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WIESBADEN (awp international) - Der harte Winter hat das rasante Wachstum der deutschen Wirtschaft zum Jahresende gebremst. Besonders die Bautätigkeit wurde quasi auf Eis gelegt. Die Wirtschaftsleistung legte im vierten Quartal preis-, saison- und kalenderbereinigt nur noch um 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Im dritten Quartal hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Für das Gesamtjahr 2010 bestätigten die Statistiker das kräftige Wirtschaftswachstum von real 3,6 Prozent.
Volkswirte sehen das schwächere Wachstum zum Jahresende als kältebedingten Ausrutscher an. "Die ungewöhnlich kalte Witterung im Dezember hat die Bautätigkeit deutlich gebremst. Rechnet man diesen Effekt heraus, ergibt sich ein Plus des Bruttoinlandsproduktes von gut 0,7 Prozent", schreibt Commerzbank-Analyst Ralph Solveen. Dass das Wachstum geringer ausfiel, sei ausschliesslich auf den deutlichen Rückgang der Bauinvestitionen zurückzuführen. Dieser Effekt dürfte im ersten Quartal 2011 wettgemacht werden.
Wachstumstreiber war vor allem der Aussenhandel. Nach den Angaben lagen die Exporte im vierten Quartal um 2,5 Prozent über dem Niveau des Vorquartals, während die Importe im selben Zeitraum lediglich um 0,9 Prozent zulegten.
Aber auch aus dem Inland kamen Impulse. So lagen die privaten Konsumausgaben zum Jahresende preisbereinigt um 1,4 Prozent höher als im letzten Quartal 2009. Der Staat erhöhte seine Konsumausgaben sogar noch kräftiger um 2,8 Prozent. Zudem steigerten Unternehmen und Staat ihre Investitionen in Maschinen, Geräte und Fahrzeuge um preisbereinigt 17,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Hingegen stiegen die Bauinvestitionen nur geringfügig um 0,8 Prozent, weil der witterungsabhängige Tiefbau stark zurückging.
Insgesamt hat sich Deutschland im vergangenen Jahr überraschend schnell vom Tiefpunkt der Finanz- und Wirtschaftskrise entfernt. Die Wirtschaftsleistung lag in allen Quartalen deutlich über dem Niveau des Krisenjahres 2009. Im letzten Vierteljahr 2010 stieg das preisbereinigte BIP im Vergleich zum vierten Quartal 2009 um 4,0 Prozent.
Anfang 2011 dürfte der Aufschwung nach Einschätzung von Experten angetrieben vom Export wieder deutlich an Fahrt gewonnen haben. Analysten der Allianz rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um annähernd 1 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2010 wachsen wird.
Denn die Stimmung in der deutschen Wirtschaft ist trotz steigender Energiepreise und der längst nicht überstandenen Staatsschuldenkrise bestens. Der ifo-Index als Konjunkturbarometer eilt seit Monaten von Rekord zu Rekord, das ifo-Geschäftsklima befindet sich auf dem höchsten Stand seit Dezember 1969. Die Unternehmen stellen wieder ein, die Beschäftigung in Deutschland ist auf Rekordniveau. Die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal wurde von 41 Millionen Erwerbstätigen erbracht. Das waren 422.000 Menschen oder 1,0 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Experten trauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr ein Plus von bis zu 3,0 Prozent zu.
hqs/DP/bgf

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