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Eine Akademie für Jazzer und Rocker

WIAM-Leiter Albert Landolt während des Theorieunterrichts.

(WIAM)

Berühmt werden: Für die meisten Schweizer Musikschüler der Sparten Jazz und Rock nur ein Wunschtraum. Dennoch lassen sich viele an der einzigen Jazz-, Rock- und Pop-Akademie im Land ausbilden.

Das Winterthurer Institut für aktuelle Musik bietet ein vierjähriges Vollstudium an.

Talentierte Musikerinnen und Musiker können am Winterthurer Institut für aktuelle Musik (WIAM) ihre acht Semester dauernde Ausbildung in der Jazz-Berufsabteilung und der Rock-, Pop-, Blues-Abteilung mit dem Lehrdiplom und dem künstlerischen Diplom abschliessen.

Das Diplom ist vom Schweizerischen Musikpädagogischen Verband (SMPV) anerkannt. Es entspricht also einem Musikhochschulstudium auf Konservatoriums-Niveau.

Darauf ist WIAM-Leiter Albert Landolt stolz. Der studierte klassische Querflötist, der heute im Jazz-Trio "The outernational Three" Saxofon und Querflöte spielt, hat 1982 die Jazzschule St. Gallen gegründet und sie 15 Jahre geleitet. 1997 eröffnete er in Winterthur mit Hilfe seines Freundes Stefan Weder die WIAM.

Einzigartig in der Schweiz

"Wir sind die einzige Jazz-, Rock- und Pop-Akademie im Land" sagt der 54-jährige Schulleiter gegenüber swissinfo. "Da die Grundlage, also der Ursprung in diesen Musikbereichen eigentlich derselbe ist, ist es relativ ein einfaches Unterfangen, diese Sachen unter einen Hut zu bringen."

Die einzelnen Musikstile würden in spezifischen Workshops zum Zuge kommen, so Landolt. "Gewisse Workshops sind eher Rock-, Pop-, Blues-orientiert und andere mehr Jazz-orientiert."

Kleine Überlebenschance als Profi-Musiker

Landolt ist sich bewusst, wie schwierig es in der Schweiz ist, als Profi-Musiker zu überleben. "Nur eine Handvoll Jazzmusiker - oder nicht einmal - kann vom Spielen überleben. Alle anderen Musiker müssen anderen Beschäftigungen nachgehen."

Da der Musiker-Beruf aber sehr vielfältig und die Ausbildung sehr gut sei, könnten die Diplomierten an Musikschulen oder anderen Schulen unterrichten. "Die WIAM-Lehrkräfte sind nicht nur ausgewiesene Berufsmusiker, sondern auch Pädagogen. Und auf die pädagogische Ausbildung legen wir grossen Wert", so Landolt.

Den Einwand, dass heute gerade auch im Bereich Musikschulen und Musikunterricht hart gespart wird, lässt Landolt nicht gelten. Es gebe immer noch relativ viele offene Stellen. Gerade an Musikschulen würden immer wieder Lehrerinnen und Lehrer gesucht. "Die Leute, die wir ausbilden, haben in dieser Beziehung reelle Zukunftschancen."

Andrang bei der Berufsabteilung

70 junge Leute lassen sich derzeit in Winterthur zu Musik-Profis ausbilden. Die Zahl sei in jüngster Zeit stetig gewachsen, erklärt Landolt.

Unter den 70 Studenten in der Berufsabteilung sind allerdings nur wenige Frauen. Jazz und auch Rock und Pop seien halt immer noch eine Männerdomäne, sagt Landolt. "Dabei sind die Frauen doch so musikalisch, ja gefährlich musikalisch", lacht er.

Das WIAM führt auch eine Allgemeine Abteilung mit Instrumental- und Theorieunterricht sowie Workshops für Leute, die sich für moderne Musik interessieren. Laut Landolt stagniert diese Abteilung, in der sich zurzeit 50 Amateur-Schüler unterrichten lassen.

Den Andrang bei der Berufsabteilung erklärt sich Landolt mit dem heute relativ schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. "Es gibt wenig Lehrstellen, überall werden Stellen abgebaut. Da kommen einige Leute auf die Idee, sich musisch auszubilden."

Erstaunlich, bei einem Semestergeld von rund 3700 Franken. Der Preis erscheine hoch, aber das WIAM finanziere sich ausschliesslich über Schulgelder – also keine öffentlichen Subventionen. "Wenn man aber mit anderen privat finanzierten Ausbildungen vergleicht, sind wir eher im unteren Preissegment", sagt Landolt.

Gerne würde er in den Genuss von Subventionen kommen. "Dann könnten wir zum Beispiel höhere Lehrergehälter bezahlen und die Ausbildung günstiger anbieten. Aber im Moment ist das eine relativ aussichtslose Sache."

Optimistische WIAM-Studenten

Der 29-jährige Beat Eckert ist im 5. Semester der Berufsabteilung und spielt E-Gitarre. Nach der kaufmännischen Ausbildung arbeitete er längere Zeit im Beruf, ehe er sich mit 25 Jahren entschied, "richtig Musik zu machen".

Eckert sieht für sich eine Zukunft als Berufsmusiker. "Man kann überleben, man muss halt die Augen offen halten, man muss vieles angehen, also nicht nur Einzelunterricht geben oder nur Konzerte spielen wollen. Man muss aus der Ausbildung alles ausschöpfen", so Eckert zu swissinfo

Der 26-jährige Ivo Bucher ist im letzten Semester der Berufsschule. Sein Hauptinstrument ist E-Bass, Nebeninstrument ist das Klavier. Auch er hat eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen. Aber heute ist für Bucher klar: "Für mich ist Musik das Höchste."

Er kann sich sogar vorstellen, als Rock- oder Jazzmusiker in der Schweiz zu überleben. Wenn man Talent habe und dazu noch viel lerne und fleissig und frech sei, könne man sich auch durchsetzen. "Mit Talent allein und Abwarten geht nichts, man muss dran bleiben, ehrgeizig sein und Gas geben."

Auch Unterricht geben würde Bucher reizen, weil er das zum Teil schon jetzt tue. Zudem lerne er am WIAF pädagogisch sehr viel. "Albert Landolt ist eigentlich der beste Chef, den ich je gehabt habe. Er lässt einem grossen Freiraum, er fördert einem", lobt Bucher den WIAM-Leiter.

Beat Eckert teilt die Meinung seines Kollegen. "Aufgrund der grossen Erfahrung unserer Lehrer bekommen wir extrem viel mit."

Für ihn ist auch die gute Stimmung an der Schule wichtig. "Konkurrenzgefühle kenne man am WIAM nicht. Und er wisse, von was er spreche: "Ich bin Gitarrist, und wir haben viele Gitarristen hier." Allerdings müsse man hart arbeiten. "Ende Semester sind alle relativ müde, die Prüfungen setzen einem zu", sagt Eckert, dessen Gitarristen-Vorbilder im Jazz Pat Metheney und im Rock Steve Morse sind.

Ivo Bucher hat auch seine Lieblingsmusiker, aber grundsätzlich ist für ihn wichtig, ob ihm die Musik gefällt oder nicht. Da brauche man den Namen des Musikers gar nicht zu wissen. "Das nehme ich dann automatisch in mir auf", sagt er gegenüber swissinfo.

Man sollte sich nicht allein auf sein Instrument konzentrieren, erklärt Bucher. "Man muss versuchen, die Musik ganzheitlich zu betrachten." Einen Namen nennt er dennoch: jenen des viel zu früh verstorbenen E-Bass-Virtuosen Jaco Pastorius.

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

Fakten

Allgemeine Abteilung: Jazz, Rock, Pop, Blues (50 Amateur-Schüler)

Berufsabteilung: Lehrdiplom, Fähigkeitsausweise Jazz, Rock, Pop I + II, Berufsschul-Vorbereitung (70 Schüler)

8 Semester Vollstudium. Kosten pro Semester: 3700 Fr.

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In Kürze

Das 1997 vom studierten Querflötisten und Jazz-Saxofonisten Albert Landolt gegründete Winterthurer Institut für aktuelle Musik (WIAM) bietet talentierten Musikerinnen und Musikern ein 8 Semester dauerndes Vollstudium in der Jazz-Berufsabteilung und der Rock-, Pop-, Blues-Abteilung auf Konservatoriums-Niveau an.

Das Studium wird mit dem Lehrdiplom und dem künstlerischen Diplom abgeschlossen. Es ist vom Schweizerischen Musikpädagogischen Verband anerkannt.

In der Allgemeinen Abteilung werden Leute unterrichtet, welche sich für moderne Musik interessieren.

Ziel des WIAM ist es, Anfängern, Amateur- und Berufsmusikern eine umfassende Ausbildung und Weiterbildung anzubieten. Die Lehrkräfte sind ausgewiesene Berufsmusiker und Pädagogen. Der Unterricht findet in kleinen Klassen oder als Einzelunterricht statt.

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