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Startschuss im Milliarden-Poker.

(Keystone)

Am Donnerstag war es soweit: In Luzern öffnete das erste der 21 Schweizer Grand-Casinos.

Bisher hatte die Schweiz lediglich Automaten-Casinos betrieben. Nun sind in den Spielbanken auch Tischspiele wie Roulette und Black Jack zugelassen.

Nach Luzern werden 17 der 21 vom Bundesrat konzessionierten Casinos noch in diesem Jahr ihre Türen aufmachen. Die meisten von ihnen sind Betriebe mit sogenannten B-Lizenzen. Hier gelten limitiertes Spielangebot und beschränkte Einssatzhöhe. In den sieben Grand Casinos mit A-Konzession darf ohne jede Grenze gespielt werden.

Neuer Wirtschaftszweig

Mit 21 Casinos weist die Schweiz die grösste Spielbanken-Dichte Europas auf. Die Casino-Betreiber hoffen auf Milliarden-Geschäfte. Das Casino Luzern zum Beispiel erwartet einen jährlichen Brutto-Spielertrag von 50 bis 60 Mio. Franken. Brutto-Spielertrag heisst Umsatz minus ausbezahlte Gewinne. Die grösste Spielbank in der Schweiz, das Casino Baden (Eröffnung 5. Juli), rechnet gar mit fast 120 Mio. Franken.

Der neue Wirtschaftszweig ist indessen unter Aufsicht des Bundes stark reglementiert. Die eingesetzten Automaten müssen homologiert werden. Zwielichtige Casino-Spieler sollen durch effiziente Überwachungs-Systeme ferngehalten werden. Dazu gehört auch die Geldwäscherei-Prävention. Und die Eidgenössische Spielbanken-Kommission (ESBK) wird die Abrechnungen streng kontrollieren.

Starke ausländische Präsenz

Nach der Konzessions-Vergabe durch den Bundesrat herrschte Katerstimmung bei den künftigen Schweizer Spielcasino-Betreibern: Es war klar, dass vor allem ausländische Croupiers "abkassieren" werden. Nur zwei "Spielhöllen" sind in Schweizer Hand, an allen anderen sind ausländische Kapitalgeber beteiligt. Fünf gehören sogar voll österreichischen oder französischen Unternehmen (siehe Link "Wer ist wo?").

In dieser Beziehung hat sich nach Ansicht der Casinos & Entertainment SA (Escor) bis heute nicht viel geändert. Von fünf eingereichten Projekten kann sie nur das in Lugano realisieren. "Wir sind nach wie vor nicht glücklich und finden, dass die Ausländer im Fall Schweiz zu gut zum Zuge kamen. Den Schweizer Betreibern wurde eigentlich keine Chance zugebilligt, sich zu bewähren", so Escor-Chef Christian Vollmer zu swissinfo. Gegenüber der "massiven Präsenz" der Österreicher und Franzosen seien die Schweizer klar zu kurz gekommen.

Kalte Füsse

Da die Casino-Dichte in der Schweiz in der Relation zur Grösse des Landes sehr hoch ist, wird in dem neuen Wirtschaftszweig harte Konkurrenz herrschen. Einzelne Investoren hätten bereits kalte Füsse bekommen und Minderheits-Beteiligungen an kleinen Standorten wieder verkaufen wollen, hört man in der Branche.

Indirekt bestätigt dies Christian Vollmer: "Ja, es macht sich jetzt eine Art Realismus breit, man beginnt sich langsam zu überlegen, was bringen uns die Investitionen, und sind wir überhaupt bereit, für unsere kleinen Beteiligungen in der Schweiz so hohe Hürden in jeder Beziehung nehmen zu müssen. Und aus diesem leichten Anflug von Frust machen sich jetzt auch Verkaufsgelüste breit."

Escor habe auch schon konkrete Angebote erhalten, sagt Vollmer. "Nur ist es so, dass wir nicht die schlechten Brosamen anderer ernten möchten. Wir warten noch zu und schauen mal, ob da nicht noch bessere Brocken abfallen für uns." Warten sei aber nicht unbedingt die einzige Strategie, man gehe "auf jeden Fall Richtung Casino". Man müsse aber nicht unbedingt auf jeden Zug aufspringen.

Casino-Gewinner Fiskus

Der Milliarden-Poker der Spielbanken ist also ungewiss. Deshalb möchte Escor-Chef Christian Vollmer erst mal die Erfahrungen des eigenen Casinos in Lugano und jene der anderen Spielbanken abwarten. "Das Business hat aber grundsätzlich sicher Erfolg. Das ist unbestritten." Die Frage sei nur, ob es in diesem grossen Ausmass Erfolg haben werde und ob so viele Betreiber ihre Chancen jetzt erfüllt sehen würden. "Da bin ich eher skeptisch", so Vollmer zu swissinfo.

Auf einem anderen Blatt steht zudem, ob die Schweizerinnen und Schweizer zu solch leidenschaftlichen Spielern werden, wie das die Casino-Betreiber gerne möchten. Branchen-Kenner jedenfalls hegen Bedenken.

Der einzige sichere Casino-Gewinner ist der Bund. Der Fiskus erhält, je nach Umsatz, zwischen 40 und 80% der Brutto-Spielerträge. Die Gelder kommen der Altersversorgung (AHV) zugute. Die Grösse des Gesamtmarktes wird optimistisch auf knapp eine Milliarde Franken geschätzt. Der Bund ist da vorsichtiger und geht von rund 600 Mio. Franken aus.

Jean-Michel Berthoud


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