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Ein Wasserschloss verfällt

Ein Kanal im usbekischen Fergana-Tal: Das Wasser kommt von Kirgisistan

(swissinfo.ch)

In Zentralasien ist mit dem Ende der Sowjetunion auch die zentral organisierte Wasserversorgung zusammengebrochen. Wenn die Regierungen keine gerechten Lösungen finden, drohen Unruhen.

Schweizer Projekte versuchen, diese Konflikte zu entschärfen.

"Das Leben wird den Regierungen und der Bevölkerung Zentralasiens rasch zeigen, dass eine optimale Wasserversorgung in dieser Region notwendig ist." Andrei Yakovlev ist Koordinator der Schweizer Mission für den Aralsee, die auch das regionale Hydrologiezentrum für Zentralasien in Taschkent betreut.

Die Sowjetunion war stolz gewesen auf ihre grandiosen Konstruktionen, mit denen das Wasser über Millionen von Quadrat-Kilometern verteilt und trockene Gebiete bewässert worden waren. Doch mit dem Sowjet-Reich verfielen auch diese Werke.

Glücklicherweise ist die Bergregion Zentralasiens ein veritables Wasserschloss. Doch die Unabhängigkeit Anfang der 90er-Jahre brachte den fünf Republiken massive Umwälzungen. Sie schafften es nicht mehr, den Unterhalt und die Weiterentwicklung der Infrastruktur zu finanzieren.

Notwendige Zentralisierung

"Während der Sowjetzeit beschäftigte sich eine einzige Verwaltung mit der Verteilung des Wassers gemäss den Bedürfnissen von Landwirtschaft und Energiegewinnung. Mit den verschiedenen Verwaltungen, ist das heute schwieriger", erklärt Yakovlev.

Konkret hält Kirgisistan das Wasser im Sommer in der Gegend Syr Daria mit mehreren Staudämmen zurück, um im Winter Elektrizität zu gewinnen. Dies hat zur Folge, dass den usbekischen Bauern im Fergana-Tal das Wasser in der Jahreszeit fehlt, in der sie es am dringendsten bräuchten.

Damit steigen die Spannungen zwischen den beiden Ländern, denn das meiste Wasser in Usbekistan kommt von Kirgisistan. Und bei Problemen beschuldigen sich die beiden Regierungen jeweils gegenseitig, Verursacher zu sein.

Drei Projekte zur Konflikt-Entschärfung

Mit der Schweizer Mission für den Aralsee sind die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (seco) seit 1995 in der Region aktiv: Sie finanzieren drei Projekte, um die Konflikte zu entschärfen.

Allem voran wurden automatische hydrologische Stationen eingerichtet, um die Einrichtungen aus der Sowjetzeit zu modernisieren: Damit kann der Wasserfluss nun automatisch, via Satellit, gesteuert werden.

Zweitens geht es darum, die Wasserfluss-Menge genau zu messen. Dies, um den Energie-, den Wasser- und den Landwirtschaftsministerien zu helfen, damit sie ihre Politik im Interesse aller Parteien koordinieren können.

Das dritte Projekt hat zum Ziel, eine Logistik zu erstellen, um die Wassermengen kurz- und langfristig vorhersagen zu können.

Grundbedürfnisse

Was auf dem Papier einfach erscheint, ist in der Realität hochkomplex. "Wir brauchen Standard-Ausrüstungen", sagt Yakovlev. Es fehle ganz Grundsätzliches wie einfache Meter-Stäbe, um Wasserstände in Flüssen messen zu können.

Wenn alles klappt, übermittelt die Mission ihre Vorhersagen den Wasserkraft-Zentralen und den verschiedenen Ministerien der Länder. "Die für die Wasserverteilung zuständigen Stellen der verschiedenen Verwaltungen kooperieren sehr gut, wenn es darum geht, Informationen und Erfahrungen auszutauschen", berichtet Yakovlev. "Es ist der schlechte Zustand der Infrastruktur, der Probleme verursacht", schliesst er.

Wasser ist wichtig für friedliches Zusammenleben

Früher oder später müssen sich Lösungen ergeben. Denn die Entwicklungshilfe kann nicht die Arbeit der Regierungen übernehmen und noch weniger Pläne für die optimale Wasserverteilung ausarbeiten. Mit der technischen und finanziellen Hilfe machen die Schweizer den Regierungen klar, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen müssen.

Wenn die Regierungen es nicht schaffen, mit einem integrierten Management das Wasser gerechter zu verteilen, wird die Bevölkerung ihnen in Erinnerung rufen, wie sehr Wasser fürs Überleben notwendig ist. Die Tumulte und Zusammenstösse von Anfang der 90er-Jahre sind Zeugnisse davon.

swissinfo, Jean-Didier Revoin und Marzio Pescia, Taschkent
(Übertragung aus dem Französischen: Eva Herrmann)

Fakten

Projekt für verbessertes Wassermanagement:
Schweizer Engagement 2001-2003: 500'000 Franken

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In Kürze

Die Altstadt von Taschkent charakterisieren seit dem Erdbeben 1966 zwei- und dreistöckige Gebäude. Dazu gehört auch das geografische Institut der Universität.

Es beherbergt die Schweizer Mission für den Aralsee und das regionale Hydrologiezentrum für Zentralasien.

Die Büros sehen heute noch aus wie in den 60er-Jahren. Einzig die moderne Computerausrüstung weist ins 21. Jahrhundert.

Hier werden Daten über die Wasserstände der verschiedenen Gewässer der Region zusammengetragen.

Dies ist eine Grundlage für die gerechte, den Bedürfnissen von Landwirtschaft und Energiegewinnung entsprechende Wasserverteilung.

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