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FRANKFURT (awp international) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat noch keine eindeutigen Signale für weitere Leitzinserhöhungen geliefert. "Wir haben keine Entscheidung über den Beginn einer Serie von Zinserhöhungen getroffen", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. Er gab jedoch eine Reihe von Hinweisen auf eine weitere Straffung der Geldpolitik im weiteren Jahresverlauf.
Die Geldpolitik sei nach wie vor "sehr akkommodierend", sagte Trichet. Eine akkommodierende Geldpolitik stützt die Konjunktur. Die Inflationsentwicklung müsse "sehr genau" beobachtet werden. Die Preisrisiken seien immer noch aufwärts gerichtet. Angesichts der zuletzt erhöhten Teuerung sei die Vermeidung von Zweitrundeneffekten - also hoher Lohnforderungen und Preisanhebungen als Inflationsausgleich - von "überragender Bedeutung". Trichet bezeichnete zudem die Leitzinsen nicht als "angemessen". Man sei "extrem wachsam" mit Blick auf mögliche Zweitrundeneffekte und werde sie keinesfalls akzeptieren. Im März war die Inflationsrate in der Eurozone auf 2,6 Prozent gestiegen. Die EZB strebt eine Rate von knapp unter zwei Prozent an.
Die EZB hatte zuvor ihren Leitzins wie erwartet erhöht. Der Leitzins steigt um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent. Von dpa-AFX befragte Ökonomen hatten dies einhellig erwartet. Der wichtigste Zins zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld war in der Wirtschafts- und Finanzkrise im Mai 2009 auf das Rekordtief von 1,0 Prozent gesenkt worden. Die letzte Leitzinsanhebung gab es am 3. Juli 2008. Damals hob die EZB den Leitzins von 4,0 Prozent auf 4,25 Prozent an.
Dieser Zinsschritt helfe, die Inflationserwartungen weiterhin fest zu verankern, sagte Trichet weiter. Die Inflationsrisiken begründete Trichet vor allem mit den hohen Energiepreisen, die angesichts des starken Wachstums in den Schwellenländern weiter steigen könnten. Er zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die EZB die Inflationserwartungen fest verankern kann. Die Wachstumsaussichten im Euroraum bezeichnete Trichet unterdessen als ausgewogen.
Die EZB steht nach der jüngsten Zinserhöhung laut Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) wohl nicht vor einem klassischen Straffungszyklus. Vielmehr zeichne sich ein "gemächlicher Normalisierungsprozess" ab, heisst es in einer Kurzstudie. Gleichwohl liessen jüngst gestiegene Inflationserwartungen und anhaltend hohe Rohstoffpreise weitere Zinsschritte im Verlauf des Jahres erwarten.
Laut Commerzbank hält sich die EZB bei ihrer Zinspolitik alle Möglichkeiten offen. "Konkrete Hinweise auf eine weitere Zinserhöhung in der nächsten Zeit hat EZB-Chef Trichet zwar nicht gegeben", sagte Commerzbank-Experte Michael Schubert. Im Detail allerdings sieht Schubert Hinweise, dass die jüngste Zinserhöhung nicht die einzige in den nächsten Monaten gewesen sein dürfte. Hierauf deuteten vor allem die Aussagen Trichets hin, wonach die Geldpolitik immer noch sehr akkommodierend ist und die Preisrisiken nach oben gerichtet sind.
Unterdessen hat die EZB den Abstand des Leitzinses zu ihren anderen beiden Refinanzierungsinstrumenten unverändert belassen. Der Abstand des Einlagensatzes und des Spitzensatzes für Ausleihungen zum Leitzins liegt weiter bei 0,75 Prozentpunkten. So erhöhte die Notenbank alle drei Zinssätze um 0,25 Punkte. Der Einlagensatz liegt nun bei 0,5 Prozent und der Satz zur Spitzenrefinazierung bei 2,0 Prozent. Laut Trichet hat der EZB-Rat darüber diskutiert, die Differenz zwischen den Sätzen wieder wie früher auf 1,0 Prozentpunkte anzuheben. Wann hier eine Änderung ansteht, wird laut Trichet die Zukunft zeigen.
Trichet begrüsste die Anfrage von Portugal nach Finanzhilfe: "Wir haben Portugal ermutigt, Hilfen zu beantragen." Dies sei nach den jüngsten Entwicklungen in Portugal notwendig geworden. Er forderte andere Länder wie Irland und Griechenland auf, ihre Reformprogramme fortzusetzen. Dabei gehe es nicht nur um die Haushaltspolitik sondern auch um die Arbeitsmarktpolitik. Die Geldpolitik hingegen müsse die gesamte Eurozone berücksichtigen. Aber auch die schwächeren Länder profitierten von einem hohen Vertrauen in die Geldpolitik und der Verankerung von Inflationserwartungen./jsl/bgf/he

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