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Europaweite Kampagne gegen Rassismus

Kundgebung gegen rassistische Gewalt in Antwerpen, Belgien, am 26. Mai 2006.

(Keystone)

"Alle anders - alle gleich": So heisst die am 2. Juni gestartete Jugendkampagne des Europarates, an der sich auch die Schweiz beteiligt.

In ganz Europa sollen Jugendliche mit Aktivitäten und Projekten für den Kampf für Menschenrechte und gegen Rassismus gewonnen werden.

Die Kampagne, die bis September 2007 dauert, wird vom Bund und von Schweizer Jugendorganisationen getragen. Der Bund steuert für die Förderung von Projekten zwei MiO. Franken bei.

Die Schweizer Beteiligung an der Europarats-Kampagne hatte der damalige Bundespräsident Samuel Schmid 2005 an einem Treffen der Staats- und Regierungschefs versprochen. Und auch Innenminister Pascal Couchepin bekräftigte diese Absicht vor einigen Monaten.

Bund will nichts diktieren

Der Bund und die Fachstelle Kinder-, Jugend- und Altersfragen des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) wollten nichts diktieren, sagt BSV-Direktor Yves Rossier. Vielmehr müssten die Aktivitäten "von unten her" wachsen.

Die Kampagne, für deren Umsetzung die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) und INFOLINK.CH - Kinder- und Jugendförderung Schweiz verantwortlich sind, soll die Jugendlichen für Themen wie Diskriminierung, Rassismus und Menschenrechte sensibilisieren und zu gemeinsamen Aktivitäten ermuntern, so Rossier.

Geldumlagerung

Bei den zwei Millionen Bundesgeldern für die Kampagne handelt es sich allerdings um bestehende Kredite, die vermehrt für solche Projekte vergeben werden sollen, wie vom BSV bestätigt wird.

Finanzspritzen für Antirassismus-Projekte zum Beispiel, die von der Fachstelle für Rassismusbekämpfung vergeben werden, sollen an Projekte für "Alle anders – alle gleich" gehen. Heisst das, dass diese Gelder auf Kosten anderer Antirassismus-Projekte fliessen? Michele Galizia, Leiter der Fachstelle für Rassismusbekämpfung, verneint dies.

Der Bund habe verschiedene Gefässe zur Unterstützung von Projekten im Bereich Rassismus und Integration. "In diesen anderthalb Jahren der Europarats-Kampagne versuchen wir, diese Gelder gezielt auch für Jugendprojekte einzusetzen", sagt Galizia gegenüber swissinfo.

Es finde also eine Synergie statt zwischen den verschiedenen Subventions-Gefässen des Bundes. Wenn neu eingereichte Projekte im Bereich der Europrats-Kampagne lägen, würden sie bevorzugt behandelt. "Das ist tatsächlich so; es ist aber nicht so, dass irgendeinem bereits bestehenden Projekt deswegen Gelder weggenommen werden", betont Galizia.

Tropfen auf heissen Stein?

Derzeit gibt es fast jeden Tag Meldungen von rassistischen Übergriffen europäischer Jugendlicher auf Menschen ausländischer, meist nicht europäischer Herkunft. Dies vor allem in Deutschland, aber auch in Belgien und anderswo – kein europäisches Land ist vor Rassismus gefeit.

Kommt angesichts dieser brutalen Realität – auch schon mit tödlichen Folgen für die Opfer – die Kampagne "Alle anders – alle gleich" nicht zu spät und ist deshalb wirkungslos? "Nein", sagt Simone Stirnimann von der SAJV gegenüber swissinfo.

"Die Kampagne will ein weiteres Mal auf das Thema aufmerksam machen. Schon 1995 lancierte der Europarat eine solche Kampagne unter dem gleichen Motto. Daraus entstand in der Schweiz die Fachstelle für Rassismusbekämpfung." Dort sei also ein erster Input erfolgt, so Stirnimann.

Man habe dann gemerkt, dass dies allein nicht genüge. "Wir müssen wieder an die Öffentlichkeit treten und auf das Thema Rassismus aufmerksam machen." Sensibilisierung sei wichtig, weil viele Leute, wenn sie auf Rassismus angesprochen werden, sagten: "Ich nicht, ich bin nicht betroffen." Die Kampagne wolle bewirken, dass sich jeder und jede betroffen fühle.

Openair und Footbag-EM

Am 2. Juni wurde die vom Europarat initiierte Kampagne in der Schweiz zeitgleich am "Imagine Festival gegen Rassismus" in Basel und mit der Aktion "Kick Racism" an den Footbag-Europameisterschaften in Lausanne eröffnet.

"Imagine" in Basel ist ein Openair-Festival gegen Rassismus, das von rund 200 Jugendlichen in Eigenverantwortung organisiert wird. Gerechnet wird mit 35'000 Besucherinnen und Besuchern. Nachwuchsbands, die auftreten wollen, müssen einen Antirassismus-Song komponieren, der von einer Jury bewertet wird.

Die Footbag-Europameisterschaften finden zum ersten Mal in der Schweiz statt. Bei diesem Spiel geht es darum, allein oder zu mehreren ein kleines, mit Sand gefülltes Stoffsäckchen ("Häcky-Säck") ohne Hände mit allen Tricks und zu Musik möglichst lang in der Luft zu halten.

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

In Kürze

Der Europarat führt vom Juni 2006 bis September 2007 unter dem Titel "all different – all equal" eine Kampagne für Diversität, Menschenrechte und Partizipation durch, an der die Schweiz teilnimmt.

Die Kampagne soll die Öffentlichkeit, in erster Linie die Jugendlichen, gesamtschweizerisch für die Themen Diskriminierung, Rassismus und Menschenrechte sensibilisieren und zu gemeinsamen Aktivitäten ermuntern.

Die Kampagne wird gemeinsam von INFOKLICK.CH – Kinder- und Jugendförderung Schweiz und der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände (SAJV) umgesetzt. In der Bundesverwaltung ist der Bereich Kinder-, Jugend- und Altersfragen im Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) die zuständige Stelle.

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Fakten

Es finden rund 100 lokale Aktivitäten in der Schweiz zur Kampagne statt, davon mindestens 30 in der Westschweiz und 10 im Tessin.

Jugendorganisationen und -institutionen sollen Fachleute, Materialien und Instrumente zum Thema in ihrem Umfeld mobilisieren.

Die Kampagne wird mit den Aktivitäten des Europarates koordiniert.

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