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Eskalation am Mont-Blanc

Mehr als 5000 Umweltschützerinnen und Umweltschützer blockierten den Mont-Blanc-Tunnel.

(Keystone)

Proteste nach der Freigabe des Mont- Blanc-Tunnels für den Schwerverkehr: Mehrere tausend Personen haben am Dienstag die Tunneleinfahrten blockiert.

Die Mehrzahl der Demonstrierenden versammelte sich auf der französischen Seite. Laut Polizeiangaben nahmen insgesamt mehr als 2000 Personen teil, nach Angaben der Veranstalter waren es mehr als 5000.

Nur Stunden nach der offiziellen Wiederöffnung für den gesamten Schwerverkehr war die Zufahrt zum Tunnel nicht mehr möglich. Nach Angaben der Veranstalter von Dienstag Nacht wurde die Blockade kurz vor Mitternacht beendet.

Auf den Plakaten der Umweltschützer und Verkehrsgegner war zu lesen gewesen: "Chamonix, Hauptstadt des Alpinismus, nicht der Lastwagen" oder unter Anspielung auf den Namen Montblanc: "Nein zu Lastwagen, nein zum schwarzen Berg".

Ziviler Widerstand

Aufgerufen zu den Protest-Kundegebungen gegen die Wiederaufnahme des Schwerlaster-Verkehrs hatten die Anhänger der Schutzvereinigung für die Mont-Blanc-Region (ARSMB) und verschiedene Umweltorganisationen sowie das Regionale Zentrum für Verkehrsinformation und -koordination (CRICR).

Dieses meldete bereits am Morgen, dass die Durchfahrt durch den Mont-Blanc auch für Personenwagen unmöglich sei. Die Verkehrsaufsicht empfahl angesichts der Blockaden allen Autofahrern, den weiter südlich gelegenen Fréjus-Tunnel anzusteuern.

Auf die Schiene...

Die Demonstranten in Chamonix, am Fusse des Mont-Blanc-Tunnels, forderten mit Slogans und Transparenten, den Schwerlastverkehr auf die Schiene zu verlegen. Auch eine Gruppe von Schweizern unter Führung von Alain Vaissade von der Genfer Stadtregierung und dem Genfer Nationalrat und Ko-Präsidenten der Grünen, Patrice Mugny, beteiligte sich an den Protestaktionen.

Es sei positiv, dass die Opposition an Kraft gewonnen und sich bis nach Italien ausgebreitet habe, sage Mugny gegenüber swissinfo. "Das ist gut für die Zukunft". Keine Lastwagen von mehr als 40 Tonnen, dies sei eines der Ziele der Oppositon.

Auch fordert Mugny eine zweite Bahnlinie zwischen Martigny und dem Aostatal. Und weiter: "In der Schweiz werden wir die Avanti-Initiative bekämpfen, welche einen zweiten Strassentunnel durch den Gotthard fordert und uns gegen eventuelle Reduktionen des SBB-Budgets wehren."

... und auf's Meer

Der italienische Grünen-Politiker Paolo Cento nannte die Blockade-Aktion einen Akt des "zivilen Widerstands". Der neuen französische Verkehrsminister Gilles de Robien will verstärkt dafür sorgen, Güterverkehr auf die Schiene und aufs Meer zu verlegen.

Der Güterverkehr mit Frachtschiffen über das Mittelmeer müsse ausgebaut werden, sagte de Robien der Zeitung "La Tribune". Daneben wolle er auch den Bau der geplanten neuen Eisenbahnverbindung zwischen Lyon und Turin vorantreiben.

Die Regierungen in Rom und Paris hatten vor einem Jahr vereinbart, dafür einen 52 Kilometer langen Bahntunnel zu bauen. Das Elf-Milliarden-Euro-Projekt kann jedoch frühestens in zehn Jahren fertig gestellt werden.

Weniger Atemwegs-Erkrankungen

"Die Durchfahrt der Schwerlastwagen ist nicht mit dem Tourismus- Geschäft und unserer Gesundheit vereinbar", sagte eine Umweltschützerin auf der italienischen Seite des Tunnels. Während der Sperrung seien die Atemwegs-Erkrankungen in der Region um ein Drittel zurückgegangen.

Seit Montag offen

Nach dem verheerenden Brand vom 24.März 1999, welcher 39 Menschenleben gefordert hatte, war der Tunnel drei Jahre lang gesperrt gewesen. Er wurde für 300 Mio. Franken saniert. Dann wurde die Nord-Südtangente etappenweise wieder eröffnet - zuerst nur für Personenautos, später für auch Lastwagen mit einer Fracht von unter 19 Tonnen.

Am Montag schliesslich wurde die 11,6 Kilometer lange Alpenverbindung zwischen Frankreich und Italien für den gesamten Schwerlastverkehr freigegeben. Die Geschwindigkeit ist auf 70 Stundekilometer beschränkt. Lastwagen werden wie am Gotthard in einem alternierenden Verfahren durch den Tunnel geführt.

swissinfo und Agenturen

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