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Es leben immer mehr Schweizer auf der Welt



Schweizer haben sich fast überall auf der Welt niedergelassen, auch im äussersten Süden Chiles.

Schweizer haben sich fast überall auf der Welt niedergelassen, auch im äussersten Süden Chiles.

(swissinfo.ch)

Die Angst vor der Weltwirtschaftskrise hat eine in den letzten Jahren beobachtete Tendenz kaum beeinflusst: Die Fünfte Schweiz wächst. Die Zahl der Auslandschweizer nahm im letzten Jahr um 1,3 Prozent auf 685'000 zu.

"Dieser Anstieg ist eine kleine Überraschung", sagt Rudolf Wyder, Direktor der Auslandschweizer-Organisation ASO.

Trotz der Rezession, die Auslandschweizer zur Rückkehr hätte veranlassen oder andere von einer Auswanderung hätte abhalten können, geht das Wachstum weiter.

"Das ist die Folge einer Bewegung, die wir seit einigen Jahren kennen: Eine regelmässige Zunahme um 8000 bis 10'000 Personen pro Jahr."

Eigentlich liegt der letztjährige Anstieg eher am unteren Ende der Skala – im Vergleich zu 1,7% im 2006 und sogar 3,6% im Jahr 2007. Die Tendenz aber bleibt gleich.

Allerdings kann nicht eigentlich von zusätzlich 8798 ausgewanderten Schweizerinnen und Schweizern die Rede sein: Berücksichtigt man die Bewegung aus der Schweiz und jene in die Schweiz, bleiben rund 5000 Personen, die das Land in den letzten Jahren verlassen haben.

Dazu kommen die Geburten in den Auslandschweizer-Familien sowie die Erwerbung der Schweizer Staatsbürgerschaft durch Ehepartner.

Trend-Destination Asien

In absoluten Zahlen verzeichnet Europa gemäss den jüngsten Zahlen des Bundesamts für auswärtige Angelegenheiten (EDA) die höchste Zuwachsrate (+4946), gefolgt von Asien (+1790) und Amerika (+1461).

Prozentual betrachtet, ist das Wachstum der Schweizer Bevölkerung in Asien mit 4,7% am stärksten. Schwach ist die Zunahme in Nord- und Südamerika (+0,8%), während das Wachstum in Europa, wo sechs von zehn Auslandschweizern leben, 1,1% beträgt.

Wie Rudolf Wyder mitteilt, ist der Anstieg in Asien nicht neu: "Wenn man sieht, wie sich eine Mehrheit der asiatischen Länder aus der Wirtschaftskrise gezogen hat, ist es angemessen zu sagen, dass sie für ausreisewillige Schweizer attraktiv ist."

In den einzelnen Ländern ist das Wachstum der Schweizer Bevölkerung unterschiedlich. So zogen neu 1508 Schweizer nach Frankreich, 1126 gingen nach Deutschland, 666 nach Kanada, 491 nach Italien und 459 nach Thailand. Japan und Indien jedoch verzeichnen einen Rückgang, was den ASO-Direktor erstaunt. Erklären kann er sich diese Entwicklung nicht.

Massiv Zulauf verzeichnen Libanon (+10,3%) sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (+13,2%). Laut Wyder war die Zunahme in den Emiraten im letzten Jahr noch detulich stärker. "Es ist offenbar verlockend, sich dort niederzulassen, denn es handelt sich wahrscheinlich um eine Wanderbewegung".

Klare Veränderungen

Wer die Tabellen des EDA liest, staunt. Die Zunahme der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland ist namentlich auf die doppelten Staatsbürgerschaften zurückzuführen, die satte 72% ausmachen. Eine bereits lange Zeit existierende Tendenz, die ins Gewicht fällt und nichts mit der aktuellen Auswanderung zu tun hat.

"Ihr Anteil steigt, weil Bürger anderer Länder durch Heirat Schweizer werden oder durch Geburten in jenen Ländern, in denen Neugeborene Doppelbürger werden", erklärt Wyder.

2009 hat die Zahl der Personen mit zwei Nationalitäten in vielen Ländern zugenommen, während jene der Schweizerinnen und Schweizer abnahm. Dies besonders in Spanien, Italien, Irland, Mali, Singapur, den USA und Libyen.

Dahinter politische Gründe zu vermuten, ist laut dem ASO-Direktor aber reine Spekulation. "Ich glaube nicht, dass die Migrationsbewegungen derart rasch der Aktualität folgen. Der Entscheid, sich im Ausland niederzulassen, fällt häufig schon viel früher."

Fehlende Zahlen

Bekannt sei eben auch nur die Gesamtzahl der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland, nicht aber die Bewegungen hinter dieser Zahl, so Wyder. "Die Schweiz hat eine sehr ausgefeilte Ausländerstatistik, aber keine für die Schweizer. Wir haben das dem Bund bereits mehrfach mitgeteilt, ohne Resultate."

Warum diese Vernachlässigung? Rudolf Wyder trifft den Nagel auf den Kopf: "Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer machen niemandem Angst, aber viele Schweizer haben Angst vor Ausländern." Mit anderen Worten: Die Ausländer sind ein politisches Thema, die Schweizer Auslandsgemeinde weniger.

Auf Partnersuche?

Unter den Zahlen des EDA lässt eine aufhorchen: Thailand registriert unter allen Ländern einen der stärksten Anstiege von Schweizern, grösstenteils sind es Männer. Ähnlich wie auf den Philippinen, dem anderen Paradies für Einsame.

"Viele Europäer siedeln sich in Thailand an, wo sie mit ihrer Rente ein besseres Leben führen können", erklärt Wyder. "Weil es häufig Männer sind, wie die Zahlen zeigen, kann es sein, dass diese vielleicht eine Freundin gefunden haben."

Politische Rechte ausüben

Argentinien ist auch eine nähere Betrachtung wert: Dieses südamerikanische Land hat mit 91,2% die höchste Anzahl von Schweizer Doppelbürgerinnen und -bürgern. Typisch für ein traditionelles Auswanderungsland fühlen sich dort die Schweizer der zweiten oder dritten Generation wenig berührt vom politischen Leben in der Schweiz.

Das erklärt auch die tiefe Zahl jener Personen, die sich in die Wahl- und Abstimmungsregister einer Schweizer Gemeinde eingetragen haben, um ihre politischen Rechte wahrzunehmen.

Auf der andern Seite der grossen Schweizer Auswanderergeschichte zieht Asien immer mehr Menschen an. Und wie in Europa nehmen dort mehr als ein Viertel der Ausgewanderten ihre politischen Rechte in der Schweiz wahr.

Ende 2009 waren 130'000 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland eingeschrieben, um wählen und abstimmen oder sich selber wählen lassen zu können. "Das ist ein neuer Rekord", betont Wyder. "Diese Zahl ist stärker gestiegen, als jene der Ausgewanderten. Die politische Mobilisierung der Auslandsgemeinde geht weiter."

Pierre-François Besson, swissinfo.ch
(Übertragen aus dem Französischen: Gaby Ochsenbein und Christian Raaflaub)

Zahlen

Ende Dezember 2009 lebten 684'974 Schweizerinnen und Schweizer im Ausland.

Letztes Jahr nahm ihre Anzahl um 8798 Personen zu, das entspricht 1,3%.

Seit 2000 ist die Fünfte Schweiz um 15% gewachsen.

Sechs von zehn Auslandschweizern, insgesamt 409'849 Personen, leben in der Europäischen Union (EU).

179'106 leben in Frankreich, 76'565 in Deutschland, 48'638 in Italien, 28'861 in Grossbritannien und 23'802 en Spanien.

Im Rest der Welt lebt die grösste Gemeinde in den USA (74'966), gefolgt von Kanada (38'866), Australien (22'757), Argentinien (15'624), Brasilien (14'653), Israel (14'251) und Südafrika (9035).

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