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Eishockey-Fest im Fussball-Tempel

Eishockey auf Fussball-"Rasen": SCL Tigers gegen SC Bern im Stade de Suisse.

(Keystone)

In Bern hat am Sonntag das europaweit grösste Eishockey-Event der letzten Jahrzehnte stattgefunden. 30'000 Zuschauer verfolgten das 100. Derby zwischen Langnau und Bern im Stade de Suisse.

Trotz der Niederlage auf dem Eis können die Langnauer zufrieden sein. Denn sie haben den Anlass organisiert, der ihnen eine halbe Million Franken in die Taschen spielt.

Noch vor einem Monat erschien die Idee bizarr und etwas gar ehrgeizig. Doch letzten Sonntag wurde daraus ein Ereignis, das Eingang in die Jahrbücher des Schweizer Sports findet.

Zwar verlor die Langnauer Eishockey-Mannschaft erwartungsgemäss gegen ihre Rivalen aus Bern 5 zu 2.

Doch gewonnen haben die "Tigers" aus dem Emmental ihre Wette – nämlich über 30'000 Zuschauerinnen und Zuschauer zu mobilisieren, um die 100. Austragung des "Tatze-Derbys", das heisst des Wettkampfs zwischen den beiden Berner Traditionsclubs Langnau (SCL) und Bern (SCB) als tolles Hockey-Fest zu feiern.

Wichtig war das Dabeisein

"Da durfte man nicht fehlen", sagte Zuschauer Martin gegenüber swissinfo. Er kam aus dem Jura nach Bern, nicht so sehr wegen dem Match an sich, sondern auf Grund der Einzigartigkeit des Anlasses.

Es ist das erste Mal in 50 Jahren, dass ein Eishockey-Derby in Europa so viele Leute mobilisiert hat.

Ein Blick ins Innere des Stade de Suisse zeigte eindrücklich: Das Berner Wankdorf hat sich in ein enormes Kunsteis-Stadion transformiert – wobei die Eisfläche rundum umgeben war von viel handfestem Enthusiasmus aus jeder Ecke der Tribünen.

Da störte es weniger, wenn von zahlreichen Plätzen das genaue Verfolgen des schwarzen Pucks nicht möglich war – von so weit oben schien die Eisfläche sehr klein zu sein.

Für viele ist einfach wichtig, dabei gewesen zu sein, bestätigt auch Stefan aus Biel. So wichtig, dass die Eintrittskarten in weniger als zwei Tagen verkauft waren.

Millionen-Ereignis

Die Idee, Eishockey auf den Fussball-Rasen zu übertragen, kam zuerst dem Präsidenten der Langnauer Mannschaft, Hans Grunder. Für ein Mal wollte er seinen kleinen Club im Flutlicht eines grossen Stadions sehen.

Grunder verbirgt nicht, dass hinter dem Wunsch, sein Aschelbrödel in eine Eis-Prinzessin zu verwandeln, auch das Verlangen steht, die Finanzen des Langnauer Clubs etwas aufzupäppeln.

Da die "Tigers" laut Kalender die einladende Mannschaft gewesen sind, hat Langnau Anrecht auf einen Teil der Einnahmen. Diese dürften diesmal dem Hockeyclub rund eine halbe Million Franken einbringen.

Nur schon die 1200 VIP-Billete, die zu 220 Franken verkauft wurden, füllen die Kassen beträchtlich. Die andere Hälfte der Einnahmen geht an den Organisator des Anlasses, die Stade de Suisse – Vorzeigestadion des Schweizer Fussballs.

Das zufriedene Lächeln des Kassiers der Emmentaler dürfte aber dann etwas geschmälert werden, wenn die Stadt Bern ihre Rechnung zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung schickt.

Bereits ist bekannt, dass diese Rechnung für die rund 300 Sicherheits-Personen um die 50'000 Franken betragen werde.

"Dieser Betrag ist höher, als was die Gemeinde Langnau während der ganzen Hockeysaison an Geldern für Sicherheit braucht", bemerkt Grunder bitter.

Viel Sonne – kein Fondue

Um das Ereignis vom Sonntag noch gelungener erscheinen zu lassen, spielte auch das Wetter mit. Der von den Eismachern so gefürchtete Regen war kein Thema, der Himmel leuchtete blau und die für die Jahreszeit sehr hohen Temperaturen sprachen nicht nur das Publikum an, sondern störten auch die Eismacher selbst kaum.

Laut der österreichischen Absorber System Technology, die die gesamte Eisfläche aufgegleist hat, hätte nur eine Temperatur von über 20 Grad das Hockeyspiel gefährden können.

Auch die Spieler schienen zufrieden mit der Qualität des Eispiste. Und der Umstand, draussen spielen zu können, wurde von ihnen sehr geschätzt.

"Wirklich aussergewöhnlich", sagte mit etwas Ironie Sébastien Bordeleau von der Berner Mannschaft. "Im Gegensatz zu anderen Eisstadien in der Schweiz hing diesmal kein Fondue-Geschmack in der Luft..."

swissinfo, Luigi Jorio, Bern
(Übertragung aus dem Italienischen: Alexander Künzle)

Fakten

SCL Tigers Langnau - SC Bern: 2:5.
Zuschauer: 30'076.
Medienleute: 260.
Budget des Anlasses: 500'000 Franken.
Umsatz: Rund eine Million.
Ausgaben für Sicherheit und Ordnung: 50'000 Franken.

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In Kürze

Seit 50 Jahren ist in Europa kein derart gut besuchter Eishockey-Anlass wie letzten Sonntag im Berner "Stade de Suisse" zu Stande gekommen.

1957 fand im Lenin-Stadion in Moskau das Finale der Hockey-Weltmeisterschaften zwischen der Sowjetunion und Schweden statt.

Offiziell zählte man an diesem Anlass 65'000 Zuschauer – doch inoffziell dürften es noch mehr gewesen sein.

Ebenfalls im internationalen Vergleich kam es am 6. Oktober 2001 in den USA zu einem Publikumsrekord, als zwei Mannschaften der Universität Michigan gegeneinander antraten.

Das Spiel fand im American-Football-Stadion "Spartan" statt und zog fast 75'000 Zuschauer an.

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