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Ex-Fussballer Marc Duvillard will in Schweiz zurück "Zimbwabwe - Regenbogennation der klar getrennten Farben"

Er hat in Harare die AYSA, eine Fussballakademie für benachteiligte Kinder und Aids-Waisen, gegründet. Jetzt will der 62-jährige ehemalige Spieler und Trainer von Lugano und Lausanne in sein Heimatland zurückkehren. Marc Duvillard bezeichnet Zimbabwe als Land der Kontraste zwischen ruinöser Wirtschaft und sozialen Fortschritten.



Training der Ü13 der Akademie.

Training der Ü13 der Akademie.

(proxifoot.ch)

 Wir treffen Marc Duvillard in Lugano anlässlich der Generalversammlung der "Freunde von Aysa" (Aces Youth Soccer Academyexterner Link). Im Tessin fühlt sich Marc zuhause. Er hat hier gelebt, als er den FC Lugano trainierte und seine Frau Gaby, eine ehemalige Journalistin von Radiotelevisione Svizzera (RSI), ist Tessinerin.

Zusammen mit ihr wohnt er seit 1995 in Harare. "Als ich meine Rückkehr in die Schweiz plante, dachte ich, ich würde mich in Lugano niederlassen, denn es gab eine offene Stelle im technischen Bereich beim FC. Doch wie so oft im Fussball, ist das schief gegangen. Ich suche jetzt einen neuen Job in der Schweiz, wenn möglich im Bereich der Ausbildung von Jugendlichen. Wenn das klappt, werde ich definitiv in die Schweiz zurückkehren."

Um wieder als Fussball-Trainer zu arbeiten, müsste sich Marc Duvillard weiterbilden. "Es braucht ein neues Diplom, das man nach einem 18 Monate dauernden Kurs in Bern erhält. Ich könnte in dieser Zeit gleichzeitig neue Sponsoren für die AYSA suchen."

Marc und seine Frau haben in Zimbabwe zwei Kinder adoptiert: Den mittlerweile 18-jährigen Jeremiah und seine 15-jährige Schwester Zendelé. Die 2001 gegründete AYSA wird weiterhin benachteiligten Jugendlichen eine Schulbildung garantieren und sie zu Fussballern ausbilden. Die Akademie hat schon mehrere Absolventen an professionelle Fussballclubs vermittelt, vor allem nach Südafrika.

 AYSA

Die Aces Youth Soccer Academy (AYSAexterner Link) wurde 2001 von Marc und Gaby Duvillard mit Unterstützung des Zürcher Rechtsanwalts und Mäzenen Guido Renggli gegründet.

AYSA nimmt Knaben und Mädchen im Alter von 11 bis 18 Jahren auf. Viele unter ihnen haben einen oder beide Elternteile verloren, weil diese an Aids erkrankt waren.

Neben der Erziehung und der Bildung sensibilisiert die AYSA die Schüler für den Kampf gegen Aids.

Die Akademie wird namentlich finanziert von der Stiftung "Little Dreamsexterner Link", die ihren Sitz im waadtländischen Nyon hat und 2001 vom Sänger und Schlagzeuger Phil Collins, seiner Ex-Frau Oriana und der Tessiner Vereinigung "Amici dell'Aysa", gegründet wurde.

Die Vereinigung "Amici dell'Aysa" wird vom Direktor der Radiotelevisione Svizzera (RSI) Maurizio Canetta präsidiert.

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Keine Perspektiven

Wieso plant Marc Duvillard nun seine Rückkehr in die Schweiz? Als wir ihn 2006 interviewten war davon noch nicht die Rede. "Das Abenteuer in Afrika ist wunderbar. Ich habe viel erhalten und viel gegeben. Zimbwabwe bleibt das Heimatland unserer Kinder. Wir werden unser Haus in Harare behalten, aber für die Zukunft unserer Familie haben wir uns für die Stabilität entschieden. Robert Mugabe, der seit 35 Jahren an der Macht ist, wird im Februar 92 Jahre alt und mit hinterlistigen Tricks wird sein Nachfolger gesucht. Auch wenn die Inflation seit der Krise im Jahr 2009 zurückgegangen ist, verschlechtert sich die wirtschaftliche Situation zusehends. Vor diesem Hintergrund geht es dem Fussball nicht besser. Der Verband leidet unter seinen Schulden, die Verantwortlichen sind unfähig. Es gibt weder ein Programm, noch Perspektiven, um aus der Krise zu kommen."

2014 haben nicht weniger als 4600 Betriebe geschlossen. Die Arbeitslosigkeit beträgt 80%. Sozialhilfe ist ein Fremdwort. "Die ungefähr drei Millionen Menschen zählende Diaspora, die vor allem in Südafrika und in England lebt, hilft ihren Familien im Land. Der Tourismus kommt nicht in Fahrt. Das hat vielleicht auch damit zu tun, dass die Medien ein falsches Bild von dem Land vermitteln und so die Leute abhalten", sagt Duvillard. "Das Regime ist diktatorisch, aber es gibt dennoch eine oppositionelle Presse. Die Regierung hat die wirtschaftlichen Sanktionen der USA und der EU zum Vorwand genommen, um die sich verschlimmernde Situation zu rechtfertigen. Robert Mugabe, der auch der Afrikanischen Union vorsteht, ist ein intelligenter und kultivierter Mann, der auch auf sein hohes Alter setzt, um sich den Respekt seines Volkes zu sichern."

Regenbogenland

Seit er in Harare lebt, hat Marc Duvillard dennoch soziale und sanitäre Fortschritte beobachten können. "Es gab zum Beispiel eine bewusstere Wahrnehmung von Aids, einer Krankheit, die zahlreiche Familien zugrunde gerichtet hat. Vor einigen Jahren wurden 50% der Kinder wegen der Krankheit Waisenkinder, heute ist die Zahl auf 20% gesunken. Die AYSA hat den Kranken viel geholfen und die Situation verbessert sich. Der Gebrauch von Kondomen ist heute stärker verbreitet.

Marc Duvillard

(ti-press)

Wir fragen Marc Duvillard, ob die feindlichen Reaktionen der Schwarzen gegenüber den reichen weissen Bauern, also den im Jahr 2000 enteigneten ehemaligen Siedlern, immer noch verbreitet seien. "Die Siedler waren immer sehr konservativ und rassistisch gesinnt. Sie haben es immer abgelehnt, ihr Land mit den Gebürtigen zu teilen. Nach den Enteignungen sind viele nach Südafrika oder nach Europa ausgewandert. Andere arbeiten nun auf ihren ehemaligen Höfen für die schwarzen Chefs."

Marc Duvillard bezeichnet Zimbwabwe als "Regenbogennation, dessen Farben sich nicht vermischen. Ob schwarz, weiss oder asiatisch, die Rassen vermischen sich nicht wirklich. Zwar hat nicht jede Rasse ihr eigenes Quartier, diese definieren sich eher über den sozialen Status. Die Reichen mit den Reichen, die Armen mit den Armen, aber es gibt noch zu viele schwarze Vorstädte."

Und die Zukunft in der Schweiz? "Wir müssen nun den Wechsel vorbereiten und uns psychologisch darauf einstellen. Unsere Kinder sind zweisprachig und werden keine Mühe haben, sich an das neue Leben anzupassen. Ich werde weiterhin die Aktivitäten des AYSA überwachen und den Leuten, die dort arbeiten, helfen", sagt der Genfer abschliessend.

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