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Fall Bellasi: Vorwürfe gegen Schreier fallengelassen

Der Tatvorwurf gegen Oberst Fred Schreier, den Vorgesetzten des mutmasslichen Millionenbetrügers Dino Bellasi, soll fallengelassen werden. Es gebe bisher keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten von Personen aus dem Militärbereich der Verwaltung.

Dieser Inhalt wurde am 10. Juli 2000 - 17:04 publiziert

Der Tatvorwurf gegenüber Schreier lasse sich nicht aufrecht erhalten, sagte die eidgenössische Untersuchungsrichterin Monique Saudan am Montag (10.07.) in Bern vor den Medien. Sie werde deshalb der Bundesanwaltschaft im Schlussbericht die Einstellung des Verfahrens beantragen. Bis der Bericht vorliege, könne es "noch Monate dauern".

Laut Saudan hat die Voruntersuchung bisher keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten von Personen aus dem Militärbereich oder der Verwaltung ergeben. Das Verfahren gegen Schreier sei wegen Verdachts auf ungetreue Geschäftsführung und nicht wegen eines gemeinsam mit Bellasi begangenen Delikts eröffnet worden.

Gegen Dino Bellasi, der im Nachrichtendienst als Rechnungsführer gearbeitet hatte, wird wegen Verdachts auf Betrug, der Veruntreuung, der Urkundenfälschung, der Amtsanmassung, der Geldwäscherei, der falschen Anschuldigung und der Verleumdung ermittelt.

Es wird ihm vorgeworfen, von März 1994 bis Juli 1999 mit Vorschussmandaten insgesamt 8,8 Mio. Franken bei der Nationalbank bezogen zu haben. Bellasi hatte via Medien mitteilen lassen, dass er die Gelder für ein geheimes Projekt beschafft habe.

Kaum mehr Geld da

Es sei nicht zu erwarten, dass man davon noch viel finde, sagte Saudan. Sie verwies auf Bellasis kostspieligen Lebenswandel. So soll er mit dem Privatjet auf die Malediven geflogen sein, in der Präsidentensuite eines Luxushotels übernachtet und Trinkgelder in der Höhe von 1000 Mark pro Tag bezahlt haben.

Was genau mit dem Geld passiert ist, soll die weitere Untersuchung klären. Anhand der Verwendung der Gelder könne am besten gezeigt werden, ob Bellasi "im Auftrag" gehandelt habe oder nicht.

Nach einem Augenschein in Österreich und Portugal sei klar, dass die dort von Bellasi gekauften zwei Liegenschaften im Wert von weit über einer Million Franken "rein persönlichen Zwecken" dienten, sagte Saudan weiter.

Zufälliges Treffen

Sie habe sich zudem bei einer richterlichen Befragung von österreichischen Obersten vergewissern können, dass es sich beim Treffen mit drei hohen Schweizer Offizieren im Oktober 1998, von denen der eine früher beim Nachrichtendienst arbeitete, um "einen Zufall" gehandelt habe. Sie logierten im gleichen Hotel in Graz, in dem sich auch Bellasi aufhielt.

In der Voruntersuchung sind über 20 Zeugen und Auskunftspersonen einvernommen und vereinzelt auch mit Bellasi konfrontiert worden. Ermittelt wurde zudem in Liechtenstein, Österreich, Deutschland und Portugal. Ein Rechtshilfeersuchen nach Grossbritannien wird laut Saudan gerade vorbereitet.

Bellasi sitzt weiterhin in Untersuchungshaft. Es gehe ihm psychisch gut, sagte sein Anwalt, André Seydoux. Bisher habe er kein Haftentlassungsgesuch gestellt. Zuerst wolle sein Mandant das psychiatrische Gutachten abwarten.

swissinfo und Agenturen

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