Ernüchterung auf dem Schweizer UMTS-Markt

Milliardenbeträge wird die UMTS-Auktion nicht einbringen - wahrscheinlich. Keystone

In den letzten Tagen ist es deutlich zum Ausdruck gekommen: Die grossen Telekom-Unternehmen wollen nicht mehr Milliarden für die einst heiss umworbenen UMTS-Lizenzen bezahlen. Die SP fordert deshalb die Verschiebung der Schweizer UMTS-Auktion.

Dieser Inhalt wurde am 12. November 2000 - 18:27 publiziert

Vier von neun Bewerbern haben sich kurzfristig aus der Auktion um die Schweizer UMTS-Lizenzen zurückgezogen. Fünf - die Schweizer Firmen Swisscom, Orange, diAx und Sunrise sowie die spanische Telefonica - bleiben noch im Rennen. Milliarden werden diese Unternehmen wohl nicht für die vier Lizenzen Helvetiens bezahlen, die am Montag (13.11.) versteigert werden sollen.

In Deutschland und in Grossbritannien konnten mit dem Verkauf der UMTS-Lizenzen noch Milliarden gemacht werden. Doch schon in Italien und Österreich zeigte sich die Unlust bzw. die mangelnde Kaufkraft der potentiellen Käufer.

Desinteresse am Schweizer Markt

Der Schweizer Markt hat sich als weniger attraktiv entpuppt, als erhofft, obwohl rund die Hälfte der Bevölkerung mittels Handy kommuniziert und für das Jahr 2002, wenn Kommunikation per UMTS europaweit möglich sein soll, in der Schweiz Telefonrechnungen von gut 20 Mrd. Franken erwartet werden.

Gezeigt hat sich auch: Die Telekommunikations-Branche ist eine Branche im Wandel. Konsolidierungen einzelner Unternehmen stehen an der Tagesordnung. Entscheide werden kurzfristig gefällt.

Womöglich haben sich auch bei früheren Auktionen, die den Staatskassen Deutschlands oder Grossbritanniens Milliarden gebracht haben, einige Unternehmer etwas übernommen. Den deutschen Telekommunikations-Anbieter
Mobilcom beispielsweise haben die Kosten für die UMTS-Mobilfunklizenzen sowie Investitionen zur Kundengewinnung erstmals in die roten Zahlen gedrückt.

Kostenspielige UMTS-Technologie

Es geht bei UMTS schliesslich nicht nur um die Erwerbung der Lizenzen. Die Unternehmen müssen auch in Technologie, Inhalt und Kundenbetreuung - kurz in Aufbau und Umsetzung der Breitband-Technologie der dritten Art - investieren.

Die Zukunft wird deshalb weitere Zusammenschlüsse bringen, auch über die Branchengrenzen hinweg. Finanzinstitute, Informationskonzerne und Telekommunikations-Unternehmen werden fusionieren. Partnerschaften werden gebildet. Kooperationsgespräche wird es geben. So denkt zum Beispiel die Deutsche Telekom schon jetzt über einen späteren Eintritt in den Schweizer Mobilfunk-Markt nach.

Volkswirtschaftlich sinnvoll

Dass die Schweizer UMTS-Auktion aller Wahrscheinlichkeit nach nicht die erhofften 2 bis 8 Mrd. Franken bringen wird, schadet der Bundeskasse. Die Staatsschulden werden nicht saniert werden können. Aus volkswirtschaftlicher Sicht sind niedrige Preise jedoch sinnvoll. Die Unternehmen können mehr in das Produkt investieren. Profitieren wird davon nicht zuletzt der Kunde.

Die Auktion soll - sofern keine weitere Veränderungen bekannt gegeben werden - Montagmorgen (13.11.) um neun Uhr beginnen. Sie kann im Internet verfolgt werden.

Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) hat am Sonntag (12.11.) die Verschiebung der Versteigerung gefordert. Die SP wehrt sich dagegen, dass der Staat durch Absprachen vor der Auktion ausgetrickst werde. Ein Ausverkauf der UMTS-Lizenzen zu einem Schleuderpreis liege nicht im Interesse der Staatsfinanzen, der Steuerzahler und der Konsumenten.

Carole Gürtler

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