Eine Trikolore für Kosovo?

Strassenhändler im Zentrum von Prishtina beim Denkmal Skanderbegs, dem Nationalhelden der Albaner. swissinfo.ch

Die serbische Provinz und vor allem die Hauptstadt Prishtina putzen sich heraus für die Unabhängigkeits-Erklärung, die für den 17. Februar erwartet wird.

Dieser Inhalt wurde am 11. Februar 2008 - 11:30 publiziert

Zu den letzten Vorbereitungen gehört auch die Wahl einer kosovarischen Staatsflagge. Auch aus der Schweiz wurden Vorschläge eingereicht.

"Das mache ich für die Unabhängigkeit", ruft der Fensterputzer im blauen Overall vergnügt über den Zaun, während er mit kräftigen Zügen die Glasfassade des Kosovo-Parlaments in Prishtina reinigt.

An der neuen Fussgängerzone am Mutter-Theresa-Boulevard, die dem Stadtzentrum endlich so etwas wie Charme verleiht, montieren Arbeiter die letzten Strassenlampen.

Die Stimmung in der Stadt ist aufgeräumt, aber ruhig. In Prishtina sind sich alle sicher: Jetzt ist die Unabhängigkeit des Kosovo zum Greifen nah.

Auch der einflussreiche kosovarische Vizepremier Hajredin Kuci bestätigte gegenüber swissinfo: "Ja, Kosovo ist bereit. Wir warten jetzt auf das Signal der internationalen Gemeinschaft".

Wie alle anderen Entscheidungsträger will Kuci keine Angaben zum genauen Datum der Unabhängigkeitserklärung machen. Er sagte nur: "Wir sind am Vorabend der Unabhängigkeit. In etwa kennen die Regierungsmitglieder das Datum".

Breite Abstützung

In den Kneipen und Bars Prishtinas, aber auch in den so genannt "gut informierten Kreisen", scheint sich als Favorit immer klarer der Sonntag, 17. Februar, durchzusetzen.

Auch Fadil Hysaj wartet gespannt auf die Unabhängigkeitserklärung, bei der zum ersten Mal die Flagge des Staates Kosovo gehisst werden wird. Vor wenigen Tagen übergab Hysaj dem Parlament je drei Vorschläge für eine Flagge und ein Wappen, die eine zwölfköpfige Jury unter seiner Leitung ausgewählt hatte.

Nebst sämtlichen im Parlament sitzenden Parteien waren Künstler, Repräsentanten der Zivilgesellschaft und alle im Kosovo lebenden Volksgruppen in der Jury vertreten. "Auch ein serbisches Mitglied war dabei und hat aktiv mitgearbeitet", erklärte Hysaj gegenüber swissinfo.

Kein Adler

Gemäss dem im Uno-Sicherheitsrat gescheiterten Ahtisaari-Plan, den die kosovarische Regierung trotzdem als Grundlage für den Aufbau des neuen Staates verwendet, gibt es Regeln für die Staatssymbole Kosovos.

So darf die Flagge nicht ausschliesslich aus den Farben Rot-Schwarz bestehen wie jene Albaniens, aber auch nicht nur aus den Farben Rot-Blau-Weiss wie die Serbiens.

Zudem sind keine Adler zugelassen, weil diese sowohl das albanische wie auch das serbische Banner zieren. Mitte letzten Jahres war die Öffentlichkeit aufgefordert worden, Ideen für die Flagge und das Wappen auszuarbeiten.

Ideen aus der Schweiz

Insgesamt gaben 997 Personen 2536 Flaggen- und 727 Wappenvorschläge ab. Auch 92 Interessierte von ausserhalb des Kosovo reichten ihre Ideen ein, darunter 14 aus der Schweiz und 13 aus Deutschland.

Nach Angaben von Fadil Hysaj wurden für die Flagge am häufigsten drei Farben kombiniert, meist Rot-Schwarz plus eine dritte Farbe – blau oder weiss. In zahlreichen Vorschlägen seien auch die Umrisse des Kosovo zu sehen, umgeben von Europa-Symbolen wie zum Beispiel gelben Sternen auf blauem Grund.

Nun ist es am Parlament, aus den Vorschlägen mit Zwei-Drittel-Mehrheit die künftigen Staatssymbole auszuwählen. Vizepremier Hajredin Kuci, Vorsitzender der Kommission zur Auswahl der Staatssymbole, geht davon aus, dass das Parlament die Flagge in derselben Sitzung bestimmt, in der es auch die Unabhängigkeit Kosovos ausrufen wird: "Alles wird rechtzeitig bereit sein."

Trikolore?

Dies ist für Fadil Hysaj, der eigentlich Regisseur ist, von entscheidender Bedeutung: "Eine Unabhängigkeitserklärung ohne Flagge wäre wie ein Schauspieler, der bei der Premiere ohne Kostüm auftritt."

Haxhi Zylfi Merxha, Präsident und Abgeordneter der Vereinigten Roma-Partei des Kosovo, ist als Minderheitenvertreter mit dem Prozedere zufrieden. Er ist davon überzeugt, dass Kosovo bald eine Trikolore bekommen wird.

Doch Fadil Hysaj ist sich bewusst, dass es für die neue Staatsflagge von Kosovo nicht einfach sein wird, sich gegenüber der nationalen Flagge der Albaner, dem schwarzen Doppelkopf-Adler auf rotem Grund, durchzusetzen.

Neue Hymne?

"Es ist das Symbol, mit dem unzählige Menschen hier für die Unabhängigkeit gekämpft haben, gestorben sind, Opfer gebracht haben." Er erwarte vorläufig keine grossen Emotionen für die neuen Staatssymbole. "Aber ich hoffe, dass diese langsam entstehen ", so Hysaj.

Einen Wettbewerb für die Hymne des unabhängigen Staates Kosovo ist bislang nicht ausgeschrieben worden. Für Hajredin Kuci kein Problem: "Am Unabhängigkeitstag und in der ersten Zeit danach nutzen wir zunächst die Europa-Hymne. Sie ist für jedermann akzeptabel. Dann werden wir eine eigene Hymne finden."

swissinfo, Norbert Rütsche, Prishtina

Kosovaren in der Schweiz

Nach Angaben des Schweizer Verbindungsbüros in Prishtina leben derzeit etwas mehr als 171'000 Kosovarinnen und Kosovaren in der Schweiz.

38'400 von ihnen sind Schweizer Bürger, 102'062 verfügen über eine zeitlich unbeschränkte Niederlassungsbewilligung C. Weitere 25'104 Personen sind im Besitz einer Aufenthaltsbewilligung B.

4813 Personen aus dem Kosovo sind in der Schweiz vorläufig aufgenommen, 999 stehen derzeit im Asylverfahren und 415 befinden sich im Rückkehr-Prozess.

Seit dem Ende des Kosovo-Krieges im Sommer 1999 sind über 41'000 Menschen, die vor den Kämpfen in die Schweiz geflüchtet waren, freiwillig ins Kosovo zurückgekehrt. Dabei wurden sie im Rahmen von Rückkehrhilfe-Programmen des Bundes unterstützt.

Das Bundesamt für Migration (BfM) hat von 1996 bis 2006 die Rückkehr ins Kosovo mit 80 Mio. Franken gefördert.

Im selben Zeitraum hat das BfM im Kosovo selbst für 106 Mio. Franken Projekte finanziert, die über die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) umgesetzt wurden.

End of insertion

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Webseite importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@swissinfo.ch

Diesen Artikel teilen