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EURO-KRISE/Finnland fordert Garantien von Irland (AF)

Dieser Inhalt wurde am 16. November 2010 - 10:57 publiziert

(Mit weiteren Angaben)
BERLIN (awp international) - Finnland will eine mögliche Unterstützung des finanziell angeschlagenen Euro-Mitglieds Irland durch Milliarden- Hilfen der EU an Bedingungen knüpfen. Finnlands Finanzminister Jyrki Katainen sagte der Tageszeitung "Die Welt" (Dienstag): "Wenn Irland finanzielle Unterstützung braucht, dann wird Finnland von der irischen Regierung Garantien einfordern." Diese Garantien seien nötig, um klar zu machen, dass Irland allein für seine Schulden verantwortlich ist.
Bisher ist dieser Ernstfall reine Theorie. Irland hatte zwar bestätigt, Gespräche auf internationaler Ebene über die "gegenwärtige Marktsituation" zu führen. Die Iren betonten aber mehrfach, dass sie keinerlei Antrag auf externe Hilfe stellen würden und ihr Bedarf an Krediten bis zum Sommer nächsten Jahres gedeckt sei. Auch die EU- Kommission sieht bisher keine Notlage.
Die Finanzminister des Eurogebiets beraten am Nachmittag in Brüssel über die aktuelle Lage in der europäischen Schuldenkrise. Offiziell wird auf der Tagesordnung Irland als Thema nicht genannt. Diplomaten und Politiker versuchten zuvor, der problematischen Lage ihre Brisanz zu nehmen. "Warum sollte man einem Land Geld geben, das keines braucht?", sagte ein EU-Diplomat zu den anhaltenden Marktspekulationen.
Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (Dienstag) ist jedoch in der Euro-Zone ein heftiger Streit über eine mögliche Kredithilfe für Irland ausgebrochen. So würden sich kleinere Staaten wie Finnland dem angeblichen Drängen der Europäischen Zentralbank (EZB) und grosser Länder wie Deutschland widersetzen, den EU- Hilfsfonds für die Iren rasch zu aktivieren, damit sich die Märkte beruhigen. Der gemeinsame Rettungsfonds sei nur für akute Notfälle gedacht, hiess es laut dem Bericht in finnischen Regierungskreisen. Bevor der Fonds einspringen kann, müssen alle Euro-Länder Ja sagen.
Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker, sagte im "Deutschen Anleger Fernsehen", die Lage in Irland bereite ihm Sorgen. "Die Iren wissen sehr genau, dass es hier nicht nur um Irland geht." Die Stabilität der gesamten Eurozone könne sehr schnell in eine Schieflage geraten. Juncker spielte damit auch auf Auswirkungen der jetzigen Debatte auf weitere Euro-Sorgenkinder wie Portugal an.
Im Frühjahr hatte die EU zusammen mit dem Internationalen Währungsfonds ein Rettungspaket für das ebenfalls hoch verschuldete Griechenland geschnürt, das auch in Anspruch genommen wird. Dem folgte dann ein 750-Milliarden-Euro-Rettungsschirm, der Problemländern im Notfall zur Verfügung steht. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sagte ebenfalls im "Deutschen Anleger Fernsehen": "Wenn es Irland allein schafft, dann sollte es versuchen, es allein zu machen." Wenn es aber nicht anders gehe, müsse das Land auf den Rettungsschirm zurückgreifen./bbi/mi/DP/jha

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