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HELSINKI (awp international) - Die Europäische Zentralbank (EZB) wird ihre Leitzinsen offenbar nur vorsichtig anheben. Die Notenbank signalisierte am Donnerstag noch keine weitere Zinserhöhung im Juni. "Wir werden alle Entwicklungen sehr genau beobachten", sagte EZB-Chef Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Helsinki. Die Signalformulierung "hohe Wachsamkeit", womit die Notenbank für gewöhnlich einen Zinsschritt einen Monat im Voraus ankündigt, verwendete Trichet in der Erklärung des EZB-Rats nicht. Zuvor hatte die Notenbank wie von Volkswirten erwartet den Leitzins bei 1,25 Prozent belassen.
Volkswirte erwarten eine Leitzinsanhebung jetzt erst im Juli. "Offensichtlich hat die EZB ihre nächste Zinserhöhung um 0,25 Punkte von Juni auf Juli verschoben", schreibt Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding in einer Studie vom Donnerstag. Wie viele andere Beobachter rechnet Schmieding mit einer Zinserhöhung pro Quartal um je 0,25 Punkte. Diesen Kurs dürfte die Notenbank fortsetzen, bis ein "neutrales" Zinsniveau bei drei Prozent erreicht sei. Möglicherweise habe auch der starke Anstieg des Euro die EZB von einer schnelleren Zinserhöhung abgehalten, vermutet Schmieding.
LEITZINS DÜRFTE ERST IM JULI WIEDER ANGEHOBEN WERDEN.
Der Leitzins dürfte daher voraussichtlich auch im Juni bei 1,25 Prozent bleiben. Zuletzt hatte die EZB im April ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte angehoben. EZB-Beobachter hatten sich zuletzt uneinig gezeigt, ob die Notenbank den Leitzins bereits im Juni oder erst im Juli anheben wird. Anfang April hatte die Notenbank mit der ersten Zinsanhebung nach der Finanzkrise die Zinswende im Euroraum eingeleitet.
Die Preisrisiken im Euroraum sind laut Trichet nach wie vor aufwärts gerichtet. Allen voran die hohen Energiepreise stellten ein Risiko für die Preisentwicklung dar. Zudem verwies er auf die anhaltend hohe Liquidität in den Märkten. Entscheidend sei, dass sich der jüngste Preisauftrieb nicht in einen breit angelegten Inflationsdruck wandele. Eine wichtige Voraussetzung hierfür seien fest verankerte Inflationserwartungen, bekräftigte Trichet. Grundsätzlich habe man die Einschätzung der Inflationslage aber nicht geändert.
GELDPOLITIK BLEIBT WACHSTUMSSTÜZEND
Im April war die Teuerung im Euroraum auf 2,8 Prozent gestiegen. Sie liegt damit deutlich über dem Zielwert der EZB von knapp zwei Prozent. Trichet bezeichnete die Geldpolitik der EZB als nach wie vor "sehr akkommodierend", also wachstumsstützend. Auch nach der jüngsten Zinserhöhung von Anfang April sei das Zinsniveau niedrig. Die Wachstumsrisiken im Währungsraum bezeichnete Trichet unterdessen als weitgehend ausgewogen.
Der Eurokurs reagierte mit deutlichen Kursverlusten auf die Aussagen Trichets. Er fiel um fast zwei Cent von 1,4840 Dollar auf 1,4660 Dollar. Die Kurse von deutschen Staatsanleihen legten deutlich zu. Die Aktienmärkte reagierten hingegen kaum auf die Aussagen.
TRICHET BEGRÜSST HILFSPAKET FÜR PORTUGAL
Trichet begrüsste zudem das vereinbarte Hilfspaket für Portugal. "Das Programm enthält alle notwendigen Elemente, um eine nachhaltige Stabilisierung der portugiesischen Wirtschaft zu erreichen." Mit dem Programm könne das Vertrauen zurückgewonnen werden. Er forderte zudem die Regierung Finnlands auf, ihrer Verantwortung für die Eurozone nachzukommen. "Alle Länder müssen ihrer Verpflichtungen nachkommen", sagte Trichet. In Finnland ist die Zustimmung für das Hilfspaket für Griechenland noch nicht sicher, da die voraussichtliche Regierungspartei der "Wahren Finnen" noch ihre Zustimmung verweigert.
Trichet sprach sich erneut gegen eine Umschuldung von griechischen oder irischen Schulden aus. Es gebe für beide Länder einen Plan, der eingehalten werden müsse. Er forderte alle Länder auf, ihre Versprechungen zur Senkung der Defizite einzuhalten. In einige Staaten bestehe die Gefahr, dass dies nicht geschehe. Die wirtschaftliche Schwäche in einigen Ländern der Eurozone habe die EZB aber nicht von einer Zinserhöhung abgehalten. Die EZB betrachte immer nur den Durchschnitt des Währungsraums, sagte Trichet./bgf/jsl

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