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FC Basel: Dribbelkunst und Raffinesse

Basel ist wieder die Fussball-Hochburg der Schweiz. 22 Jahre musste Rot-Blau warten, ehe der FCB nach den "goldenen Siebzigerjahren" wieder kollektive Glückseligkeit verbreitet. Der FC Basel wurde überlegen Meister mit Gross-artigen Tugenden.

Der Erfolg hat drei Baumeister: Rene C. Jäggi, der innovative Präsident mit Tendenz zu diktatorischem Führungsstil, Trainer Christian Gross mit seinem resultatorientierten Fussball, und "Gigi" Oeri aus der steinreichen Besitzer-Dynastie des Chemiemultis Roche, die den Erfolg massgeblich (mit)finanzierte.

Zwischen 1967 und 1977 stand der FCB schon einmal an der nationalen Fussballspitze. Damals gewann Basel allein sechs seiner nunmehr neun Titel. Die Protagonisten von damals sind Fussballlegenden. "Karli" Odermatt, Demarmels, Hasler, Mundschin, Stohler, Lauscher, Tanner, die Goalies Kunz und Küng und Ottmar Hitzfeld und vor allem der ehemalige deutsche Baumeister und Spielertrainer Helmut Benthaus sind Idole geblieben.

In den 80-er Jahren gings bergab. 1988 erfolgte gar der Abstieg in die Nationalliga B, in welcher der FCB sechs Saisons schmorte. 1994 erfolgte unter Trainer Claude "Didi" Andrey der ersehnte Wiederaufstieg. Zwei Jahre später stieg René C. Jäggi, ein dynamischer Macher, als Präsident ein. Der ehemalige Adidas-Chef sanierte den FCB und gab ihm zeitgemässe Strukturen. Basel sollte ein Vorzeigeverein werden, sportlich erfolgreich, gesellschaftlich salonfähig und wirtschaftlich interessant.

Kultstätte St.Jakob-Park

Der Präsident und seine Helfer trieben den Stadionbau voran. Heute präsentiert sich der St. Jakob-Park mit einem Fassungsvermögen von 33'433 Zuschauern als Kultstätte. Der begeisterungsfähige Anhang wurde wieder zum 12. Mann. Rot-blau war wieder "in". Selbst die Basler Chemie, die jahrelang materiellen Support verweigerte, stand nicht mehr abseits. Vorstandsmitglied "Gigi" Oeri sei Dank. Die Powerfrau stiess manche Türen auf, die verschlossen schienen.

Nach anfänglichen Irrtümern mit unpassenden Trainern (Didi Andrey, Jörg Berger und Guy Mathez) und launigen und kostspieligen Selbstdarstellern wie Rytschkow, Gaudino, Potocianu oder Ouattara, erfolgte im Sommer 1999 die Wende.

Fussball-Workaholic Gross

Jäggi holte auf die Saison 1999/2000 mit Christian Gross einen ehrgeizigen Zürcher ans Rheinknie, der für den Fussball lebt und diesem alles unterordnet. Mit GC wurde Gross zweimal Meister und er führte den Rekordmeister in die Champions League. In England rettete er Tottenham vor dem Abstieg, ehe seine nüchterne und sture Art Gegner provozierte und die Entlassung vorzeichnete.

Gross gilt in der Fussballszene als unnachgiebiger "harter" Hund mit klaren Visionen. Seine Philosophie hat er nicht geändert. Der ausgezeichnete Motivator baut auf Athletik und mentale Stärken, setzt auf grossgewachsene, kopfballstarke Spieler, plädiert für mannschaftliches Kollektiv und strikte Disziplin. Er hat Basel gross-artige Tugenden verpasst.

Teamleader Murat Yakin

Der FCB wurde zwar hoch verdient, aber unspektakulär Meister. Der Trainer lässt zweckorientierten Fussball spielen und verpflichtete dazu die Leute, die seinen Vorstellungen entsprachen. Das ging von Koumantarkis bis Zwyssig. Der Aufschwung fing aber mit Murat Yakin an, diesem ebenso hochbegabten wie oft genügsamen Abwehrchef mit enormer Sprungkraft und Antizipationsfähigkeiten. Ihn machte Gross zum Teamleader. Er hat das Erbe des Deutschen Oliver Kreuzer angetreten.

Mit Hakan Yakin und Ergic, mit Varela und Chipperfield fanden aber auch spielerische Elemente Einzug ins Teamgefüge. "Es ist daher falsch, nur von alt-englischem Fussball mit langen Bällen zu sprechen", wendet Gross ein, "abgesehen davon, dass auch ein langer Ball ein positiver Ball sein kann."

Zahlen belegen diese These. Basel hat dank seiner robusten Abwehr nicht nur am wenigsten Tore in der Finalrunde erhalten und sich als konstanteste Mannschaft der ganzen Saison erwiesen. Im Frühjahr erzielte der FCB auch am meisten Plustore, herausgespielte und spektakuläre zudem. Viel dazu beigetragen hat Goalgetter Christian Gimenez.

Seit "Gigi" Oeri den Transfer des Argentiniers von Lugano nach der 1:8-Startschlappe in Sion ermöglicht hatte, besteht Basels Angriff nicht nur mehr aus "koumantarakischer" Wucht und tum'schen Genuschel, sondern auch aus Dribbelkunst und Raffinesse.


Offiziell beträgt das Budget des neuen Meisters 24 Mio. Franken. Es mögen aber auch einige Millionen mehr sein, denn Basel verstärkte sind ständig, zuletzt mit Zwyssig und Atouba in der Winterpause und mit Julio Hernan Rossi bereits für die nächste Saison. "Champios League" heisst das übergeordnete Ziel, der 6. Cupsieg am 12. Mai gegen Erzrivale Grasshoppers das nächste.

Mit Gimenez' einstigem "Sturmzwilling" Rossi weist der FCB künftig den besten und effizientesten Schweizer Sturm auf. Zwei, drei weitere Transfers, vor allem auf den Abwehrflanken (Haas, Zellweger, Di Jorio?) und ein exzellenter (ausländischer) Mittelfeldspieler stehen weiter auf Gross' Wunschliste.

Der Etat wird weiter angehoben, auf 35 oder 40 Millionen oder mehr. Der FCB wird in den nächsten Jahren zum internationalen Erfolg verdammt sein - sonst platzen die hohen Ziele wie vor noch nicht langer Zeit bei den Grasshoppers.

swissinfo und Peter Wyrsch (si)

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