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EUROKRISE/Ex-EZB-Chefvolkswirt Issing warnt v.'Totengräbern eines stabilen Euro'

Dieser Inhalt wurde am 19. Juli 2011 - 09:04 publiziert

FRANKFURT (awp international) - Der frühere Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Otmar Issing, hat eine Umschuldung Griechenlands als Mitglied der Eurozone als "GAU" bezeichnet. "Bleibt Griechenland danach Mitglied in der Währungsunion und kann auf weitere Hilfen sowie Refinanzierung bei der EZB vertrauen, ist das Ende der Währungsunion eingeläutet", sagte Issing in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstagausgabe).
Als einer der Architekten des gemeinsamen Währungsraums kritisierte Issing zudem scharf die Idee, die Schuldenkrise durch die Ausgabe von sogenannten Eurobonds, also gemeinsamen europäischen Anleihen, zu bekämpfen. "Politiker, die mit solchen Massnahmen die Währungsunion retten wollen, werden sich als Totengräber eines stabilen Euro erweisen." Deutschland werde finanzpolitisch an den Folgen dieser Politik ersticken.
Issing sieht die europäische Schuldenkrise aktuell in einer extrem kritischen Phase. "Griechenland wird seine Schulden nicht bedienen können. Simulationen, die etwas anderes zeigen, beruhen auf unrealistischen Annahmen. Ein massiver Schuldenschnitt ist also unvermeidlich." Wenn Griechenland aber nach einer Umschuldung im Euroraum bleiben dürfe, hätte dies fatale Signalwirkung, warnte Issing.
In Griechenland würden so gut wie alle Reformbemühungen eingestellt, so Issing. Das Land erhalte faktisch "einen Freibrief, mit der verhängnisvollen Politik der Vergangenheit fortzufahren." Daraus folge, dass nach einigen Jahren ein weiterer Schuldenschnitt notwendig würde.
Eine weitere Folge wäre "die unvermeidliche Ausbreitung auf andere Mitgliedstaaten" und das wäre "der wirkliche GAU". Nach Einschätzung von Issing ist es dann nicht mehr vorstellbar, dass ein Land wie Irland seinen strikten Reformkurs weiter fortsetzen wird. "Wie soll die Regierung ihren Bürgern erklären, dass weitere harte Einschnitte notwendig sind, wenn es denn so viel leichter geht, indem man sich über die drastische Reduzierung der Schulden der Probleme entledigen kann", sagte Issing weiter.
Wenn die Staatschefs der Eurozone eine Umschuldung ohne Ausschluss aus der Währungsunion zuliessen, sieht Issing schwarz für die Währungsunion. "Dann wird eine Lawine losgetreten. Die Dynamik wird sich nicht mehr aufhalten lassen. Die Einladung, sich von einem grossen Teil der Schulden zu befreien, wird sich für Länder mit hoher Staatsschuld als unwiderstehlich erweisen."/jkr/ajx/tw

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