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PARIS (awp international) - Die steigende Inflation in Grossbritannien und in der Eurozone stellt die Zentralbanken in Europa nach Einschätzung der Ratingagentur Standard & Poor's vor ein Dilemma. "Die Zentralbanken würden einerseits gerne zum typischen Mittel greifen, um gegen Inflation vorgehen, und die Zinssätze erhöhen", sagte Standard & Poor's Chefvolkswirt Jean-Michel Six am Dienstag. "Andererseits scheint ein schwacher wirtschaftlicher Ausblick bei den meisten Mitgliedern der Währungsunion und in Grossbritannien sowie die ungelöste Schuldenkrise mancher Staaten nach einer expansiven Geldpolitik mit unkonventionellen Massnahmen und niedrigen Zinssätzen zu rufen."
Angesichts dieser widersprüchlichen Signale habe das währungspolitische Komitee (MPC) der Bank von England bislang eine dauerhafte Überschreitung ihres Inflationsziels von zwei Prozent toleriert. Im Januar 2011 erreichte die Inflation in Grossbritannien vier Prozent, und das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte im vierten Quartal 2010 um 0,5 Prozent.
"Da ihre Glaubwürdigkeit als Kämpfer gegen die Inflation zunehmend unter Druck gerät, sind wir der Ansicht, dass die MPC wahrscheinlich im Herbst eine erste Anhebung des Zinssatzes vornehmen wird, oder sogar schon eher, wenn BIP und andere ökonomische Schlüsselindikatoren stärker als erwartet ausfallen", sagte Six. "Wir erwarten, dass die offiziellen Zinsen der MPC, die derzeit bei 0,50 Prozent stehen, zum Jahresende 1,0 Prozent erreichen und bis 2012 eher nach oben zeigen werden."
Eine steigende Inflation in der Eurozone stelle auch für die Europäische Zentralbank (EZB) eine Herausforderung dar. Allerdings geht die Ratingagentur davon aus, dass durch steigende Inflation, potentiell höheres Geldmengenwachstum und stärkeres Wirtschaftswachstum in Schlüsselländern der Eurozone wie etwa Deutschland ein graduelles Anziehen ab dem nächsten Quartal möglich wäre und ein erster Zinsschritt im Sommer zu erwarten sein könnte. Vor diesem Hintergrund könnten ab Herbst höhere Zinssätze eingeführt, gleichzeitig aber bis 2012 die unkonventionellen Massnahmen weitergeführt werden./jha/bgf

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