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Erstklass-Ticket für Schweizer Skilifte

Schweizer Bergbahnen kennen keinen Klassenunterschied.

(swissinfo C Helmle)

Ein Spezialbillett soll es Skifahrern ermöglichen, an der Warteschlange vorbei den Skilift zu besteigen. Schweizer Winterorte würden damit attraktiver, glauben Wissenschaftler.

Bergbahn-Betreiber wehren sich – wegen der Investitionen.

Eines der Hauptprobleme der Schweizer Winterorte sei der Ansturm auf Skilifte und Seilbahnen während den Spitzenzeiten. In der Hochsaison, an Wochenenden oder bei strahlendem Wetter seien die Wartezeiten an den Bahnen zu lang. Dies stellt eine Forschergruppe der Tourismus-Fachhochschule Wallis in einer Studie fest.

Für dieses Problem gebe es aber Lösungen: Beispielsweise ein neues Preissystem, das es zahlungswilligen Gästen erlaubt, gegen einen Zuschlag die langen Warteschlangen zu überholen und direkt zum Lift zu gelangen.

Umstrittenes Erstklass-Ticket

Rund die Hälfte der befragten Skigäste erklärten gemäss Studie, sie seien bereit, für ein solches Spezialticket zehn bis fünfzehn Prozent mehr zu bezahlen.

Andere halten das System jedoch für unfair: "Es wäre nicht recht, wenn gewisse Leute schneller bedient werden. Ich denke, alle sollten das selbe Billett haben", sagte Marlene Arnold, Mutter zweier Kinder und unterwegs nach Gstaad zu einem Skiausflug.

Besonders Junge lehnen die Idee ab:

"Einen Erstklass-Pass könnte ich mir nicht leisten - ich bekomme nur 70 Franken Taschengeld im Monat", sagte der 17-jährige Snowboarder David Wittenbach gegenüber swissinfo.

Die Verfasser der Tourismus-Studie haben noch andere Vorschläge bereit. Die Winterskiorte sollen – nach Vorbild der Billig-Airlines - für Ski-Pässe Preisermässigungen gewähren, wenn früh gebucht wird.

Daneben sollen sie die Preise für Ski-Abonnemente grundsätzlich flexibler gestalten - je nach Wetterprognosen, Schneequalität und Nachfrage.

"Ich persönlich würde kein Discount-Ticket kaufen, denn ich will nur bei schönem Wetter Skifahren, und schönes Wetter kann man nicht im voraus buchen", sagt Ivo Hubmann, Tourismuschef auf der Lauchernalp im Wallis.

Teuer und technisch anspruchsvoll

Die Seilbahn-Gesellschaften, von denen nur gerade ein Drittel profitabel arbeitet, reagieren ebenfalls mit grosser Zurückhaltung auf die Vorschläge der Fachhochschule.

Felix Maurhofer von der Vereinigung Schweizer Seilbahnen gibt allerdings zu, dass die Unternehmen bei der Preisgestaltung flexibler werden müssten.

Fehlendes technisches Know-how und fehlendes Kapital würden jedoch etliche Urlaubsorte daran hindern, ihre Buchungssysteme anzupassen und komplexere online-Systeme einzuführen:

"Um im Voraus buchen zu können, braucht es Systeme, die sowohl Kreditkarten akzeptieren, als auch online-Anfragen. Das sind anspruchsvolle Operationen. Wir brauchen wohl noch zwei, drei Jahre, bis wir ein System wie die Billigfluggesellschaften einführen könnten."

Vieles hänge jedoch vom wirtschaftlichen Druck und vom Wettbewerb unter den Skiorten ab:

"Wenn Österreich oder Frankreich in diese Richtung vorangehen, werden wir wohl nachziehen müssen", sagt Maurhofer.

Freie Pisten für alle

Vergleichbare Ideen sind im Ausland schon umgesetzt worden: In den Cooper Mountains im US-Staat Colorado beispielsweise wurden die Pisten ausschliesslich für Inhaber von Saisonkarten reserviert.

"Es ist denkbar, dass wohlhabende Gäste für einen Erstklass-Pass, für komfortablere Seilbahnen und sogar für VIP-Pisten mehr zahlen würden", sagt Felix Maurhofer. Die Umsetzung eines solchen Modells sei dennoch schwierig.

"Wir haben hier ein anderes Verständnis: Wir gehen davon aus, dass alle Pisten für jedermann und jedefrau offen sind. Die Einführung eines Zweiklassen-Systems wäre ziemlich problematisch."

swissinfo, Isobel Leybold
(Übertragen aus dem Englischen: Katrin Holenstein)

Fakten

In der Schweiz gibt fast 600 Bergbahn-Gesellschaften mit rund 11'000 Angestellten.

Nur ein Drittel von ihnen ist profitabel.

77% der Gesellschaften erwirtschaften weniger als 1 Mio. Franken im Jahr.

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In Kürze

Die Schweizer Skiorte vermögen den Ansturm von Touristen zu Spitzenzeiten kaum zu bewältigen.

Eine Studie der Touismus-Fachhochschule Wallis schlägt deshalb die Einführung von Erstklass-Skipässen vor.

Solche Pässe würden einen privilegierten Zugang zu Skiliften und Bergbahnen ermöglichen.

Wer seinen Skipass früh bucht, soll zudem Preisreduktionen erhalten.

Die Seilbahnbrache reagiert mit Skepsis auf den Vorschlag.

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