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Erstbezwinger der Eigernordwand gestorben

Heinrich Harrer beim letzten Treffen mit seinem einstigen Schüler, dem Dalai Lama (Juli 2005). Keystone

Der Österreicher Heinrich Harrer ist im Alter von 93 Jahren gestorben. 1938 hatte er mit drei Gefährten zum ersten Mal die Eigernordwand bezwungen.

Dieser Inhalt wurde am 07. Januar 2006 - 17:28 publiziert

Der Bergsteiger machte sich später aber auch als Forschungsreisender, Geograph und Autor einen Namen. Sein Buch "Sieben Jahre in Tibet" wurde mit Brad Pitt als Harrer verfilmt.

Heinrich Harrer ist am Samstag in Friesach im österreichischen Bundesland Kärnten gestorben, wie seine Familie bekannt gab.

Harrers grosse Stunde hatte am 24. Juli 1938 geschlagen: Mit seinem Freund, dem Wiener Alpinisten Fritz Kasparek, sowie den deutschen Bergsteigern Anderl Heckmair und Ludwig Vörg gelang ihm die erste Besteigung des Eigers durch die gefürchtete Nordwand. Nach zweimaligem Übernachten in der Steilwand erreichte das Quartett den Gipfel des 3970 Meter hohen Berges im Berner Oberland.

Der Eiger mit seiner schroffen Nordwand ist der linke Aussenpfeiler des berühmten Berner Oberländer Dreigestirns Eiger, Mönch und Jungfrau.

Harrer war der letzte "Überlebende" des erfolgreichen Seilschaft, nachdem Andreas Heckmair im Februar 2004 im Alter von 98 Jahren gestorben war. Die beiden Anderen waren schon Jahrzehnte früher ums Leben gekommen.

Der Erfolg hatte in der Vorkriegs-Welt ein riesiges Echo ausgelöst, hatten doch in den Jahren zuvor zahlreiche Bergsteiger ihre Versuche mit dem Leben bezahlt, oft beobachtet von Reportern und Schaulustigen, welche die Dramen mit ihren Ferngläsern von der Kleinen Scheidegg aus verfolgten.

Absoluter Berg-Klassiker

Die 1800 Meter hohe Eigernordwand ist auch heute noch, knapp 70 Jahre später, ihres Schwierigkeitsgrades und ihrer Gefährlichkeit wegen ein absoluter Klassiker des Alpinismus. Und heute wie damals fordert die grimmige Felsarena, in der auch im Sommer eisige Temperaturen herrschen und praktisch ununterbrochen Steine herunter prasseln, ihre Opfer.

Dank der hochprofessionellen Bergrettung sind aber nicht mehr so viele Tote zu beklagen wie in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Wer in der Wand in Not gerät, greift zum Handy und kann darauf zählen, dass Retter sie mit dem Helikopter aus der misslichen Situation befreien.

Auch als Autor erfolgreich

Harrer schilderte das Abenteuer, das ihn mit einem Schlag weltberühmt gemacht hatte, 1958 in seinem Buch "Die weisse Spinne", das zum Klassiker der Bergsteiger-Literatur wurde.

Den Titel entlieh er einer der letzten und der gefährlichsten Schlüsselstellen in der Wand. Die weisse Spinne ist ein Art gefrorener Trichter, durch den ständig herunterfallende Steine und Eisstücke pfeifen, die von den nach oben auslaufenden Beinen der "Spinne" eingefangen werden.

Nazi-Vergangenheit

Auf dem Höhepunkt seiner weltweiten Beachtung wurde Heinrich Harrer unversehens mit dem umstrittensten Kapitel seines Lebensweges konfrontiert. Als der Hollywood-Beau Brad Pitt 1996 in dem Streifen "Sieben Jahre in Tibet" den legendären österreichischen Bergsteiger, Lehrer und Forscher verkörperte, kam die Nazi-Vergangenheit Heinrich Harrers ans Licht.

Der Erstbezwinger der Eiger Nordwand räumte ein, dass er Mitglied der Nazipartei Hitlers (NSDAP) gewesen sei. Auch hatte er zur SA und vor allem zur gefürchteten SS gehört, der Elite-Truppe Hitlers. Harrer konnte jedoch nachweisen, dass er stets passiv geblieben war und nur aus opportunistischen Gründen eingetreten war.

Mitläufer

Die Wiederentdeckung dieser dunklen Vergangenheit tat der Popularität Harrers keinen Abbruch. "Ich habe ein reines Gewissen", hatte der Mann mit dem silbergrauen Haar glaubhaft versichert. Denn überraschend sei er von Adolf Hitler 1938 nach der Rückkehr von der Eiger-Tour empfangen und damit ohne sein Zutun vereinnahmt worden.

Da Harrer schon 1939 zur deutsch-österreichischen Nanga-Parbat-Expedition in Indien aufbrach, entzog er sich endgültig dem System der Nationalsozialisten. In Indien wurde Harrer nach der Rückkehr von den Engländern interniert. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen.

Gewaltige Flucht

Harrer und dem Expeditionsleiter gelang die Flucht. Sie erreichten 1946 nach 21 Monaten, 2000 Kilometern zu Fuss und der Bezwingung von 31 Bergpässen Lhasa, die heilige und für Ausländer gesperrte Hauptstadt des damals noch unabhängigen Tibet.

Die beiden mittellosen Flüchtlinge erhielten überraschend eine Anstellung bei der tibetischen Regierung, die bis 1951 dauerte. Ihre technischen Kenntnisse beeindruckten ihre Gastgeber, namentlich den jungen Dalai Lama.

Lehrer und Freund des Dalai Lama

Harrer wurde Lehrer und Berater des damals elfjährigen Dalai Lama, des geistlichen und weltlichen Oberhauptes der Tibeter. Nach der Flucht der beiden Männer vor den chinesischen Besatzungstruppen trennten sich ihre Wege. Erst später kamen die beiden wieder zusammen.

Harrers Buch "Sieben Jahre in Tibet" wurde seit seinem Erscheinen 1952 millionenfach verkauft und in vier Dutzend Sprachen übersetzt. Der Extrembergsteiger liess sich weiter von seinem Forscherdrang treiben und absolvierte weit über 20 schwierige Expeditionen, drehte 40 Dokumentarfilme und baute eine riesige Asiatica-Sammlung auf, die er dem Völkerkundemuseum in Zürich schenkte.

swissinfo, Renat Künzi

Fakten

Heinrich Harrer gelang am 24. Juli 1938 mit drei Gefährten die Erstbezwingung der gefürchteten Eigernordwand.
Harrer war Mitglied der Nazipaprtei Hitlers (NSDAP) und liess den Erfolg am Eiger propagandistisch ausschlachten.
"Die weisse Spinne", sein Bericht über das Abenteuer, wurde zu einem Klassiker der Bergsteiger-Literatur.
Die Eigernordwand gehört bis heute zu den schwierigsten Routen des Alpinismus.
Harrer machte sich auch als erfolgreicher Skirennfahrer, Forschungsreisender und Geograph einen Namen.
Sein Buch "Sieben Jahre in Tibet", in dem er seine Zeit als Lehrer und Freund des Dalai Lama schildert, wurde zu einem Bestseller und von Hollywood verfilmt.

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