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Ein Schweizer an der Spitze von Microsoft Russland

Stefano Santinelli (Bild: SP)

Stefano Santinelli ist seit einem Jahr Leiter der Handels- und Marketing-Abteilung von Microsoft Russland. Er erzählt swissinfo von seinen Moskauer Erfahrungen.

Bevor er diese Stelle antrat, arbeitete der 36-jährige Tessiner unter anderem in den verrückten Jahren des Internetbooms im kalifornischen Silicon Valley.

Nach seinem Informatikstudium an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETH) unterrichtete Santinelli ein Jahr an der Universität Moskau.

Zehn Jahre später ist er wieder in der russischen Hauptstadt, diesmal aber als Kadermann von Microsoft in Russland. Ein verantwortungsvoller Posten in einem Markt, der sich in vollem Aufschwung befindet.

swissinfo: Wie kamen Sie an Ihre heutige Stelle? Ist es Zufall oder die Folge einer effizienten Karriereplanung?

Stefano Santinelli: Es ist immer Zufall, aber mit einer guten Vorbereitung. Es ist genau wie im Business, der Zufall entscheidet über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens, aber einem Erfolg geht immer eine gute Vorbereitung voraus.

Als ich mein Studium an der ETH abgeschlossen hatte, beschloss ich, an der Universität Moskau zu arbeiten, weil ich der einzige "Software-Ingenieur" sein wollte, der sowohl Englisch wie Russisch spricht. Ich träumte immer davon, eines Tages in Russland zu arbeiten, aber ich hatte es eine Zeitlang vergessen, weil mich das Geschehen in den USA anzog.

Als Microsoft beschloss, in den russischen Markt zu investieren und mir die Möglichkeit bot, diese Aktivitäten zu leiten, wurde mein Traum Wirklichkeit.

swissinfo: Woher kommt diese Faszination für Russland?

S.S.: Russland... man liebt es oder man hasst es. Ich liebe es.

Das kulturelle Leben zum Beispiel ist sehr intensiv. Allein in Moskau gibt es 1200 Museen und 300 Theater. Die Leute sind sehr gut ausgebildet und neugierig. Die Menschen in Russland interessieren sich wirklich für die Multikulturalität der Welt.

Und in Bezug auf die Geschäfte ist Russland heute für viele Firmen in Westeuropa, aber auch und vor allem für Microsoft, einer der wichtigsten Märkte.

swissinfo: Weshalb?

S.S.: In Russland wächst das BIP jedes Jahr um über 10%. Wenn man in einer Branche Marktführer ist, kann man für seine Aktivitäten mit einem jährlichen Wachstum von 80-100% rechnen.

Die Kaufkraft steigt und das Land hat in Technologie und "Lifestyle" einiges aufzuholen. Heute wollen alle einen Kühlschrank, eine Waschmaschine oder einen Computer.

swissinfo: Auf welche Schwierigkeiten stossen Sie bei Ihrer Arbeit?

S.S.: Das Hauptproblem liegt in der Geografie. Russland erstreckt sich über elf Zeitzonen, die Infrastrukturen sind nicht gut ausgebaut. Es ist nicht leicht, seine Botschaft über Moskau hinaus zu den 140 Millionen Konsumierenden im Land zu bringen.

Es gibt grosse administrative Hürden, auch wenn der Staat versucht, das Leben der Unternehmen so weit wie möglich zu vereinfachen, namentlich was Zölle und Abgaben angeht.

Es ist ausserdem schwierig, junge Talente zu rekrutieren, denn gut ausgebildete Leute können unter zehn bis fünfzehn Angeboten auswählen.

Schliesslich gibt es insbesondere bei der Software enorme Probleme im Bereich des geistigen Eigentums. Die Piraten sind sehr schlau. Wir kämpfen zusammen mit den Behörden in verschiedenen Projekten gegen dieses Problem.

swissinfo: Hilft Ihnen die Tatsache, dass Sie Schweizer sind bei Ihrer Arbeit für Microsoft in Russland?

S.S.: Absolut. Das ist wirklich wesentlich. Als Schweizer weiss man, was es heisst, eine andere Sprache zu sprechen, sich im Umgang mit den Menschen deren Kultur anzupassen.

In Russland hat die Schweiz ein Image für gute Qualität und Professionalität, beides wird hier sehr geschätzt. Wenn man in Moskau arbeitet, ist unsere Nationalität ein Vorteil. Viele Russinnen und Russen kennen unser Land von einem Besuch.

Ich muss oft die Schweizer Haltung gegenüber der EU erklären, die Neutralität des Landes während des Zweiten Weltkriegs usw. Die Leute wollen wissen, was es bedeutet "Schweizer zu sein", und wie meine Landsleute ihr Land sehen.

Ganz allgemein ist der Alltag in Russland sehr aufregend, aber man muss sich anpassen können. Ein Beispiel: Ich musste fast sechs Monate auf einen Internetanschluss in meiner Wohnung warten.

swissinfo: Damit sind wir beim Thema Internet. Glauben Sie, dass Sie in Russland Prepaid-Computer verkaufen können?

S.S.: Wir haben vor einigen Wochen ein Pilotprojekt gestartet. Unser Ziel ist es, mit dieser Aktion 20 Millionen Personen zu erreichen. Diese erhalten für nur 100 Dollar einen Computer im Wert von fast 1000 Dollar. Danach zahlen sie regelmässig - über Prepaid-Karten - für dessen Nutzung.

Damit möchten wir es den Menschen in Russland ermöglichen, ihren technologischen Rückstand aufzuholen. Und ich selber hoffe, damit die technologische Zukunft Russlands beeinflussen zu können.

swissinfo: Microsoft hat vor kurzem ein Zürcher Unternehmen gekauft, das in der Internet-Telefonie aktiv ist. Wie gut ist der Schweizer Markt in der Informatik?

S.S.: Die Schweiz ist im Informatikbereich vermutlich der innovativste Markt. Alle Technologien sind bereits vorhanden, sowohl in den Unternehmen wie bei den Konsumentinnen und Konsumenten. Die technologische Kette ist sehr interessant.

Dieser Markt eignet sich zum Beispiel gut zum Testen der Telekommunikation über IP-Adressen. Ausserdem hat die Schweiz sehr gut ausgebildetes Personal. Für Microsoft ist die Schweiz gleichbedeutend mit Qualität und Innovation.

swissinfo -Interview: Mathias Froidevaux
(Übertragen aus dem Französischen: Charlotte Egger)

In Kürze

Stefano Santinelli wurde 1970 im Tessin geboren. Er ist verheiratet und Vater eines Mädchens.

Nach dem Studium in Computerwissenschaften an der ETH Zürich unterrichtete er ein Jahr lang an der Universität Moskau (1995).

Danach arbeitete er für den Elektronik-Konzern ABB, wo er Projekte vor allem in Amerika und Deutschland leitete.

Darauf lebte er im kalifornischen Silicon Valley und arbeitete anschliessend in einer kleinen Informatikfirma in Boston als Softwareentwickler. Gleichzeitig machte er das Nachdiplom in Betriebswirtschaft (MBA) in Rochester.

2003 trat er bei Microsoft Schweiz ein. Nach zwei Jahren wurde er Business & Marketing Director von Microsoft Russland.

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Fakten

Stefano Santinelli spricht sechs Sprachen:
Italienisch
Französisch
Deutsch
Englisch
Russisch
Spanisch

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