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Eine Bernerin in New York

(swissinfo.ch)

Seit fast einem halben Jahrhundert pendelt die Schweizer Schauspielerin Linda Geiser zwischen New York und der Schweiz hin und her. swissinfo hat sie in Manhattan besucht.

Geiser, bekannt als Mutter der "Kummerbuben" oder Unternehmersgattin in der TV-Soap "Lüthi & Blanc", fühlt sich hier genauso zu Hause wie in der Schweiz.

1961 kam Linda Geiser zum ersten Mal nach New York. Aus Liebe – und mit jugendlicher Neugier. New York sei ziemlich verlottert gewesen, aber voller Leben. "Die Stadt erinnerte mich etwas an Berlin."

Seit 1962 hat sie einen Wohnsitz in New York und eine Green Card (Aufenthaltsbewilligung). Seither spielt sich ihr Leben auf beiden Seiten des Atlantiks ab.

Linda Geiser beteiligt sich als Auslandschweizerin aktiv an Urnengängen in der alten Heimat. Um einen US-Pass hat sie sich nie beworben.

Die mehr als 70 Jahre gibt man ihr nicht. Sie strahlt Lebensmut und Energie aus. Dazu kommt ein Sinn für Humor, vielleicht hat sie auch das so jung erhalten.

"Chömet nume ufe" (kommen Sie nur herauf), tönt es in breitem Berndeutsch durchs Treppenhaus. "Ich muss immer aufpassen, dass die Katzen nicht entwischen", empfängt mich die zierlich gebaute Frau und räumt einen Sessel frei. An den Wänden hängen zahlreiche Kunstwerke, auch ihre eigenen. Die Wohnung erinnert an die Bohème der 60er- und 70er-Jahre.

"Das ist John", stellt sie ihren mehr als 20 Jahre jüngeren Partner vor. Sie sind nicht verheiratet, aber seit 27 Jahren ein Paar.

Manhattan-Skyline und Zytglogge-Turm

"Ich bin eine Schweizerin in New York", sagt Linda Geiser auf die Frage, als was sie sich denn fühle. Der Zytglogge-Turm und das Münster in Bern gehören ebenso zu ihrem Leben wie die Skyline von Manhattan.

Nachdem sie in New York ihre Englischkenntnisse vertieft hatte, spielte sie auch hier Theater, zog mit Ensembles durch das Land – und spielte daneben auch immer in der Schweiz.

Um sich über die Runden zu bringen, machte sie auch Schmuck und anderes Kunsthandwerk, malte und schrieb. "Wie so viele andere in New York damals und heute noch."

Man merkt im Gespräch sofort, wie sie diese sich stetig wandelnde Metropole liebt.

"Kummerbuben" und Schnyder-Filme

Geiser gehört seit Jahrzehnten zur Schauspielszene der Schweiz. Als Unternehmersgattin Johanna Blanc aus der TV-Soap "Lüthi & Blanc" wurde sie in den letzten Jahren in der Schweiz einer neuen Generation zum Begriff.

Ältere mögen sich an Geiser als Mutter der "Kummerbuben" oder an ihre Rollen in Filmen von Franz Schnyder erinnern, etwa als Lisi in "Annebäbi Jowäger".

Reich, sagt sie, sei sie nie geworden. Und auch den Durchbruch als Schauspielerin in den USA gab es nicht. "Irgendwie", sagt sie und lacht dabei, "hatte ich anderes im Kopf, als ich damals jung war und vielleicht in Hollywood hätte Karriere machen können."

Etwas Ruhe nach "Lüthi & Blanc"

Geiser hat eine kleine Rente. Das Einkommen von "Lüthi & Blanc" steckte sie praktisch ganz in die Renovation ihres sechsstöckigen Hauses. Ihre Wohnung ist die letzte, die noch nicht renoviert wurde.

"Auch deshalb hätte ich gerne noch eine oder zwei Saisons bei 'Lüthi & Blanc' weitergespielt", einer TV-Serie, die 2007 ausläuft. Andererseits sei sie froh, ein bisschen leiser treten zu können. "Für die nächste Zeit stehen keine grossen Projekte an."

Wenn sie in der Schweiz ist, lebt sie jetzt bei ihrer Schwester in Bern, während der "Lüthi & Blanc"-Jahre hatte sie ihre Schweizer Bleibe bei einer Freundin in Zürich.

40 Jahre im East Village

1963 zog Linda Geiser in das Haus im East Village, wo sie noch heute lebt. 1979 konnte sie das Haus kaufen.

"Das war ein wahrer Glücksfall, heute könnte ich mir das nie mehr leisten", sagt Geiser unter Hinweis auf die Veränderung, die das Quartier vor allem in den letzten Jahren erlebt hat. Und ärgert sich dabei auch etwas. Zuviel lamentieren will sie aber nicht. "Die Dinge ändern sich eben, das gehört zum Leben."

Als Geiser hier Fuss fasste, war das East Village ziemlich heruntergekommen. Es war ein Quartier der Bohème, der Randständigen.

In den 1980er-Jahren wurde es zum Mekka der globalen Kunstszene, manch eine Karriere nahm hier ihren Anfang.

Heute ist das East Village erneut im Wandel. Überall wird gebaut, es entstehen teure Wohnungen, schicke Boutiquen, trendige Restaurants.

Von günstigen Ateliers können viele Künstlerinnen und Künstler nur noch träumen, es sei denn sie haben eine Beziehung zu Bern oder Zürich und erhalten ein Stipendium für eines der Ateliers im Haus von Linda Geiser.

swissinfo, Rita Emch, New York

KÜNSTLER-ATELIERS

317 East, 5th Street, New York: Diese Adresse und damit das Haus von Linda Geiser, wurde in den letzten 25 Jahren für viele – meist junge – Kunstschaffende aus Bern und der Romandie – zur Anlaufadresse, und für etliche war Linda Geiser auch eine Art Schlummermutter.

Seit 1982 sind in dem mehr als 100 Jahre alten Haus die Künstler-Ateliers von Stadt und Kanton Bern untergebracht. Seit April 2005 befindet sich auch das Zürcher-Atelier hier.

Die Ateliers gehen auf eine Idee von Linda Geiser zurück, die Bern in den 1980er-Jahren zum Einrichten dieser Institution bewegen konnte. Mittlerweile kamen 91 Kunstschaffende in den Genuss eines Stipendien-Aufenthaltes.

Linda Geiser wirkte auch aktiv am Aufbau des Swiss Institute mit, das sich mit der Repräsentation von Schweizer Kunst und deren Austausch mit der globalen Kunst-Szene befasst.

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