenden Monaten in den Verbraucherpreisen niederschlagen, schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht.
Der EZB-Rat werde "entschlossen und rechtzeitig" handeln, um Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität auf mittlere Sicht zu verhindern. Im Moment geht die Notenbank aber davon aus, dass die Rohölpreise trotz der politischen Spannungen in den arabischen Förderländern nicht weiter steigen. In diesem Fall werde sich die Teuerung bei Energie im weiteren Jahresverlauf verlangsamen.
Hingegen dürfte sich der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln in den nächsten Monaten beschleunigen: "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass der jüngste Anstieg der Teuerungsrate auf mittlere Sicht keinen breit angelegten Inflationsdruck zur Folge hat", warnte die EZB. Trichet hatte die Tarifpartner zur Lohnzurückhaltung aufgerufen und vor einer Lohn-Preis-Spirale gewarnt.
Im Februar war die jährliche Inflationsrate des Eurogebiets auf 2,4 Prozent gestiegen. Die EZB sieht Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.
Auch die Staatsschuldenkrise im Euroraum ist nicht überwunden, warnte das IfW. Bisher scheine dies die Erwartungen der Unternehmen zwar kaum zu beeinträchtigen. Doch dies könne sich ändern, wenn ein hoch verschuldetes Land seinen Schuldendienst einstellen sollte: "Dies könnte ... zu Turbulenzen an den Finanzmärkten führen." Gravierende Folgen für die Konjunktur ergäben sich, wenn in der Folge die Zinsen auf breiter Front stiegen./hqs wsz/wd/ben/DP/he

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