Expo.02: Es gibt kein Zurück!

Expo-Generaldirektorin Nelly Wenger. Keystone

Noch immer fehlen der Expo.02 Millionen. Die Ausstellung finde dennoch statt, sagte Nelly Wenger. Behinderte werfen der Expo.02 mangelnde Sensibilität vor.

Dieser Inhalt wurde am 06. Januar 2002 - 18:34 publiziert

Der Expo.02 fehlen laut Nelly Wenger immer noch mindestens 20 Mio. Franken Sponsoring-Gelder. Ob die Expo.02 vom Bund eine erneute Finanzspritze über 120 Mio. Franken erhält, entscheidet das Schweizer Parlament im März.

Nelly Wenger zerbricht sich allerdings den Kopf nicht darüber, was ein parlamentarisches Nein für Folgen haben könnte. "Ich habe keine Lösung. Dann ist schon März, ich habe keine Manövriermasse mehr", erklärte Wenger im Interview im "Sonntagsblick".

Am Westschweizer Radio sagte Wenger am Samstag, dass auch ein Nein die Expo.02 nicht in Frage zu stellen vermöge.

"Schweizer Mysterium"

Wenger bezeichnete die Tatsache, dass ein seit Jahren vorbereiteter Anlass vier Monate vor seiner Eröffnung in Frage gestellt werde, als "Schweizer Mysterium". Die finanziellen Probleme der Expo.02 erklärte sie am Radio damit, dass die Schweizer Wirtschaft ihre Sponsoring-Versprechen nicht gehalten habe.

Im "Sonntagsblick"-Interview gab sich Wenger allerdings auch selbstkritisch: "Eine Finanzierung zu 85 Prozent durch die Wirtschaft war totale Utopie."

Nach dem Hayek-Bericht sei das Budget 1999 von 800 Millionen Sponsoring-Geldern auf 454 Millionen korrigiert worden. Auch diese Summe sei jedoch zu hoch angesetzt gewesen sei. "Nicht nur unsere Expo, alle grossen Ausstellungen funktionieren nur mit Staatsgeldern."

Das Kribbeln im Bauch

Sie garantiere jedoch dafür, die Kosten einzuhalten, obwohl immer noch mindestens 20 Millionen Franken fehlten. Täglich habe sie deshalb Sparentscheide zu fällen, sagte Wenger.

Trotzdem blickt die Expo-Chefin der baldigen Eröffnung der Landesausstellung mit Freude entgegen: "Es kribbelt im Bauch, man ist nervös und freudig erregt." Der Vorverkauf laufe über Erwarten gut.

Wenger rechnet mit 4,8 Millionen Besucherinnen und Besuchern sowie mit über 10 Millionen Eintritten.

Erneut Kritik

Der Schweizerische Invaliden-Verband (SIV) warf der Expo.02 derweil mangelnde Sensibilität für die Bedürfnisse behinderter Menschen vor. Die Forderungen nach einer durchgehenden Zugänglickeit der Ausstellung für Behinderte seien nur zum Teil aufgenommen worden, erklärte der SIV.

Eine Zwischenbilanz habe ergeben, dass die Projekt-Teams der Expo.02 für die besonderen Probleme der seh- und hör-behinderten Menschen nach wie vor kaum sensibilisiert seien. In einigen Expo-Bereichen seien ungeeignete Hilfsmittel ausgewählt worden.

Der Expo.02 war bereits früher Diskriminierung von behinderten Menschen vorgeworfen worden. Im vergangenen September hatte sich die Pro Infirmis unter Kritik aus der Landes-Ausstellung zurückgezogen. Die Expo-Leitung hatte die Kritik als unfair zurückgewiesen.

swissinfo und Agenturen

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