Europas Juden über zunehmende Gewalt besorgt

17. April 2005: Nazisymbole an der Synagoge in Genf. Keystone

Vertreter jüdischer Gemeinden in Europa beraten in der Schweiz über wachsenden Antisemitismus und die Bedrohung durch Islamismus.

Dieser Inhalt wurde am 26. Mai 2005 - 20:53 publiziert

Thema ist auch die Säkularisierung, die immer mehr Juden von ihrem Glauben abkehren lässt.

Zur Tagung des Europäischen Rats Jüdischer Gemeinden, die am Freitag in Basel beginnt, werden rund 200 Vertreter aus 40 Ländern erwartet.

Aus der Schweiz werden jüdische Spitzenvertreter aus Zürich, Basel und Genf teilnehmen. Anlass der Konferenz sind die zunehmenden antisemitischen Übergriffe in der Schweiz und in Europa.

In diesem Jahr ist es bisher in der Schweiz gleich zu mehreren gravierenden Übergriffen gekommen: Im März wurde ein Brandanschlag auf die jüdische Synagoge in Lugano verübt, im April die Synagoge in Genf mit Hakenkreuzen und Nazi-Slogans beschmiert und einige Wochen später im April der jüdische Friedhof in Vevey/Montreux geschändet.

Antisemitismus

"Wir stellen eine zunehmende Verschärfung des Antisemitimus fest", hält Alfred Donath, Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes (SIG), gegenüber swissinfo fest.

Bisher seien eher latentere Formen, wie beispielsweise der Schmähbrief, bekannt gewesen. "Jetzt haben wir aber mehr und mehr Graffiti an jüdischen Bauten."

Neu ist laut Donath ebenfalls, dass Kinder orthodoxer Juden auf der Strasse angegriffen würden. Es herrschten zwar noch nicht Zustände wie in Frankreich, Belgien oder den Niederlanden, aber die Intensität der Belästigungen habe im Vergleich zu vor ein paar Jahren zugenommen.

Retourkutsche

Der SIG-Präsident erklärt dies unter anderem auch mit den aggressiven Beschuldigungen des Jüdischen Weltkongresses (WJC) zu den nachrichtenlosen Vermögen und den Bergier-Berichten. Darin kamen Schweizer Historiker 2002 zum Schluss, dass die Schweiz in grossem Ausmass mit Hitler-Deutschland kooperierte.

Weiter schüre der anhaltende Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern antisemitische Einstellungen.

Islamischer Extremismus

Donath will in seiner Eröffnungsrede aber auch zwei weitere Gefahren für den jüdischen Glauben thematisieren: Die Säkularisierung und den islamischen Extremismus.

Diese beiden Phänomene würden das Gesicht Europas verändern und die jüdisch-christlichen Werte der Gleichheit, Gerechtigkeit und des Antirassismus bedrohen, ist Donath überzeugt.

Er will deshalb an alle Juden in Europa appellieren, alles zu unternehmen, um diese Werte weiter aufrecht zu erhalten und um gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu kämpfen.

Schweiz kann sich nicht ausnehmen

"Islamische Extremisten benutzen Terror, und die christlichen Werte in Europa zu zerstören", glaubt Donath. Juden hätten mit den moderaten Muslimen keine Probleme; es sei lediglich eine kleine Zahl von Extremisten, welche in den Moscheen Gewalt predige. "Das wird nicht nur in Westeuropa zu einem Problem, sondern auch in der Schweiz."

Das haben auch die Schweizer Behörden erkannt: Ende letzten Jahres kündigte die Regierung an, muslimische Prediger besser integrieren und sie stärker auf die Respektierung der Werte und Regeln des Landes verpflichten zu wollen.

swissinfo, Adam Beaumon
(Übertragung aus dem Englischen: Renat Künzi)

Fakten

Der Europäische Rat jüdischer Gemeinden ist ein Gremium, das sich in erster Linie um Fragen wie Bildung, soziale Wohlfahrt und die Bewahrung des kulturellen Erbes befasst.
Der Rat tagt alle vier Jahre, dieses Jahr zum ersten Mal in der Schweiz.

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