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Er habe "das Möglichste getan"

Nach 12 Amtsjahren tritt Bernard Bertossa ab.

(Keystone Archive)

Der Genfer Generalstaatsanwalt Bernard Bertossa verlässt Ende Mai seinen Posten. Angetreten mit dem Wahlversprechen, grosse wie kleine Fische zu jagen, tritt der 60-Jährige mit der Gewissheit ab, seine Pflicht erfüllt zu haben.

Er habe sein Programm realisiert "oder das Möglichste getan, um es zu erreichen", sagt Bernard Bertossa im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Seine Entschiedenheit im Kampf gegen die Geldwäscherei hat ihm viel Bewunderung, aber auch einige Feindschaften eingetragen.

Letzteres stört ihn nicht: er nährt daraus sogar einen gewissen Stolz. "Früher warf man der Justiz vor, nur kleine Fische zu jagen; heute hält man ihr vor, sich nur um die grossen zu kümmern." Bertossa verwehrt sich aber gegen den Vorwurf, sich nur für die grossen internationalen Dossiers interessiert zu haben.

"Ich habe die lokale Kriminalität nicht vernachlässigt", unterstreicht Bertossa und führt zum Beweis seine Bemühungen im Kampf gegen Sexualdelikte an.

Schlagzeilen wegen Borodin

Den Ruf, die Alltags-Justiz da und dort hintangestellt zu haben, verdankt Bertossa seiner hartnäckigen Jagd nach Wirtschaftskriminellen. Dabei schreckte er nicht davor zurück, ausländische Notabeln ins Visier zu nehmen, zum Beispiel ex-Kreml- Verwalter Pawel Borodin, was ihm mitunter fette Schlagzeilen eintrug.

Eine Mediatisierung, die Bertossa gar nicht so missfiel. "Es war wichtig, dass man ausserhalb Genfs unsere Entschlossenheit zur Kenntnis nahm, gegen diese Art von Verbrechen vorzugehen." Die Lektion lohnte sich in Bertossas Augen auch, wenn der Angeschuldigte freigesprochen oder, wie im Fall Sergei Michailows, grosszügig finanziell entschädigt wird.

Von einem Scheitern im Fall Michailow will Bertossa nichts wissen. Der Prozess gegen den Russen, welcher der Zugehörigkeit zur Moskauer Mafia verdächtigt war, habe einen vorbeugenden Effekt gehabt. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seien die Russen «sozusagen im Gänsemarsch» nach Genf gekommen, "und nicht alle waren Chorknaben."

Weg vom Kantönligeist

Innerhalb eines Jahrzehntes habe die Schweiz grosse Fortschritte im Kampf gegen Wirtschaftsdelikte erzielt, auch wenn die Erarbeitung der entsprechenden Gesetzgebung manchmal Probleme bereitet habe. Bleibt die Frage der Rechtshilfe, wo angesichts der Globalisierung der Kriminalität "unannehmbare Bremsmassnahmen" bestünden.

Mit Wohlwollen beobachtet der abtretende Genfer Staatsanwalt die Neuordnung der schweizerischen Justizorganisation, die der Eidgenossenschaft mehr Kompetenzen einräumt und der unterschiedlichen kantonalen Handhabung von Wirtschaftskriminalität ein Ende bereitet.

Die Schweiz und ihr Finanzplatz hätten das Nötige getan, um nicht das Bild "eines Tresors für schmutziges Geld" zu pflegen. Andere Länder schienen es jedoch nicht eilig zu haben, dem Beispiel zu folgen. Innerhalb von Europa bleibe etwa London "eine undurchsichtige Zone", bedauert Bertossa.

Rückzug und neue Aufgaben

Noch keine konkreten Pläne hat der Staatsanwalt für seine Zukunft. Es zieht ihn nicht zu höheren Weihen nach dem Vorbild Carla del Pontes, die vom Sessel der Schweizer Bundesanwältin an das UNO-Kriegsverbrechertribunal nach Den Haag wechselte.

"Mich motiviert eher, in Bereichen zu intervenieren, die ich gut kenne." Bevor er sich aber neue Verantwortlichkeiten auflädt, will er in Ruhe seine heutige Aufgabe zu Ende führen und dann Abstand gewinnen, "die Maschine ruhen lassen", wie er sagt. Auf jeden Fall möchte er in einer neuen Funktion "weniger ausgestellt sein".

swissinfo und Marc Furrer und André Koller (sda)

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