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TOKIO (awp international) - Der Kampf um das Atomkraftwerk Fukushima Eins hält die Welt in Atem: Jetzt droht in drei Reaktoren eine Kernschmelze, wie Regierungssprecher Yukio Edano am Montag der Nachrichtenagentur Kyodo sagte. Im Reaktorblock 2 könnte die Kernschmelze bereits begonnen haben, sagte die Betreibergesellschaft Tepco. Die Radioaktivität rund um den Reaktor sei bereits erhöht. Zuvor hatte es um 11.00 Uhr Ortszeit (03.00 Uhr MEZ) eine zweite Wasserstoffexplosion gegeben - diesmal war Reaktorblock 3 betroffen. Sieben Arbeiter wurden verletzt und fünf verstrahlt, wie Kyodo berichtete.
Am Vormittag deutscher Zeit brach dann die Kühlung in Reaktor 2 zusammen - zwischenzeitlich standen die Brennstäbe komplett auf dem Trockenen. Daraufhin leiteten Techniker der Betreiberfirma Tepco wieder Meerwasser in die Kammern mit den vier Meter hohen Brennstäben. Zuletzt wurde ein Wasserstand von zwei Metern gemeldet - damit ragten die Brennstäbe weiter aus dem Wasser.
Mit einer Kernschmelze steigt die Gefahr, dass der Druckbehälter beschädigt und hochgradig radioaktives Material aus dem Reaktor-Inneren freigesetzt wird. Deshalb sei es ausserordentlich wichtig, die Brennstäbe möglichst schnell wieder abzukühlen, betonte Sven Dokter von der Deutschen Gesellschaft für Reaktorsicherheit im dpa-Gespräch. Bei einer vollständigen Kernschmelze mit extrem hohen Temperaturen und hohem Druck sei nicht auszuschliessen, dass sich die heisse Masse durch den Boden des Druckbehälters fresse. Treffe sie später auf Grundwasser, könnte es zu einer verheerenden Dampfexplosion kommen.
Nach einem heftigen Nachbeben und einer neuen Tsunami-Warnung wurde das Unglücks-Atomkraftwerk in Fukushima am Montag von einer zweiten Wasserstoffexplosion - diesmal in Reaktor 3 - erschüttert. Die Betonhülle des Gebäudes wurde beschädigt. Nach Informationen von Greenpeace enthält der Reaktor 3 das besonders gesundheitsgefährdende Plutonium. Nach Angaben der japanischen Behörden blieb der Reaktor selbst intakt. Am Samstag war es zu einer ähnlichen Explosion in einem Gebäude des Reaktors 1 gekommen.
Die US-Marine setzte den Hilfseinsatz ihrer Schiffe vor der japanischen Küste wegen einer leichten Verstrahlung vorübergehend aus. In der Umgebung, an Hubschraubern und bei ihren Besatzungsmitgliedern sei eine geringe Dosis Radioaktivität festgestellt worden, teilte die US-Marine mit. Der Flugzeugträger "USS Ronald Reagan" und andere Schiffe der Siebten Flotte seien daraufhin an eine andere Stelle beordert worden, um nicht mehr dem Wind aus Richtung des beschädigten Atomkraftwerks Fukushima ausgesetzt zu sein.
Zuvor hatte die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungskreise geschrieben, das Schiff sei durch eine von einem japanischen Atomkraftwerk ausgehende "Wolke" gefahren. Mehrere Crew-Mitglieder hätten binnen einer Stunde eine Monatsdosis Strahlung abbekommen. Dazu erklärte die Marine, die Seeleute auf den Schiffen seien einer geringeren Strahlung ausgesetzt gewesen als einer Monatsdosis. Strahlung war den Angaben zufolge auch bei 17 Mitgliedern von Helikopterbesetzungen nach ihrer Rückkehr von Hilfseinsätzen nahe der schwer getroffenen Stadt Sendai festgestellt worden. Es habe sich aber um eine kleine Dosis gehandelt.
Probleme mit der Kühlung gibt es auch im rund zwölf Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima Zwei. Dort arbeiten Experten an der Wiederherstellung der Kühlung von zwei Reaktoren. Bisher habe man bei keinem der vier Reaktoren Druck abgelassen, teilten die japanischen Behörden der Internationalen Atomenergieorganisation IAEA mit. Zudem versagte im AKW Tokai am Sonntag (MEZ) eine Pumpe für das Kühlsystem. Die Anlage steht nur rund 120 Kilometer nordöstlich von Tokio. Derweil legten die Botschaften mehrerer EU-Staaten ihren Bürgern nahe, Japan zu verlassen.
Die Bundesregierung stellte als Reaktion am Montag die erst im Herbst beschlossenen längeren Laufzeiten infrage. Unklar blieb am Montag zunächst, ob Schwarz-Gelb als Reaktion auf die Atomkatastrophe in Japan seine Beschlüsse zur Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke insgesamt aussetzen will oder nur für einzelne Anlagen. Diese könnten dann wohl sofort abgeschaltet werden. Die Ministerpräsidenten mit Atomstandorten wollen sich an diesem Dienstag mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) treffen.
kat/im/reu/loh/mda/DP/jsl

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