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Euro-Party und Armee-Drama: Das bewegte die Schweiz

Euro 2008: Bern leuchtet im Sommer für zwei Wochen in Oranje.

(Ex-press)

Die Fussball-Europameisterschaft, der grösste Sportanlass, den die Schweiz je sah, war auch gesellschaftlich ein Höhepunkt. Ein Bootsunfall am Rande der EM, der fünf Soldaten das Leben kostete, verwies auf die Sinnkrise der Schweizer Armee.

Von himmelhoch jauchzend bis tief betrübt: Der Schweizer Stimmungsbarometer hat im Jahr 2008 bis an den Anschlag ausgeschlagen, gegen oben wie nach unten.

Der Ausreisser himmelwärts war die Euro 2008. Sportlich wurde sie für das Gastgeberland Schweiz zum Fiasko.

Doch die Fans liessen sich die Party nicht vermiesen und liefen in Scharen zu den Oranjes über.

Die Hunderttausenden von holländischen Fans verwandelten mit tatkräftiger Schweizer Unterstützung erst Bern, danach Basel in ein lärmig-buntes, aber immer friedliches Bierzelt.

An den anderen beiden Austragungsorten Zürich und Genf herrschte ebenfalls Hochstimmung, wenn auch etwas verhaltener.

Tödliche "Teambildung"

Mitten in diesen Trubel platzte die Hiobsbotschaft, dass fünf Soldaten der Schweizer Armee bei einem Bootsunfall auf der Kander ums Leben kamen. Sie hatten einer Einheit angehört, welche an der Euro 2008 Zusatzdienste leistete.

Das Schlauchboot-Abenteuer war vom Kompaniekommandanten als "Teambildung" deklariert, figurierte aber nicht auf dem Tagesbefehl. Als Ursache der Tragödie entpuppten sich schlampige Abklärungen des Vorgesetzten. Er hatte den Flussabschnitt lediglich aufgrund einer Recherche im Internet ausgewählt.

Lokale Riverrafting-Anbieter sagten danach klipp und klar, dass der Fluss im Berner Oberland für Bootsfahrten tabu sei, da zu gefährlich.

Der Vorfall löste eine Debatte über Sinn und Aufgabe der Schweizer Armee aus. Kritiker monierten, dass es nicht Aufgabe der Armee sei, an Grossanlässen Hilfsdienste zu leisten. Sie forderten eine Rückbesinnung auf ihren Verteidigungsauftrag.

Von anderer Seite kam der Vorwurf, die Schweizer Armee sei viel zu gross. Die Folge davon seien Truppen ohne sinnvolle Beschäftigung.

Reizthema Geländewagen

Die Sinnfrage wurde auch im Zusammenhang mit den so genannten Offroadern gestellt.

Die Diskussion über den Klimawandel, 2007 noch DAS Thema, reduzierte sich jetzt praktisch auf Pro oder Kontra der schweren Wagen mit grossem CO2-Ausstoss.

Den Funken zündete ein grüner Jungpolitiker mit seiner Initiative für ein Offroader-Verbot. Das Ansinnen brachte an den Stammtischen die Stumpen und Köpfe zum Rauchen. Und das Schweizer Boulevardblatt füllte mit Bekenntnissen der Cervelat-Prominenz zu ihren Strassenpanzern das Sommerloch.

Über 120'000 Bürger unterschrieben die Initiative. Wann das Volk darüber abstimmt, steht noch nicht fest.

Nicht nur die Geländewagen im Speziellen, sondern der mobile Privatverkehr generell war Thema, als Anfang Sommer die Benzin- und Dieselpreise auf Rekordhöhen schnellten.

Volksinitiative

Die Volksinitiative erlaubt den Bürgerinnen und Bürgern, eine Änderung in der Bundesverfassung vorzuschlagen. Damit sie zu Stande kommt, müssen ...

Vorgeschmack auf Luxus-Fahrten

An der Zapfsäule waren für den Liter Benzin zeitweilig knapp zwei Franken fällig, für Diesel gar über 2.20 Franken. Die aufgerissenen Löcher im Portemonnaie machten manchen Automobilisten erstmals richtig bewusst, dass die Zeiten, in denen Fahrten mit benzin- und dieselgetriebenen Fahrzeugen zum Luxus mutieren, vielleicht näher sind als bisher angenommen.

Mobilität, diesmal in krimineller Form, bewegte ab Herbst (wieder einmal) die Gemüter: Ein von einem Raser ausgelöster Unfall im Kanton Solothurn, bei dem eine unbeteiligte junge Frau starb, sorgte für einen Kanon aus Wut und Empörung.

Raserunfälle: Wann ändern Richter die Praxis?

Die Forderung "Gefängnis und langer Ausweisentzug statt Milde für Raser" findet Akzeptanz wie kaum zuvor.

Der Appell richtet sich in erster Linie an die Richter. Sie plädieren meist immer noch auf fahrlässige statt vorsätzliche Tötung. Letzterer Tatbestand würde nach einer Zuchthausstrafe nicht unter fünf Jahren verlangen.

Auch die Mobilität im Bereich öffentlicher Verkehr beschäftigte die Schweizer Volksseele. Die Zugreisenden namentlich auf Hauptstrecken - etwa zwischen Bern und Zürich - mussten sich an permanent überfüllte Züge gewöhnen. Dazu auch an Verspätungen, weil Wagenmaterial oder Infrastruktur häufiger defekt waren.

Verwandt mit der Mobilität ist das Thema Energie: 2008 brachte das Comeback der Atomkraftwerke. Besser: der Debatte darüber. Auslöser waren die Gesuche dreier Stromkonzerne, welche die auslaufenden AKW in Gösgen, Beznau und Mühleberg in rund 15 Jahren durch neue ersetzen wollen.

Raucher und Kiffer eingebremst

2008 sah die Raucher weiter in der Defensive. Freiburg, Waadt und Wallis schwenkten in die Reihe der rauch-befreiten Kantone ein, was Gaststätten und öffentliche Räume betrifft.

Während die Paffer von Zigaretten, Zigarren und Pfeifen je länger je mehr nur noch eine geduldete Spezies sind, hoffte eine andere Kategorie von Rauchern endlich auf den freien Zug: die Kiffer. Doch der Souverän erteilte Ende November der Legalisierung des Cannabis-Konsums in der Schweiz einmal mehr eine Absage.

Verbot hin oder her: Die Schweizer sind im Kiffen Spitze, besonders der Nachwuchs. Von den 15-Jährigen brachte ein Drittel schon einen Joint zum Glühen, wie eine Umfrage der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und Drogenprobleme (SFA) zeigte. Das sind fast doppelt so viele wie im internationalen Durchschnitt.

swissinfo, Renat Künzi

EURO 08

Die Schweiz und Österreich wurden als Ko-Organisatoren der Fussball-EM automatisch für das Fussball-Ereignis qualifiziert.

Die 31 Spiele wurden in den vier Schweizer Städten Basel, Bern, Genf, Zürich sowie in den vier österreichischen Städten Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien ausgetragen.

Eröffnet wurde die Euro 2008 am 7. Juni in Basel. Der Final fand am 29. Juni in Wien statt.

Die EM-Begegnungen wurden in 170 Ländern im Fernsehen übertragen.

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ARMEEUNFÄLLE

Am 12.11.1997 sterben beim Absturz eines Pilatus-Porters bei Boltigen im Kanton Bern alle 5 Insassen.

Am 25.5.2001 werden beim Absturz eines Alouette-III-Helikopters der Luftwaffe bei Delsberg alle 4 Insassen getötet.

Am 12.10.2001 sterben die 4 Insassen beim Absturz eines Armeehelikopters vom Typ Alouette III oberhalb Crans-Montana im Wallis.

Am 12.7.2007 werden 6 Armeeangehörige beim Aufstieg zum Jungfraugipfel im Berner Oberland von einem Schneebrett in den Tod gerissen.

Am 23.1.2008 stürzt ein Rekrut in Winterthur von einem Armeefahrzeug auf die Autobahn und stirbt.

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